Seniorenbegleiter: Helfer gegen die Einsamkeit

Von: hewi
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Pastor Frank Mischnik stellt in Hückelhoven die beiden Seniorenbegleiterinnen Claudia Stollenwerk (rechts) und Ursula Lenz vor. Sie suchen ständig neue Foto: Koenigs

Hückelhoven. Vor drei Jahren begann die evangelische Kirchengemeinde mit der Ausbildung und dem Einsatz von Seniorenbegleitern. Ziel war es, aktiv gegen die soziale Vereinsamung und Isolation im Alter zu arbeiten. Davon sind in Deutschland immer mehr alte Menschen betroffen. Im September beginnt der dritte Kurs zur Ausbildung der ehrenamtlichen Helfer. Zeit für einen Rückblick.

„Man lernt selber sehr viel aus der Begleitung”, erklärt Ursula Lenz. Sie ist seit dem ersten Kurs im Jahre 2008 als Seniorenbegleiterin dabei. Weil sie mit ihrer Zeit etwas Sinnvolles anfangen wollte, sagt sie. Dabei ist die Begleitung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase sicherlich nicht das einfachste Ehrenamt, für das man sich entscheiden kann. Seit drei Jahren betreut sie eine Klientin, die trotz zunehmender Demenz noch in ihrer eigenen Wohnung lebt.

Anfangs, so erklärt Lenz, sei es „nicht so schlimm” gewesen. „Wir singen gemeinsam oder schauen uns alte Fotos an”, beschreibt sie ihre Besuche. „Wichtig ist die persönliche Ansprache und dass ich auf ihre Themen eingehe”, ist sie sich sicher. Auch den Angehörigen steht sie mit Rat und Tat zur Seite. „Es ist erschreckend, wie wenig die Menschen darüber wissen, wo sie welche Hilfe bekommen”, sagt die gelernte Augenoptikerin. Ihre Hilfe geht auch schon einmal über das Alltägliche hinaus. So konnte ein Mitstreiter für eine alleinstehende Klientin noch kurz vor deren Tod eine Versöhnung mit den Kindern herbeiführen, die sie schon seit Jahren nicht mehr gesprochen hatte. „Der Kontakt ist über den Tod der Klientin hinaus nicht abgebrochen”, bestätigt Claudia Stollenwerk. Die gelernte Altenpflegerin betreut für die Kirchengemeinde die Seniorenbegleitung.

„Die Aufgabengebiete sind mit der Arbeit gewachsen und haben sich verändert”, sagt Stollenwerk. Sei man anfangs noch von der reinen Begleitung in der häuslichen Umgebung ausgegangen, habe sich das Tätigkeitsspektrum immer mehr erweitert. Die Besuche werden auch fortgesetzt, wenn die Klienten in einem Heim untergebracht werden. „Wir lassen den Kontakt nicht einfach fallen”, bestätigt Lenz.

Neben der Demenz ist die Armut ein Thema, das den Ehrenamtlern häufig begegnet. „Ich erinnere mich an eine Frau, die völlig isoliert in ihrer Wohnung ohne Waschmaschine und Telefon lebte”, berichtet Stollenwerk. In solchen Fällen wird das Sozialamt eingeschaltet. Die Zusammenarbeit mit der Stadt loben die Seniorenbegleiter.

Wer sich für diese Arbeit entscheidet, muss sich selber prüfen, ob er damit klarkommt, ist sich Pfarrer Frank Mischnick sicher. „Man muss sich fragen: Wie sehe ich mein eigenes Altern, und was erwarte ich noch von meinem Leben?”, betont er. Darüber hinaus wird oft das Praktikum im Altenheim zur Probe. Eine Kursteilnehmerin brach in Tränen aus, als sie zum ersten Mal ins Altenheim kam. Und man muss lernen, sich abzugrenzen und „nein” zusagen. Denn sonst besteht die Gefahr, dass man schnell vereinnahmt wird. Dafür gibt ihnen die Arbeit viel, darüber sind sich die Seniorenbegleiterinnen einig.

Ein Kurs mit zehn Terminen und einem Praktikum

Am 19. September beginnt der mittlerweile dritte Kurs mit dem Ausbildungsziel „ehrenamtliche Seniorenbegleiter”. Der Kurs umfasst zehn Termine und ein Praktikum im evangelischen Altenheim.

Der Kurs ist nicht kostenpflichtig, allerdings verpflichten sich die Teilnehmer, mindestens ein Jahr als Seniorenbegleiter mitzuarbeiten.

Er findet im evangelischen Gemeindehaus, Haagstraße 10, statt. Bis zum 3. September kann man sich bei Claudia Stollenwerk, Tel. 02433/85927, oder Pfarrer Frank Mischnick, Tel. 02433/1343, anmelden.

Das Projekt ist auf Spenden angewiesen: Konto 36 01 218, Stichwort „Seniorenbegleitung”, Kreissparkasse Heinsberg.

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