Saitenvirtuosen servieren Musik der Extraklasse

Von: sche
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Glücklich nach einem erfolgre
Glücklich nach einem erfolgreichen, gemeinsam bestrittenen Meisterkonzert: Roman Viazovskiy (rechts), zugleich künstlerischer Leiter des Festivals, und Marco Socías aus Spanien. Foto: Petra Wolters

Heinsberg. Nach den drei erfolgreichen Internationalen Gitarrenfestivals der vergangenen Jahre haben sich die Verantwortlichen nicht auf den Lorbeeren ausgeruht. Im Gegenteil: Man hat Konsequenzen derart gezogen, dass bei der vierten Auflage absolut nichts mehr schiefgehen kann.

Für den Fall, dass ein Teilnehmer der Meisterkonzerte am Abend nicht so gut drauf ist und nicht seine Bestform abrufen kann, ist jedes Konzert doppelt besetzt. Zur Halbzeit des Festivals ist dieses Kalkül bereits voll aufgegangen.

Sowohl das Brasil-Guitar-Duo Joao Luiz und Douglas Lora zum Auftakt, das für Furore sorgte, als auch Roman Viazovskiy und der Spanier Marco Socias am Mittwochabend waren wahre Asse an den Saiten, die nur mit Superlativen zu beschreiben sind. Alle verfügten sie über die notwendigen technischen Fertigkeiten und stießen das Tor sowohl zur Kunst als auch zu sportlichen Höchstleistungen weit auf.

Wie generell in der Musik, geht es namentlich auch beim Gitarrenspiel um immer unwahrscheinlicher erscheinende Leistungssteigerungen. Sie sind nicht zuletzt das Treibmittel für die immer erstaunlicher werdenden Wettbewerbe. Macht man sich sonst Sorgen um die Zukunft der Kunstmusik, bei der Gitarre kann man sie getrost zerstreuen.

Viele Fans reisen weit an

Das Heinsberger Publikum, das sich aus vielen weit angereisten Fans zusammensetzte, war vorwiegend jugendlichen Alters, was wohl auch am Crossover der Gitarrenmusik liegt. Sie stellt ein Bindeglied zwischen der E-Musik als auch zu vielen Formen der sogenannten U-Musik dar, so dass sich in ihrer Gesellschaft alle wohlfühlen.

Das Heinsberger Publikum verdient darüber hinaus ein dickes Kompliment. Es verhielt sich äußerst diszipliniert, es ist auch sehr fachkundig und dankbar. Jeder Künstler konnte sich im Applaus baden. Die Zuhörer, das merkte man, kamen gerne zum Meisterkonzert des Gitarrenfestivals. Die Leute stimmen, so war es auch schon in der Vergangenheit, mit ihren Füßen über das Wohl und Wehe einer Veranstaltung ab. Die Resonanz war also ein verlässlicher Maßstab für das Können der bisher aufgetretenen Saitenvirtuosen.

Brasilien ist nicht nur im Fußball spitze. Die klassische europäische Musik aus südamerikanischer Sicht war einfach faszinierend. Auch die Verbindung zwischen der Ukraine und Spanien fiel nicht minder großartig aus.

Der hiesige Roman Viazovskiy, der sich als künstlerischer Leiter selbstbewusst der Herausforderung stellte und dabei introvertiert agierte, traf auf den eher cool und nonchalant wirkenden Spanier, der mit 21 Jahren schon alles erreicht hatte und Professor wurde. Mit einem Witz brach er das letzte Eis, indem er sagte, die Sonatensätze des Italieners Mario Castelnuovo-Tedesco nicht sicher im Kopf zu haben, dafür umso mehr dessen Noten. Socias punktete mit Stücken wie „An die Entfernte” von Rodrigo und mit „Trez piezas espanolas” von Emilio Pujol. Die Zuhörer waren hellauf begeistert. Socias bedankte sich mit zwei Zugaben. Einen etwas anderen Weg nahm Viazovskiy.

Er spannte seinen Bogen vom Dresdener Lautenisten Silvius Leopold Weiss, der sich mit Improvisationen einen großen Namen machte, bis zu Theolonious Monk und dessen „Round Midnight”, was ihm die Bezeichnung „Grenzgänger” einbrachte. Artig brachte er als Zugabe ein Ständchen für eine Kollegin. Keine Frage: Das „Duell” beim Meisterkonzert zwischen Viazovskiy und Socias ging trotz aller Unterschiedlichkeit unentschieden aus. Gewinner waren alle - Zuhörer wie Musiker.
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