Kreis Heinsberg - Tankbetrug im Kreis um 66 Prozent explodiert

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Tankbetrug im Kreis um 66 Prozent explodiert

Von: Rainer Herwartz
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Die Video-Kameras sind meist d
Die Video-Kameras sind meist das einzige Mittel zur Abschreckung von Tankbetrügern. Bei manchen Zeitgenossen reicht dies jedoch nicht aus. Foto: imago

Kreis Heinsberg. Die Zahlen sind dramatisch. Und wenn man den Erhebungen des Bundeskriminalamtes glaubt, dann schlägt die Entwicklung im Kreis Heinsberg dem Fass den Boden aus. Noch nie haben in Deutschland so viele Menschen Benzin an Tankstellen getankt ohne zu bezahlen wie 2011.

Und es wird, das deutet sich schon jetzt an, immer schlimmer. Alleine von 2010 bis 2011 war ein Betrugsanstieg von 10 Prozent zu verzeichnen - bundesweit. Im Kreisgebiet allerdings explodierte die Zahl der Betrügereien geradezu um rund 66 Prozent.

Laut Hauptkommissar Karl-Heinz Frenken von der Kreispolizeibehörde lag die Zahl der registrierten Fälle im Jahr 2010 noch bei 237. Doch schon ein Jahr später stieg sie auf 395 an. „Schon jetzt zeichnet sich ab, dass auch für das Jahr 2012 mit einer ähnlichen Anzahl von Tankbetrugsdelikten zu rechnen ist”, meint Frenken.

Hemmungen fallen

Die hohen Spritpreise lassen offenbar bei so manchem Kraftfahrer die Hemmungen fallen. So stiegen laut Mineralölwirtschaftsverband die Preise von Superbenzin von 2010 zu 2011 um durchschnittlich 10 Prozent, bei Diesel sogar um fast 16 Prozent. Wer etwa im Juni 2010 Super tankte, zahlte rund 1,43 Euro für den Liter. Zwölf Monate später waren es schon 1,56 Euro. Bei Diesel ist es ähnlich: Im Juni 2010 waren noch 1,24 Euro pro Liter zu berappen, ein Jahr später 1,42 Euro. Dennoch geht das Autoportal Auto.de davon aus, dass nur maximal 20 Prozent der Tankbetrugsfälle angezeigt werden, 80 Prozent bleiben ohne polizeiliche Ermittlungsarbeit (hier finden Sie den Artikel auf Auto.de). Die Aufklärungsquoten schwanken demnach zwischen 92,3 Prozent und 15,7 Prozent. Im Kreisgebiet würde etwa ein Drittel aller Fälle aufgeklärt, bestätigt Frenken.

Auch Chuzpe gefordert

„Es gibt verschiedene Varianten der Vorgehensweise”, erläutert er. Bei der einfachen fahre der Tankbetrüger vor, tanke und mache sich aus dem Staub. In der zweiten Variante würden gestohlene Kennzeichen am eigenen Fahrzeug montiert. „In einem solchen Fall kann man davon ausgehen, dass es sich um einen Wiederholungstäter handelt”, ist der Hauptkommissar sicher. Die dritte Variante, die er gegenüber unserer Zeitung nennt, zeugt von einer gewissen Chuzpe. Dabei fahre der Betrüger vor, tanke und betrete anschließend den Verkaufsraum der Tankstelle, um den Eindruck zu erwecken, ganz normal seinen Sprit bezahlen zu wollen. In Wahrheit kaufe er jedoch nur ein paar belanglose Kleinigkeiten, ohne den Tankvorgang zu erwähnen.

Zweifellos ein Ärgernis

Für die Tankstellenbetreiber, egal ob Pächter eines großen Mineralölkonzerns oder unabhängig, ist der Spritklau zweifellos ein Ärgernis. Offizielle Stellungnahmen hierzu werden jedoch ungern gegeben. Meist erfolgt ein Verweis auf die Zentralen der Unternehmen. Zu groß ist die Angst vor Nachahmungstätern, zu unbequem werden Fragen nach einem Zusammenhang mit den gestiegenen Preisen an den Zapfsäulen empfunden. Auch der Pressesprecher von Total in Berlin, zu deren rund 1100 Tankstellen bundesweit einige im Kreis Heinsberg gehören, wollte an dieser Stelle nicht zitiert werden.
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