Kreis Heinsberg - Volle Auftragsbücher: „Das Handwerk ist in Champagnerlaune“

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Volle Auftragsbücher: „Das Handwerk ist in Champagnerlaune“

Von: Udo Stüßer
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Die Handwerksbetriebe gehen mit einer großen Portion Optimismus ins neue Jahr. Darüber freut sich auch Dr. Michael Vondenhoff, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Heinsberg. Foto: Udo Stüßer

Kreis Heinsberg. Die Auftragsbücher für die nächsten Monate sind voll, die Umsatzentwicklung ist stabil, die Prognosen sind positiv, und auch die Beschäftigungslage und die Entwicklung neuer Lehrverträge sind erfreulich: Im Handwerk herrscht beste Stimmung.

„90 Prozent der Betriebe im Kammerbezirk Aachen blicken optimistisch in die Zukunft“, sagt Dr. Michael Vondenhoff, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Heinsberg, die die Interessen von rund 3500 Handwerksbetrieben im Kreis Heinsberg mit rund 24.000 Beschäftigten vertritt. Die Zahl von 90 Prozent werde aber, so Vondenhoff, im Kreis Heinsberg sogar noch getoppt: „Hier liegt der Wert bei 97 Prozent. So einen Wert hat es noch nie gegeben. Einfach traumhaft“, sagt er und zitiert Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen: „Das Handwerk ist in Champagnerlaune.“

Dass die Auftragsbücher der Handwerksbetriebe gut gefüllt sind, hat er nicht nur durch Umfragen, sondern auch aus eigener Erfahrung feststellen können. Das „Haus des Handwerks“ an der Nikolaus-Becker-Straße braucht ein neues Dach, und auch der Keller müsste saniert werden. Die Verträge mit den Handwerksbetrieben hat er bereits im Herbst unterschrieben. Doch angerückt ist bisher noch keiner. „Selbst wir mit einem guten Draht zum Handwerk müssen Wartezeiten in Kauf nehmen. Es wird sicherlich Frühjahr, bis wir mit den Arbeiten beginnen können.“

Bis Ende des Jahrzehnts

Die gute Konjunkturlage wird Vondenhoffs Ansicht nach mindestens bis Ende des Jahrzehnts anhalten. „Das sieht übrigens auch die Industrie- und Handelskammer so. Die Zinsen sind niedrig, man investiert in Betongold, Aktiengewinne werden in Grund und Boden und in Immobilien gesteckt. Das Haus ist nach wie vor eine der besten Kapitalanlagen“, versichert Vondenhoff.

Besonders gut sei die Auftragslage im Bereich der Industriebauten, aber auch im Bereich der Ein- und Zweifamilienhäuser gebe es keinen Grund zur Klage. „Auch dem Baunebengewerbe geht es gut. Viele Immobilienbesitzer investieren in ihre Häuser. Man merkt, dass die Menschen ihr Geld in Konsum stecken“, sagt der Geschäftsführer. Sicherlich seien auch Bäcker und Metzger recht zufrieden.

Der Kreis Heinsberg sei handwerklich geprägt. „Unsere Handwerker sind gefragt. Sie haben einen guten Ruf und sind flexibel. Sie wissen, dass man nicht nur im Kreis Heinsberg Geld verdienen kann und fahren bis ins Ruhrgebiet“, sagt Vondenhoff.

Nach wie vor problematisch ist der Fachkräftemangel im Handwerk. Eine Ursache sei, so Vondenhoff, der demografische Wandel. „Viele Jugendliche wollen keine Ausbildung mehr machen, sondern eine akademische Laufbahn einschlagen.

30 Prozent der angehenden Akademiker brechen allerdings ihr Studium ab und hoffen dann, vom Handwerk aufgefangen zu werden. Dann sind diese Jugendlichen aber älter und schwer in einen Betrieb zu integrieren“, hat Vondenhoff in vielen Gesprächen mit Handwerksmeistern erfahren. Ein weiterer Grund dafür, dass es im Handwerk an Nachwuchs mangelt, sei die Tatsache, dass das Handwerk in Konkurrenz zur Industrie stehe, die ihre Arbeitnehmer besser bezahle.

„Aber im Handwerk hat man zwischenzeitlich reagiert, die Löhne steigen auch hier“, versichert Vondenhoff. So mancher Ausbildungsbetrieb unterstütze seine Lehrlinge mittlerweile mit einem Zugticket oder Kilometergeld, um die Lehre „attraktiver zu gestalten“.

Doch auch unter den Jugendlichen scheint die Stimmung zu kippen. Im Bezirk der Handwerkskammer Aachen, zu dem die Kreise Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg gehören, konnte die Zahl der Ausbildungsverträge um rund drei Prozent gesteigert werden.

Mehr Lehrverträge

Diese Zahl, die laut Vondenhoff auch Bundestrend ist, sei im Kreis Heinsberg getoppt worden: „Wir hatten eine Steigerung von zehn Prozent“, freut er sich.

Wurden im Jahr 2016 noch 333 Lehrverträge im Kreis Heinsberg abgeschlossen, so waren es bis Oktober 2017 exakt 377. Spitzenreiter sind hier ganz klar Kfz-Mechatroniker mit 69 eingegangenen Lehrverträgen, gefolgt von Elektronikern (50), Anlagenmechanikern für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (45) und Tischlern (27). Allerdings weiß Vondenhoff auch, dass ein Fünftel aller Ausbildungsverträge von den Jugendlichen wieder gekündigt wird, weil viele junge Leute noch nicht ausbildungsreif sind und die Arbeitsstelle wechseln.

Eine Werbekampagne der Kreishandwerkerschft bei jungen Leuten wurde im vergangenen Jahr von Erfolg gekrönt: „Wir werben weiter um Nachwuchskräfte in der Hoffnung, dass einige von ihnen später den Meister machen und einen eigenen Betrieb gründen“, sagt Vondenhoff.

Ein Problem im Handwerk sei, dass in vielen Betrieben die Nachfolge nicht gesichert ist. „Manche Firmenchefs kaufen eine Firma auf, in der es keine geregelte Nachfolge gibt, nur um die Angestellten beschäftigen zu können“, hat Vondenhoff festgestellt.

Vor Jahren noch ist man davon ausgegangen, dass man durch die große Zahl von Flüchtlingen den Fachkräftemangel im Handwerk beheben könnte.

„Wir versuchen natürlich, Flüchtlinge zu integrieren. Aufgrund der Sprachprobleme ist das aber schwierig. Unsere Probleme im Handwerk werden sie nicht lösen“, sagt Vondenhoff. Er freut sich allerdings darüber, dass sieben junge Flüchtlinge eine Ausbildung zum Bäcker begonnen haben. Insgesamt sind es elf Bäckerlehrlinge, die im vergangenen Jahr in diesem Beruf gestartet sind.

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