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Suchtberatung: Alkoholmissbrauch bleibt Hauptdiagnose

Von: jwb
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Sie gehören zum Team der Suchtberatung vom Kreisgesundheitsamt Heinsberg: Ilona van Halbeek, Wolfgang Sommer, Ursula Tiebel und Johannes Müllers (v. l. n. r.) stellten den Jahres- und Qualitätsbericht vor. Foto: Bindels

Kreis Heinsberg. Die Zahl der Ratsuchenden, die Probleme mit illegalen Drogen hatten, übertraf im Jahr 2013 die der Menschen, die Probleme mit legalen Suchtmitteln wie Alkohol, Tabak und Tabletten hatten. Immer mehr Menschen begegnen dem Leistungsdruck im Alltag aber auch mit Aufputschmitteln. Dennoch bleibt Alkoholmissbrauch die Nummer eins als Hauptdiagnose für ein Suchtproblem.

Das geht aus dem aktuellen Bericht der Suchtberatungsstellen des Heinsberger Kreisgesundheitsamtes hervor. Im Jahr 2013 wurden 875 Personen intensiv betreut; 277 Frauen und 598 Männer. Zusätzlich nahmen 186 Personen eine einmalige Beratung in Anspruch. Den Hilfesuchenden standen dafür die Beratungsstellen des Gesundheitsamtes in Heinsberg, Erkelenz und Geilenkirchen zur Verfügung.

„Mit 405 betreuten Personen, die illegale Drogen (Heroin, Haschisch, Marihuana, Kokain, Amphetamine und Ecstasy) konsumierten, liegt dieser Bereich über der Anzahl von 357 Personen mit Problemen aufgrund von legalen Drogen (Alkohol, Tabak, Schlaftabletten)“, verwies Wolfgang Sommer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Leiter der Einrichtung, auf eine Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichne.

„Unser Angebot ist kostenfrei, wir haben Schweigepflicht und unsere Anlaufstellen in Geilenkirchen, Heinsberg oder Erkelenz haben offene Sprechstunden, zu denen jeder ohne Anmeldung kommen kann, der für sich oder anvertrauten Menschen Hilfe sucht“, betonte Ursula Tiebel, Diplom-Sozialpädagogin und Suchtberaterin als Ansprechpartner für die Geilenkirchener Beratungsstelle.

Genetisch vorbelastet zu sein oder falsche Vorbilder zu haben, auch was gerade Alkoholgebrauch und Rauchen betreffe, seien immer noch die wichtigsten Ursachen für die Entwicklung einer Sucht, begründete Johannes Müllers, Diplom-Sozialpädagoge und Suchtberater als Ansprechpartner für die Erkelenzer Beratungsstelle, einen schwer zu durchbrechenden Kreislauf.

Denn Alkohol und Tabak seien immer noch allgegenwärtig im Alltag von Familie und Gesellschaft. „Wer eine Beratung mit ­festem Termin vereinbart, erhält innerhalb von ein bis zwei Wochen dazu Gelegenheit. Die offene Sprechstunde und auch telefonischer Kontakt sind jederzeit möglich“, berichtete das Team von den kurzfristigen Kontaktaufnahmen mit Hilfesuchenden.

Die Zusammenarbeit in einem Netzwerk mit anderen Institutionen wie dem Jobcenter in Fragen der Arbeitsfähigkeit und die Zusammenarbeit mit den Hausärzten zwecks intensivierter Behandlungsmaßnahmen, dies sei ein Weg, dem Thema Sucht durch rechtzeitige Intervention beizukommen. Neben der Vermittlung von stationären Behandlungen (62 Personen im Jahr 2013) sind weitere 57 Personen in ambulante medizinische Rehabilitation Sucht (ARS) vermittelt worden. Dies erfolge ebenso wie die Nachsorge und Wiedereingliederung in die Gesellschaft in Kooperation mit Selbsthilfegruppen, Caritasverband, Diakonischem Werk, Arbeiterwohlfahrt sowie Arbeits- und Sozialämtern, Gerichten und Bewährungshelfern.

Jugendliche und Kinder aber früh zu erreichen und frühe Aufklärung zu leisten, dies sei ein weiterer und wichtiger Baustein der Suchtberatungsstellen des Gesundheitsamtes. „Der Schwerpunkt der Suchtvorbeugung liegt in der Aufklärung und der Stärkung der Zusammenarbeit der Multiplikatoren an Schulen und der offenen Jugendarbeit“, beschrieb Ilona van Halbeek, Diplom-Sozialarbeiterin und Fachkraft für Suchtvorbeugung, ihre Arbeit. Mit 79 Präventionsmaßnahmen wurden im Berichtszeitraum 2013 insgesamt 2205 Personen erreicht; 1921 Jugendliche und 284 Multiplikatoren (Lehrer und Mitarbeiter der Jugendhilfe).

Um das Thema „Alkohol“ mit Jugendlichen zu bearbeiten, wurden drei „Methodenkoffer Alkohol“ angeschafft. Insgesamt wurden diese Medien 42-mal eingesetzt und weitere 1176 Schüler mit dem Thema Suchtvorbeugung erreicht.

Erwähnenswert sind als Projekte in der Vorbeugungsarbeit zum Beispiel die Plakataktion „Gemeinsam initiativ gegen Alkohol“ in allen achten und neunten Klassen im Kreisgebiet, sowie das Konzept „Check it!“ für die weiterführenden Schulen. Dies ist ein Projekt, das ein Nachdenken über das eigene Konsumverhalten, die Wissensvermittlung über Suchtentstehung und die Einbeziehung der Eltern umfasst.

Der Wunsch von einer Sucht loszukommen, muss von den Betroffenen selber kommen. Die Suchtberatungsstellen geben die notwendigen Hilfestellungen dazu.

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