Hückelhoven - Statt des Joints der Griff zur „Drogenbrille”

Whatsapp Freisteller

Statt des Joints der Griff zur „Drogenbrille”

Von: syn
Letzte Aktualisierung:
hück-drogen-bu
Ilona van Halbeek und Friedrich-Wilhelm Mathieu mit den jungen Mädchen in der Diskussion. Foto: H. Schmitz

Hückelhoven. Im Rahmen ihres Ferienprogramms haben die Jugendlichen des islamischen „Integrations- und Bildungsvereins” (IBV) auch Besuch vom Gesundheitsamt und der Polizei bekommen.

In einem Seminar speziell für die rund 25 weiblichen Teilnehmerinnen ging es um Suchtprävention.

„Es ist für uns ein neuer Ansatz, dass wir gezielt auch türkische Gruppen erreichen”, erklärte Kriminalhauptkommissar Friedrich-Wilhelm Mathieu vom Kommissariat Vorbeugung, der gemeinsam mit Ilona van Halbeek vom Kreisgesundheitsamt in die Hückelhovener Moschee gekommen war, um mit den Mädchen über Suchtverhalten und Suchtgefahren zu diskutieren.

Dabei ging es nicht primär um Drogen, sondern um andere Faktoren des Lebens, die Suchtpotenzial besitzen. Um sich ein Bild zu machen, erarbeitete van Halbeek zuerst einmal mit den jungen Frauen und Mädchen anonym eine Liste von Dingen, die in ihrem Leben wichtig sind und ihren Tagesablauf mit bestimmen, wie Computer, Handy, Fernsehen oder das Essverhalten.

Chats und andere „social networks” im Internet stellen durchaus eine Gefahr dar, sobald sie mit der Preisgabe persönlicher Daten zu tun haben. Auch nach dem Zigarettenkonsum wurden die Jugendlichen befragt, denn Zigaretten sind oftmals der Einstieg in eine „Drogenkarriere”, da sie Hemmschwellen abbauen. Im Rahmen des Seminars kam auch die „Rauschbrille” zum Einsatz, die dem Träger die verzerrte Perspektive von rund einer Promille oder nach dem Konsum eines Joints vermittelt. Durch die Brille begreifen die Jugendlichen, wie gefährlich es ist, unter Alkohol- oder Drogeneinfluss zu stehen.

Wichtig, so betonte Mathieu, sei die frühzeitige Intervention und Sensibilisierung für das Suchtpotenzial, das auch in scheinbar harmlosen Dingen steckt. „Eigentlich müssten wir schon im Kindergarten anfangen”, erklärte er. Dabei orientiert sich die Präventionsarbeit an den Ergebnissen der euregionalen Jugendbefragung, wonach rund 25 Prozent der Zehntklässler bereits Erfahrungen mit Cannabis gesammelt haben.

Das größte Problem stellt jedoch der Alkohol dar. „Komasaufen” ist derzeit chic. Daher baut die Arbeitsgruppe Jugendschutz im Kreis in Zusammenarbeit mit der FH Aachen ein Präventionsprogramm auf, um die Jugendlichen möglichst früh zu erreichen. Zustande gekommen war der Kontakt bereits im vorigen Jahr, als die Jugendgruppe im Rahmen ihres Ferienprogramms auch die Heinsberger Polizei besucht hatte.

In der islamischen Gemeinde soll die Aufklärungsarbeit auch auf die Eltern ausgedehnt werden, wie der Vorsitzende Mehmet Yilmaz betonte. Im Rahmen der Ferienmaßnahme sei auch ein Elternabend zum Thema Suchtprävention geplant. „Die Kinder müssen zu starken Persönlichkeiten erzogen werden”, betonte Yilmaz. Daher liege die Hauptverantwortung bei den Eltern, die eine eindeutige Position zu dem Thema beziehen müssten.

Yilmaz ist selber Vater zweier Töchter und weiß um den schädlichen Einfluss, den selbst Computer und Handy auf den Alltag der Kinder haben können. „Mit dem Seminar wollen wir das Bewusstsein für die Gefahren wecken”, erklärte er. „Darüber hinaus können die Mädchen auch als positive Beispiele für ihre Freundinnen wirken.” Die Zusammenarbeit mit Polizei und Gesundheitsamt soll seitens der islamischen Gemeinde ausgebaut werden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert