Seit 25 Jahren Förster in der „Diaspora”

Von: Franz Windelen
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Wolfgang von der Heiden ist seit 25 Jahren Förster im Selfkant-Revier. In dieser Zeit wurden 120 000 Festmeter Holz geschlagen und 900 000 Bäume und Sträucher im Forst gepflanzt. Foto: Franz Windelen

Geilenkirchen. Es war nicht die große Liebe auf den ersten Blick. Als Wolfgang von der Heiden vor exakt 25 Jahren erstmals den Wald im Südkreis betrat, war er nicht gerade freudetaumelnd - nach den vorangegangen Revierjahren in üppigen Staatswäldern.

„Oh Gott, das ist ja so was wie forstliche Diaspora”, erinnert sich der Förster. Nach einem Vierteljahrhundert sieht Wolfgang von der Heiden die Landschaft und damit seinen Arbeitsplatz mit anderen Augen: „Der Dienst im Selfkant-Forst ist eine Herausforderung, ich will etwas gestalten, das für Natur und Tier und natürlich für den Menschen wichtig ist.”

Wolfgang von der Heiden hat den Wandel des Waldes zum Allrounder, der er heute mehr denn je ist, miterlebt und in seiner Position mitbegleitet. „Der Wald dient der Naherholung und dem Sport, er ist Naturschutzraum, er ist Holzlieferant für die Bauindustrie, und er ist mitverantwortlich für das Klima.” All diese Interessen gelte es, unter einen Hut zu bringen.

Erschreckend ist dabei nicht nur für den Experten die Tatsache, dass es immer mehr Kinder gibt, die beim Klassenausflug zum ersten Mal in ihrem Leben im Wald sind und beim Anblick einer Birke so etwas wie die Begegnung mit der unbekannten Art haben.

Dabei gibt es so viele interessante Fakten aus dem Revier, über die Förster von der Heiden zu berichten weiß: etwa dass im Forstbezirk Selfkant, der sich geografisch mit den Kommunen Übach-Palenberg, Geilenkirchen, Heinsberg, Gangelt, Selfkant und Waldfeucht deckt, in den vergangenen 25 Jahren ungefähr 120.000 Festmeter Holz geschlagen und im Gegenzug rund 900.000 Bäume und Sträucher gepflanzt wurden; dass die Laubhölzer mit 68 Prozent die Nadelhölzer klar dominieren; und dass das Revier zwischen 40 und 165 Meter über dem Meeresspiegel liegt und der höchste Punkt (auch im gesamten Kreis Heinsberg) auf der Bergehalde Carolus Magnus in Übach-Palenberg liegt.

Es war in den vergangenen 25 Jahren viel von Ökologie und Umweltbewusstsein die Rede. Hat auch der Baumbestand im Revier davon profitiert? Nicht wirklich, denn derzeit macht der Wald mit etwa 1900 Hektar rund zehn Prozent der Südkreis-Fläche aus. Der Forst ist nach Angaben von der Heidens in den vergangenen zwei Jahrzehnten gerade mal um 20 Hektar gewachsen. Die kargen Neubestände, die das baumgrüne Konto auffüllen, stammen zum größten Teil aus gesetzlich vorgegebenen Ausgleichsflächen für Baumaßnahmen. „Die Kommunen nutzen auch die Möglichkeit, um mit Baumpflanzungen Ökopunkte zu sammeln.”

Die Waldarmut hat ihren Grund, der in der jüngeren Vergangenheit zu finden ist. „Im Zweiten Weltkrieg ging die Front durch den Kreis Heinsberg, so dass sehr viel Baumbestand vernichtet wurde. Und später wurde nicht wieder aufgeforstet, dafür wurde Ackerland geschaffen”, weiß Wolfgang von der Heiden. Und die Bäume, die übriggeblieben sind, befinden sich heute in staatlicher, kommunaler und privater Hand.

Der Kommunalwald mit seinen 791 Hektar sowie 51 Prozent des Privatwaldes (das sind 417 Hektar) sind derzeit in der Forstbetriebsgemeinschaft Selfkant (unter Vorsitz von Hellmut Merkelbach) organisiert. Das Filetstück im Revier ist allerdings die Teverener Heide; hier erstreckt sich auf 263 Hektar der Staatswald des Landes Nordrhein-Westfalen, das sind 14 Prozent des gesamten Selfkant-Areals und wohl auch der schönste Flecken im Revier. Doch für die Idylle, die gemeinhin der Heidewanderer in sich aufsaugt und entspannen lässt, hat Wolfgang von der Heiden während seines Dienstes wenig Muße: „Ich bin ein Ein-Mann-Betrieb und muss alles allein erledigen. Der Terminkalender ist ausgefüllt”, konstatiert der 54-Jährige im Grünrock.

Mit Wald- und Wiesenromantik, wie in alten Heimatfilmen oft hingezaubert, hat der heutige Förster-Beruf wenig gemein. Früher, vor zehn, 20 Jahren, war er viel mehr an der frischen Luft und weniger an seinem Schreibtisch. „Gott sei Dank bin ich jetzt noch zu 50 Prozent meiner Arbeitszeit draußen. Der Grund für die vermehrte Büroarbeit: Heute muss nahezu alles zeitaufwändig per Computer dokumentiert werden”, bedauert der Förster. Trotz dieses lästigen Phänomens, das Zeitdruck heißt, ist für den dreifachen Familienvater aus Gillrath nach wie vor klar: „Das war und ist mein Traumberuf. Ich halte es in abgewandelter Form mit den Worten von Franz Müntefering: Förster ist der schönste Beruf neben Papst.” Und das gilt, selbst nach 25 Jahren, auch für die „Diaspora”.

Nach der Anwärterzeit in den Forstämtern Ville, Schleiden und Mettmann wurde Wolfgang von der Heiden am 17. November 1986 in das Revier Selfkant abgeordnet, das ein halbes Jahr verwaist war, nachdem der Vorgänger ins Forstamt Xanten versetzt worden war.

Der Forstbetriebsbezirk Selfkant ist dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW zugeordnet. Unterstellt ist der Bezirk dem Regionalforstamt Rur/Eifel - Jülicher Börde.

Erreichbar ist das Büro von Wolfgang von der Heiden in Gillrath, Bergstraße 50, unter Tel. 02451/959901.

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