Kreis Heinsberg - Trauerarbeit: „Der Tod gehört zum Leben dazu“

Trauerarbeit: „Der Tod gehört zum Leben dazu“

Von: hewi
Letzte Aktualisierung:
7499148.jpg
„Leben bis zum Ende“: Um Hospiz-, Palliativ- und Trauerarbeit ging es bei einer Veranstaltung in der Erkelenzer Stadthalle. Foto: Koenigs

Kreis Heinsberg. Der Umgang der Gesellschaft mit dem Tod ist im Wandel begriffen. Hospize, Palliativstationen und Trauerbegleitung werden verstärkt in Anspruch genommen. In der Erkelenzer Stadthalle informierte das Netzwerk für Hospiz-, Palliativ- und Trauerarbeit im Kreis Heinsberg unter dem Titel „Leben bis zum Ende“ über die Möglichkeiten und Angebote.

Dr. Hans-Georg Troschke skizzierte den aktuellen Stand in der Palliativmedizin und warb für ein menschenwürdiges Sterben. Der Chefarzt der Abteilung Anästhesie und Palliativmedizin am Städtischen Krankenhaus in Heinsberg verstand es in seinem Vortrag, die Situation und Perspektive der Todkranken zu vermitteln. Das Buch „Oskar und die Dame in Rosa“ von Eric-Emmanuel Schmitt, aus dem Troschke zitierte, stellt das Thema aus der Perspektive eines Zehnjährigen dar, der um seinen nahen Tod weiß und sich über die anderen wundert, die das Thema beharrlich ignorieren.

Dann berichtete der Mediziner vom Sterben dreier Patienten, von denen einer nach Hause gegangen sei, „um seine Dinge zu ordnen“ und dann – begleitet im Kreise seiner Angehörigen – zu sterben. „Der Tod gehört zum Leben dazu“, betonte er. Bislang habe die Medizin aber nur gesundheitserhaltend und vorbeugend gedacht. „Ein Sterbender ist für den Arzt uninteressant“, so die provokative These. Sterbende seien in vielen Krankenhäusern früher aus den Zimmern geschoben worden und im Bad einem einsamen Tod überlassen worden. Dies habe sich aber geändert.

Trotzdem stecke die Palliativmedizin noch in den Anfängen. Die deutschlandweit erste Station für Palliativmedizin sei 1983 in einem Kölner Krankenhaus eröffnet, der erste Lehrstuhl 1999 in Aachen gegründet worden. Mit Vorurteilen habe man immer noch zu kämpfen, so Troschke. Die Arbeit werde als „Schöner sterben“ abgetan, es werde ja außer „Händchenhalten“ nichts mehr getan, um das Leben zu verlängern. Dies stimme, sagte Troschke. Der Tod werde weder hinausgezögert noch herbeigeführt. Lebensverlängerung um jeden Preis und ohne jede Lebensqualität sei nicht das Ziel der Palliativmedizin, aber größtmögliche Patientenautonomie und Erhalt der Lebensqualität bis zum Ende. Und vielleicht auch Hilfe bei der Suche nach der Antwort auf die Sinnfrage. Aktive Sterbehilfe werde in der Palliativmedizin abgelehnt. „Unsere Aufgabe ist es, den Tagen mehr Leben zu geben und nicht dem Leben mehr Tage“, lautete sein Fazit vor rund 100 Zuhörern. Sie hatten anschließend Gelegenheit zum Austausch und zur Information an den verschiedenen Ständen im Foyer der Erkelenzer Stadthalle.

Dr. Cornelia Groschopp vom Kreisgesundheitsamt bezeichnete die Angebotspalette im Kreis als „vergleichsweise gut“. Gerade bei der Pflege und Behandlung Schwerstkranker und Sterbender gelte es immer noch, Berührungsängste abzubauen. Darüber hinaus sei neben der Information auch die Koordination der Beteiligten vom Hausarzt bis zum Physiotherapeuten oder Seelsorger wichtig.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert