Schuldenprobleme haben oft mehrere Ursachen

Von: jb
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Sie stellten den Bericht vor (v.l.n.r.): Andreas Wagner, Tonja Schreck, Jens Sannig, Liesel Machat, Wolfgang Meier, Herbert Hamann, Helmut Nobis, Christina Kefalides und Hans-Josef Krawanja. Foto: Bindels

Kreis Heinsberg. „Schnelle Beratungstermine bieten und für die Menschen bei der Bewältigung ihrer Schuldensituation mit Rat und Tat zur Seite stehen”, so betonte Jens Sannig, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Jülich, den Schwerpunkt der Arbeit und die Bedeutung der Schuldner- und Insolvenzberatung im Kreis Heinsberg.

Die Beratungsstelle in Hückelhoven, vertreten durch Wolfgang Meier als Leiter und Tonja Schreck als Beraterin, stellten den Jahresbericht 2012 vor. „Auch wenn sich die Fallzahlen 2012 erneut erhöht haben, konnten die Ratsuchenden innerhalb von zwei bis drei Wochen einen Termin für die Erstberatung erhalten und das kostenlos und ohne weitere finanzielle Belastung für den Schuldner”, berichtete Meier.

Unterscheide man die Gesamtzahl der Beratungsfälle nach Schuldnerberatung und Insolvenzberatung zeige sich erstmals seit Jahren eine Angleichung der Zahlen. 2012 lag die Gesamtzahl der Beratungen bei 1625 nach 1557 im Jahr 2011 und 1506 im Jahr 2010. Während die Schuldnerberatung mit 821 Fällen (749 und 749) deutlich stieg, gab es bei der Insolvenzberatung eine leichte Absenkung: auf 804 (von 808 und 825).

Die Zahl der Neuaufnahmen bestätigten jedoch den steigenden Trend und erhöhten sich auf 965 in 2012 (nach 926 in 2011 und 862 in 2010). Der Anstieg bei den Neuaufnahmen werde auf die Neuregelung des Kontopfändungsschutzes zurückgeführt. Das Pfändungsschutzkonto sichert einen individuellen Freibetrag für den Lebensunterhalt und gegen Pfändung. Die Schuldnerberatungsstelle stellt im Falle der Unterhaltsverpflichtungen sogenannte „P-Konto-Bescheinigungen“ aus.

380 Bescheinigungen wurden 2012 ausgestellt (gegenüber 270 im Jahr davor ). „Die Sparkassen bieten seit Oktober 2012 ein ‚Bürgerkonto für Jedermann‘ an, welche die Pfändungsfreigrenze berücksichtig“, erläuterte Meier. Das Insolvenzverfahren sei für die weit überwiegende Zahl der überschuldeten Personen die einzige Möglichkeit der Entschuldung und damit der nachhaltigen Stabilisierung ihrer Situation, erklärte Meier.

In der Schuldnerberatung wird von einer Überschuldung gesprochen, wenn es Personen nicht möglich ist, ihre Schulden innerhalb eines überschaubaren Zeitraums unter Einsatz vorhandenen Vermögens und freien Einkommens zu bezahlen, ohne dabei die eigene Grundversorgung zu gefährden. Meier gab zu bedenken, dass nur rund 20 Prozent der Überschuldeten eine Schuldnerberatung aufsuchen würden.

Liesel Machat, Sozialdezernentin beim Kreis Heinsberg, nahm das Zahlenwerk aufmerksam zur Kenntnis und betonte, dass für alle Bürger im Rahmen der Daseinsfürsorge die Beratung offen sei, nicht nur für Menschen, die schon im Rahmen des SGB II /(Hartz IV) betroffen seien.

Erstmals nahm mit Helmut Nobis vom Jobcenter Heinsberg ein Vertreter der Arbeitsvermittlung an der Berichtsrunde teil. Auch er betonte die Wichtigkeit der Schuldnerberatungsstelle, da es „gut ist zu wissen, an wen wir auch unsere Kunden und Arbeitssuchenden im Falle der Verschuldungsprobleme verweisen können“. Meier und die Fachkräfte und Geschäftsführer der kooperierenden Träger (Diakonie und AWO) mussten feststellen, dass Schuldenprobleme meist mehrere, vernetzte Ursachen hätten.

Ein Beispiel für „multiple Faktoren” sei die Gruppe der Ratsuchenden mit sehr geringem Arbeitseinkommen, bei denen weitere Faktoren hinzukämen: mangelndes wirtschaftliches Wissen, fehlende Planungsfähigkeit, Ratenkäufe, aber auch Scheidung oder Krankheit und auch immer mehr Rentner (elf Prozent der Beratenen).Der größte Teil der beratenen Haushalte bestreite das Haupteinkommen aus Erwerbseinkünften (42 Prozent), der Anteil der Hartz-IV-Bezieher liege bei 44 Prozent und steige weiter.

Wenn sich Ratsuchende erstmals bei der Schuldner- und Insolvenzberatung melden, dann erhalten sie möglichst rasch einen ersten Gesprächstermin, in der Regel binnen zwei bis drei Wochen, sagte Meier. Entsprechend hoch sei mit 95 Prozent die Zahl derer, die den Termin auch wahrnehmen würden. Die Beratungsstelle befindet sich in Hückelhoven an der Haagstraße. Ratsuchende melden sich unter Telefon 02433/90560 an.

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