Tausende bei der Selfkantbahn

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Abgeschmiert und frisch gesäubert ging die Schwarzach am Pfingstsonntag auf die erste Tour. Foto: Karl-Heinz Hamacher
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Schon über ein Jahr wird die Lok von Wim Pater jetzt in Schierwaldenrath gehegt und gepflegt.

Gangelt-Schierwaldenrath. Am Pfingstwochenende zeigte sich wieder, warum die Selfkantbahn der große Publikumsmagnet im Kreis Heinsberg ist: Schon am Sonntag kamen bei strahlendem Sonnenschein einige tausend Besucher nach Schierwaldenrath und bekamen auf jeder freien Fläche rund um das Bahnhofsareal irgendetwas geboten.

Als um 17.15 Uhr die „Schwarzach“ zum letzten Mal an diesem Tag die Wagen in Richtung Gillrath zog, setzte sich Helmut Kommans in die Sonne und fasste den Tag zusammen: „So viele Gäste hatten wir schon lange nicht mehr!“ Das begann schon am frühen Morgen, als es Bahnhofsvorsteher Kommans einfach nicht gelingen wollte, in die Eisenbahneruniform zu steigen. Er war vor allem beim Einweisen der historischen Traktoren, der Oldtimer und der an diesem Tag besonders eingeladenen Blaulicht-Fahrzeuge gefragt. Da hatte Ingrid Hertel, liebevoll die „Kräuterhexe“ genannt, schon angefangen, sich um den umfangreichen Grünbereich auf dem Bahnhofsareal zu kümmern. Kümmern musste sich auch Alan Keef, der mit einem Mechaniker aus England angereist war, um die kleine Dampflokomotive von Wim Pater in Augenschein zu nehmen.

Die Keef-Firma hatte das Prachtstück restauriert, und nun waren kleinere Reparaturen fällig. Die Lok, die 1894 bei Krauss in München gebaut wurde und schon mehr als ein Dutzend Stationen in ihrem Arbeits- und Ausstellungsleben hinter sich hat, präsentierte sich quasi fabrikneu, das heißt, umfangreich restauriert und in allen Teilen auf Hochglanz poliert. Sechs Tonnen Gewicht werden von rund 60 PS vorangetrieben. Erhielten die Selfkantbahner einen Euro für jedes Foto, das von dieser Lok oder rund um Pfingsten auf dem Bahnhof geschossen wurde, wäre die Finanzierung der Grundsanierung der Lok Nr. 46 gesichert. So war sie nur auf ein Nebengleis geschoben worden und konnte von den Gästen bewundert werden.

Während sich Ingrid Hertel mit der Harke langsam Richtung Fahrkartenschalter vorarbeitete, kamen immer noch Oldtimer auf dem Gelände an. Erstaunlich, wie viele Fahrzeuge aus den bekannten Autohäusern heute schon ein H-Kennzeichen tragen und sich Youngtimer nennen dürfen. Immer mehr VW-Käfer kommen in diesen Genuss der Steuererleichterung, aber auch der Opel Manta, zu dem scheinbar immer noch eine Blondine und ein Fahrer mit Vokuhila-Schnitt gehören, oder der Ford Escort haben es in diese Liga geschafft. Helmut Kommans zeigt sich fasziniert von einem Opel Admiral, dessen 1,8 Tonnen von einem 3,5 Liter und 90 PS-starken Motor angetrieben werden.

Eine große Fangemeinde gibt es für die Blaulichtfahrzeuge, die sich nach dem Alltagseinsatz jetzt in Sammlerhänden befinden. Gut voran gehen auch die Arbeiten am neuen Bahnhofsgebäude in Gillrath, wo man mittlerweile beim Innenausbau ist. Möglichst noch diesen Sommer sollen das Gebäude und der dazu gehörende Bahnsteig fertig sein. So ging dann dieser Tag, an dem der Hauch der Geschichte der ehemaligen Kreisbahn wieder aus den Schornsteinen der Schwarzach und der Haspe qualmte, langsam zu Ende. Auch Ingrid Hertel stellte Schubkarre und Geräte an die Seite und genoss die letzten Sonnenstrahlen.

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