Erkelenz-Tenholt - Schmerzmittel: Viele Patienten können aufatmen

Schmerzmittel: Viele Patienten können aufatmen

Von: Norbert F. Schuldei
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Klaus Längler leitet das Regi
Klaus Längler leitet das Regionale Schmerz- und Paliativzentrum in Erkelenz-Tenholt. Foto: Schuldei

Erkelenz-Tenholt. Wenn der Sachverstand über vermeintliche Einsparpotenziale die Oberhand behält, dann ist das etwas, was heute ganz und gar nicht selbstverständlich ist. „Ja, ich begrüße es sehr, dass der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages starke Schmerzmittel von der automatischen Austauschpflicht ausgenommen hat”, sagt Klaus Längler.

Er ist Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie und ärztlicher Leiter des Regionalen Schmerz- und Palliativzentrums in Erkelenz.

Um dem Sachverstand ein wenig auf die Sprünge zu helfen: Was bedeutet das in der täglichen Praxis? „Viele Menschen leiden unter chronischen Schmerzen”, sagt der Anästhesist Klaus Längler. „Sie sind deshalb auf ganz bestimmte morphinhaltige Medikamente, starke Schmerzmittel, zum Beispiel Opiate, angewiesen.”

Aufgrund der bestehenden Rabattverträge zwischen den Krankenkassen mit den Pharmafirmen wird häufig nicht das vom Arzt verordnete Medikament an den Patienten weitergegeben, sondern ein vergleichbares, aber billigeres Präparat.

Bei einem Blutdrucksenker etwa ist dieser Kosten sparende Austausch völlig unproblematisch. „Bei starken Schmerzmitteln, die dem Betäubungsgesetz unterliegen”, sagt Längler, „ist dieser kostensparende Austausch sehr problematisch”.

Trotz gleichem Wirkstoff und gleicher Dosierung seien bei diesen Medikamenten Wirkungsunterschiede aufgrund unterschiedlicher Arzneimittelzubereitung häufig. „Bekommt der Patient ein anderes als das vom Arzt verschriebene Medikament, wird häufig das angestrebte Therapiegleichgewicht gestört”, sagt Längler. Die Folge: Die Patienten haben vermehrt Schmerzen oder mehr unerwünschte Nebenwirkungen.

Die Petition an den Deutschen Bundestag ist übrigens von Dr. Marianne Koch, die inzwischen Ehrenpräsidentin der Deutschen Schmerzliga ist, Anfang vergangenen Jahres eingebracht worden. Sie hatte innerhalb weniger Wochen Unterstützung von rund 72.000 Menschen erhalten.

Nach dem aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie positiven Votum des Petitionsausschusses ist nun das Bundesgesundheitsministerium am Zug. „Die Verweisung an das Bundesgesundheitsministerium eröffnet beispielsweise die Chance, die Betäubungsmittelverschreibungsverordnung, der die starken Schmerzmittel unterliegen, in ein Gesetz umzuwandeln”, sagt Längler. „Dann könnte man speziell diese Substanzen vergleichsweise einfach vom Austausch ausschließen.”

Sind eigentlich viele seiner Patienten im Regionalen Schmerzzentrum in Erkelenz-Tenholt von dieser bisher geltenden und für sie nicht unproblematischen „Austauschpflicht” betroffen? „Sehr viele”, sagt Klaus Längler. Er muss es wissen, er hat den Sachverstand.
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