Kreis Heinsberg - Theater-Stück: Wenn die Pflege in einen Zwiespalt führt

Theater-Stück: Wenn die Pflege in einen Zwiespalt führt

Von: cbo
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„Bis zum Letzten“;: Das Theater Mülheimer Spätlese führte in der Erkelenzer Stadthalle ein Stück auf, das von der schwierigen Situation pflegender Angehöriger handelt. Foto: Koenigs

Kreis Heinsberg. „Dieses Stück bietet einen Blick hinter die Kulissen. Zum einen auf die Pflege von Angehörigen, aber besonders auf die Pflegenden“, so begrüßte Petra Mittenzwei vom Demenz-Servicezentrum Regio Aachen/Eifel die Zuschauer in der Erkelenzer Stadthalle. Unter der künstlerischen und pädagogischen Leitung von Eckhard Friedl griff das Theater Mülheimer Spätlese mit seinem Stück „Bis zum Letzten“ die schwierige Situation von Angehörigen auf, die an Demenz erkrankte Menschen pflegen.

Ein großer geöffneter Käfig auf der Bühne bot bereits die entsprechende Kulisse für ein Stück mit echtem Tiefgang. 13 Menschen betraten das Podium und beschwerten sich nacheinander darüber, dass sie ihre Angehörigen pflegen müssten. Episodenhaft beleuchteten die Darsteller im Anschluss die verschiedenen Situationen pflegender Angehöriger, die sie im Zwiespalt zwischen herzlicher Versorgung und gleichzeitiger Überforderung zeigten. Symbolhaft war die Szene, als drei Geschwister darüber stritten, wer sich nun für die Pflege des erkrankten Vaters verantwortlich zeigen würde. Seit sechs Wochen kümmerte sich ­eines der Kinder um den Vater und machte im Zwiegespräch seinem Ärger deutlich Luft. Die Geschwister ließ diese Situation jedoch kalt. Sie weigerten sich, die Pflege mitzutragen oder finanzielle Unterstützung anzubieten.

Eine alltägliche Szene, wie sie in vielen Familien vorkommt, die sich auf die Fahne geschrieben hatten, die erkrankten Eltern in den eigenen vier Wänden zu pflegen, doch denen jegliche Hilfe seitens der weiteren Angehörigen versagt bleibt.

Das 1990 gegründete Seniorentheater Mülheimer Spätlese nahm sich genau diesem gesellschaftlich brisanten Thema an, wie Leiter Eckhard Friedl erläuterte. Besonders hervorzuheben sei, dass auch eigene Erfahrungen mit in dieses Stück eingeflossen seien.

Den Darstellern gelang es hervorragend, die teilweise beklemmenden Zustände in Folge einer Pflege künstlerisch darzustellen. In einer weiteren Szene standen mehrere Angehörige im großen geöffneten Käfig auf der Bühne und sprachen über ihre Erfahrungen in der Pflege.

Dabei beschwerte sich eine Tochter, dass ihre Mutter sie in verschiedenen Lebenssituationen nie unterstützt habe. Nun sei ihre Mutter erkrankt und sie habe sich gegen eine Pflege entschieden. Doch ihre christliche Nächstenliebe überzeugte sie, ihre Mutter doch nicht im Stich zu lassen, obwohl die Geschwister ein wesentliches besseres Verhältnis zur Mutter hatten.

Dass sich ein dauerhaftes Versorgen auch nachteilig auf das Privatleben auswirken kann, zeigte eine andere Szene. Vom Leben ausgegrenzt, gönnte sich eine pflegende Angehörige den Besuch in einem Kino. Doch wirkliche Entspannung fand sie nicht, selbst im Kinosaal wurde sie von den Sorgen übermannt. Nicht nur der seelische Kollaps von Pflegenden kam in diesem Stück zum Tragen, sondern am Ende stand die völlige Eskalation im Blickpunkt.

Der Arzt stellte bei einer Patientin Hämatome am Körper fest. Die weinende Tochter war mit ihren Nerven völlig am Ende ... und hatte ihre Mutter geschlagen. Der negative Höhepunkt einer Dauerpflege-Situation war erreicht.

Das rund einstündige Bühnenstück ließ keine Fragen in Bezug auf die schwierige Situation von pflegenden Angehörigen offen. Mehr noch, es regte zum Nachdenken über ein Thema an, das in Zeiten des demografischen Wandels allgegenwärtig ist.

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