Runder Tisch löst sich nach 15 Jahren auf

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Hückelhoven. Eine Institution in Hückelhoven löst sich nach 15 Jahren auf.

Als im Juli 1993 der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen einen Erlass zur „Förderung des friedlichen Zusammenlebens der deutschen und ausländischen Bürgerinnen und Bürger” herausgab, beließ er es nicht bei Aufrufen und Appellen, sondern gab den einzelnen Städten und Gemeinden pro Einwohner eine D-Mark - für Hückelhoven waren dies 35.000 D-Mark -, damit mit diesem Geld konkret und praktisch vor Ort gearbeitet werden konnte.

Damals bildete sich in Hückelhoven der Runde Tisch, ein Zusammenschluss von Vereinen, Verbänden und Kirchengemeinden, die in der Arbeit mit ausländischen Mitbürgern Erfahrung hatten. Im Einzelnen gehörten dem Runden Tisch Vertreter des Spanischen Elternvereins, des Slowenischen Kulturvereins, des Stadtjugendrings, der Kleinen Offenen Türen (KOT) in Hückelhoven, der evangelischen Kirchengemeinde Ratheim-Gerderath, von Pax Christi, des Eine-Welt-Laden-Vereins Hückelhoven e.V., des Diakonischen Werkes, des Jugendgemeinschaftswerkes Düren-Heinsberg, von türkischen Gruppierungen und der Stadt selbst an.

So wurden aus dem Fonds des Innenministers in den vergangenen Jahren zahlreiche Veranstaltungen und Maßnahmen gefördert. So unterstützte der Runde Tisch auch finanziell Vorhaben der entwicklungspolitischen Bildungs-, Öffentlichkeits- und Informationsarbeit, die auf die soziale, politische, ökonomische, ökolo-gische und kulturelle Emanzipation und Befreiung der Menschen in der Einen Welt abzielen und der Vernetzung, Weiterentwicklung, Durchsetzung und Reflexion entwicklungspolitischen Engagements in Hückelhoven dienen. Mit anderen Worten: Der Runde Tisch war der Motor des Agenda-Prozesses in Hückelhoven.

Der Rat der Stadt Hückelhoven hat auf einen so genannten Bürgerantrag des Runden Tisches hin in seiner Sitzung vom 16. Juli 2002 mit 42 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung folgenden Beschluss gefasst: „Rat und Verwaltung fühlen sich den Grundsätzen des Umweltgipfels von Rio de Janeiro vom Juni 1992 verpflichtet und streben auch weiterhin auf der Basis dieser Grundsätze eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung der Stadt Hückelhoven unter Berücksichtigung der Ökologie, Ökonomie und der sozialen Aspekte an.”

Der Runde Tisch war auch aktiv beteiligt an vielen Projekten, Initiativen und Maßnahmen im Rahmen des Aktionsprogrammes des Landes „Kommunen gegen Rechtsextremismus und Gewalt”, wobei er mehr als 20 Maßnahmen und Projekte gefördert hat; die Streitschlichter in den Schulen sind noch ein Ergebnis dieser Aktivitäten.

Wenn man bedenkt, dass alleine aus den letzten zehn Jahren mehr als 60 Protokolle vorliegen, lässt sich erahnen, wie viel Arbeit am und durch den Runden Tisch auf den verschiedensten Gebieten geleistet wurde. Im Rahmen des NRW-Programms „Kommunalpolitische Entwicklungszusammenarbeit” hat der Runde Tisch zwischen 1997 und 2002 stellvertretend für die Stadt mehr als 60.000 Euro Zuschussmittel in über 70 Maßnahmen und Projekte verwaltet.

Herausragend in diesem Zusammenhang war, dass der Runde Tisch im semiariden Nordosten Brasiliens ein Brunnenprojekt initiieren konnte, das mittlerweile sogar von der brasilianischen Regierung unterstützt wurde: 1000 Pumpen werden auf ländliche Gebiete verteilt, so dass 250.000 Menschen der Zugang zu Wasser ermöglicht wird. Wenn sich nun nach 15-jähriger Arbeit der Runde Tisch auflöst, hat das unter anderem damit zu tun, dass die finanzielle Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen für bestimmte Projekte eingestellt wurde; aber auch, weil sich inzwischen andere Gremien gebildet haben, die insbesondere das Anliegen vertreten, das auch beim Runden Tisch zuletzt immer ganz oben auf der Tagesordnung stand: „Integration”.
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