Hückelhoven - Vier Jahre Haft für den Maurer als „Hobby-Gärtner”

Sturm

Vier Jahre Haft für den Maurer als „Hobby-Gärtner”

Von: Heike ahlen
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Grün wie die Hanf-Pflanzen war auch die Aktenmappe, mit der Hans Günter V. im Gerichtssaal sein Gesicht verbarg. Foto: Heike Ahlen

Hückelhoven. „Sie hätten besser Ihr gärtnerisches Talent in eine legale Produktion eingebracht”, sagt die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer zu Hans Günter V. (44). Sie fordert vier Jahre Haft für den Mann aus dem Hückelhovener Ortsteil Brachelen - Richter Rainer Biermann wird sich später diesem Vorschlag anschließen.

Rund zehn Kilogramm Marihuana hat der gelernte Maurer zwischen März 2010 und seiner Entdeckung am 15. März 2012 in der Wohnung und auf dem Hof seines Hauses angebaut, das gesteht er vor Gericht. Verkauft hat er längst nicht alles, mehr als 6,5 Kilo finden die Ermittler noch bei ihm.

Dass er ein Amateur in der Szene ist, wie sein Verteidiger unterstreicht, nehmen ihm auch Staatsanwältin und Richter ab. Denn er hat zwar einige Vorstrafen wie Schwarzfahren oder Körperverletzungen unter Alkoholeinfluss, aber die liegen alle lange zurück. „Es scheint, als hätte der Umzug von Düsseldorf aufs Land Ihnen gut getan”, so die Staatsanwältin weiter. „Nur haben Sie leider die falsche Idee gehabt.”

Das Maurergewerbe ist kein Einfaches. Nach vielen guten Jahren hatte der Mann häufiger wechseln müssen. Als er sich 2008 schwer an der Schulter verletzte und nicht mehr mauern konnte, war er erst drei Tage in der Firma, noch nicht angemeldet - und so gab es kein Geld von der Knappschaft. Hartz IV konnte er auch nicht geltend machen, denn da war das Haus - ein alter Bauernhof, den er für seine kranke Mutter, seine Frau und sich umbaute. „Ja, und dann bin ich auf die Idee gekommen, mit dem Gras-Samen herumzubasteln”, erzählt er frank und frei.

Tatsächlich habe er zunächst Pflanzen ausgesät, sich an ihrem Wachstum gefreut, bis er begriffen habe, dass er noch viel lernen müsse. Etwa, weibliche und männliche Pflanzen zu unterscheiden, die richtige Wärme- und Lichtzufuhr zu gewährleisten. „Das hat alles nicht so funktioniert, es gab mehr Fehlschläge, als dass es nach vorne ging”, sagt er. „Und als es etwas besser lief, da waren Ihre Kollegen dann auch schon da”, erzählt er dem Richter.

Dass man 181 Pflanzen gezählt habe, nimmt er nickend zur Kenntnis. „Aber aus höchstens 50 davon hätte etwas werden können”, fügt er hinzu.

Für den Richter zählt das Geständnis strafmildernd, aber er hält V. auch vor, warum die Strafe mit vier Jahren doch so deutlich ausfällt. Das geerntete Rauschgift, so hat es ein Gutachten ergeben, hatte einen Wirkstoffgehalt an THC von etwa 500 Gramm. Die „nicht geringe Menge”, wie sie im Juristendeutsch heißt, fängt bei 7,5 Gramm an. Denn daraus könnte man schon 500 „Konsumeinheiten”, also Joints, machen. „Ihr Marihuana hätte für 33.333 mal rauchen gereicht”, macht Richter Biermann deutlich.

Mehr als 18.000 Euro, die bei der Hausdurchsuchung gefunden wurden, landen jetzt in der Staatskasse. Weitere 5000 Euro bekommt der Mann zurück. Seine Mutter hat ihm das Geld für ihre eigene Beerdigung gegeben, wie sie schriftlich erklärte. Aus der Untersuchungshaft, in der er seit März saß, ist Hans Günter V. jetzt erst einmal frei, das Gericht sieht keine Fluchtgefahr. Erst mit Beginn der Haftstrafe muss er wieder einsitzen. Weil sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft auf Rechtsmittel verzichten, ist das Urteil bereits rechtskräftig.
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