„Schauen Sie sich mal diese Sauerei an”

Von: hewi
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Der Rettungssanitäter und Berufsfeuerwehrmann Jörg Nießen gewinnt auch dramatischen Situationen humorvolle Seiten ab. Repro: Wichlatz

Erkelenz. „Schauen Sie sich mal diese Sauerei an!” lautet der Titel eines Buches, mit dem Jörg Nießen die unbekannten Seiten eines knallharten Berufs beschreibt. Der Berufsfeuerwehrmann und Rettungssanitäter gibt Einblicke in seinen Alltag auf den Straßen einer rheinischen Metropole.

Was er beschreibt, ist erschütternd. Doch er will nicht klagen. Er will gut unterhalten. Und das gelingt ihm. Wer bei der Lektüre der „20 wahren Geschichten vom Lebensretten” nicht herzhaft lacht, dem ist nicht zu helfen.

Nießen beschreibt irrwitzige Begegnungen mit Menschen in extremen Situationen und weiß wahre Geschichten zu erzählen, die sich ein Comedy-Autor nicht skurriler hätte ausdenken können. Ob es die Billardkugeln sind, die für das Liebesspiel zwischen Männern zweckentfremdet wurden und nun feststecken oder die empörte Gattin, die angesichts des Selbstmordes ihres Gatten mit einem Ausspruch den Zustand ihres Badezimmers beklagte und so den Titel des Buches beisteuerte, nie verliert Nießen den Respekt vor seinen Protagonisten.

Denn natürlich will er ihnen zuerst einmal helfen, schließlich ist er von ganzem Herzen Rettungssanitäter bei der Feuerwehr in einer Großstadt, die der Kölschtrinker nicht nennen will. Seinem Dienstherren wäre das nicht recht, erklärt er.

In seinen Geschichten schont Nießen weder die Patienten, noch die Sanitäter oder die Angehörigen. Und es ist unglaublich, woran Menschen in Extremsituationen denken und wovon sie reden. Das Buch bietet eine kontinuierliche Steigerung und die Leselust hält unvermindert bis zum letzten Buchstaben an. „Mir ist bei allem, was ich in den letzten 15 Jahren gesehen habe, der Humor noch nicht vergangen”, betont er. Im Gegenteil, denn ohne eine ordentliche Prise Humor könnte man diesen Beruf sicher nicht so einfach wegstecken. Denn natürlich ist nicht alles lustig, was einem hinter den Fassaden der Großstadt begegnet, wenn man zum Einsatz gerufen wird.

Mit seinen Geschichten begeisterte der Erkelenzer zuerst seine Lebensgefährtin. „Doch mit der Zeit lässt die Begeisterung schon spürbar nach”, erzählt er und klingt dabei durchaus verständnisvoll. Also riet sie ihm, einige der Geschichten aufzuschreiben. Was sich zuerst schwer nach Selbsttherapie anhört, wurde aber zu einem Riesenerfolg, denn nun las Nießen seine Geschichten auch im Freundeskreis vor, unter anderem im Klostercafé auf Hohenbusch. Als er genügend Geschichten für ein Buch zusammen hatte, begann er mit der Tour durch die Verlage. Fündig wurde er bei dem Berliner Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf. Und der rührte auch ordentlich die Werbetrommel, um dem Buch einen guten Start zu verschaffen.

Von MTV bis MDR reichten die Einladungen der Sender. Denn natürlich wollen alle wissen, was hinter den Geschichten steckt, die durchaus konventionelle Grenzen überschreiten ohne geschmacklos zu werden. Eine Kunst, die der literarische Autodidakt beherrscht wie ein alter Hase.

Auf die Idee, seinen Beruf an den Nagel zu hängen, käme er nicht. Immerhin macht er sich schon Gedanken über sein zweites Buch, auch wenn der 36-jährige das noch weit von sich schiebt. Freuen wir uns zuerst einmal auf den ersten Band mit unglaublichen Einsichten und Erlebnissen. An der Rettungsfront.
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