Vorurteile beim Sprachfördercamp abbauen

Von: Norbert F. Schuldei
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Auch in den Osterferien sind die wissbegierigen Teilnehmer des Sprachfördercamps mit Begeisterung bei der Sache. Foto: Schuldei

Hückelhoven. Dass Hunde wild und gefährlich sind, weiß doch jedes Kind. Deshalb geht Gustav ihnen auch lieber aus dem Weg. Herr Schnuff sieht das ganz anders: Kleine Jungs sind wild und gefährlich, deshalb nimmt er lieber gleich Reißaus. Doch unverhofft kommt oft?

Für die 18 Kinder, die trotz der Osterferien jeden Morgen in die Gemeinschaftsgrundschule An der Burg gehen, gehört das Bilderbuch „Keine Angst vor gar nichts” zur täglichen Lektüre. Mal schlüpfen sie in die Rolle von Herrn Schnuff, dem Hund; und dann wieder sind sie Gustav, das Kind. „Das Bilderbuch setzen wir natürlich in erster Linie ein, um die sprachliche Kompetenz der Kinder zu fördern”, sagt Dirk Gröbert. „Aber auch, um Vorurteile abzubauen.” Dirk Gröbert ist Rektor der Gemeinschaftsgrundschule An der Burg in Hückelhoven.

Und die 18 Kinder, die sich in dieser Woche trotz der Ferien jeden Morgen auf den Weg in „ihre” Schule gemacht haben, nehmen an einem „Sprachfördercamp” teil. „Ein solches Sprachfördercamp gab es bisher nur an einer Kölner Schule”, sagt Gröbert. Feriensprachcamps werden von den Stellen in der Schulverwaltung, die für solche Projekte Geld zur Verfügung stellen, als „sinnvolle Erweiterung der Sprachkompetenz der Schüler, die zur allgemeinen Verbesserung der schulischen Leistungen beitragen” eingestuft. Es kommt nicht von ungefähr, dass gerade an der Grundschule An der Burg ein solches Projekt durchgeführt wird: Von den 290 Schülern haben rund 60 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund. Drei Lehrkräfte der Schule unterrichten muttersprachlichen Unterricht in Spanisch, Türkisch und Arabisch. Dies ist ein Baustein im Gesamtkonzept der Grundschule An der Burg, das im Deutsch der Schulverwaltung „QuisS-Qualität” genannt wird.

„QuisS”, das steht für „Qualität in sprachheterogenen Schulen”. Mit diesem Programm sollen an solchen Schulen neue Wege zur systematischen und wirkungsvollen Unterstützung von Schülern mit einer Zuwanderungsgeschichte beschritten werden. Und die Grundschule An der Burg ist eine mehrsprachige und interkulturelle Schule. „Für die meisten Kinder mit Migrationshintergrund an unserer Schule ist Deutsch die zweite Sprache, Zuhause unterhalten sie sich in ihrer Muttersprache”, sagt Gröbert. Natürlich bringt das Probleme mit sich - für die Kinder, aber auch für die Lehrer.

Deshalb sind im Laufe der Jahre eine Reihe von Bausteinen entwickelt worden, um den Kindern das nötige Rüstzeug für ihre Zeit nach der Grundschule mit auf den Weg zu geben. Da gibt es seit zehn Jahren „Koala”, die koordinierte Alphabetisierung im Anfangsunterricht, da gibt es „DemeK”, das Deutschlernen in mehrsprachigen Klassen und da gibt es „Rucksack”, bei dem die Mütter als Expertinnen für das Erlernen der Erstsprache mit ins Boot genommen werden.

„Was wir hier im Sprachcamp mit den 18 Kindern in der Gruppe an einem Tag geschafft haben, zieht sich in einer normalen Deutschstunde mit 25 Kindern über eine Woche hin”, sagt Dirk Gröbert. Und er zieht damit ein positives Fazit des Camps an den vier ersten Tagen der Osterferien. Das hatten sich wohl auch die Verantwortlichen bei der Stadt Hückelhoven so gedacht, als sie für das „sinnvolle Projekt” Sprachfördercamp einen Zuschuss von 1700 Euro bewilligten.

Die 18 Kinder haben also die Geschichte über Herrn Schnuff, den Hund, und Gustav, das Kind, gelesen, sie haben sie neu erfunden, haben Teile dazu gedichtet und andere Teile unter den Tisch fallen lassen, haben Wörter buchstabiert und die Rechtschreibung daran geübt, haben die Geschichte nacherzählt, haben einen Perspektivwechsel durchgeführt - und überhaupt fast alles gemacht, was man mit einer schönen Geschichte so alles machen kann. „Keine Angst vor gar nichts” ist eine ideale Geschichte, um Grammatik und Poesie miteinander zu verknüpfen”, sagt Gröbert. Pädagogisch ausformuliert klingt das, was die beiden studentischen Hilfskräfte, der Pädagoge Gröbert und der Sonderschulpädagoge Werner Linnartz, den sechs Mädchen und zwölf Jungs aus dem vierten Schuljahr vermittelt haben so: „Sprachliches Ziel soll sein, die Kinder zu motivieren, ihre deutschen Sprachkenntnisse für eine aktive Sprach-Verwendungssituation zu erweitern und zu erproben.

Natürlich wurde nicht nur schwer gearbeitet in der Schule - es blieb auch genügend Raum zum Spielen. Und mittags gabs eine warme Mahlzeit und Obst und Kuchen. Also doch auch ein bisschen Ferien.
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