Ratheimer Seelsorger Klaus Jansen: Christmette hat Eventcharakter

Von: Norbert F. Schuldei
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In den Christmetten sind die Kirchen im Gegensatz zu den übrigen Tagen des Jahres proppenvoll. Woran liegt´s? Sicher auch an dem, was die Kirchen zu Weihnachten für die Sinne zu bieten Foto: Ratajczak

Hückelhoven. Zum Weihnachtsfest, ganz besonders am Heiligen Abend bei der Christmette, sind die Kirchen proppenvoll. An diesen Tagen werden die heiligen Messen und die Gottesdienste auch von Menschen besucht, die an den 364 übrigen Tagen mit der Kirche nichts oder nur sehr wenig zu tun haben.

Die Weihnachtsfrömmigkeit erfasst viele Menschen; die Kirchen haben bei diesem Fest für die Seele und das Gefühl ja auch einiges zu bieten: Die in warmen Kerzenschein getauchten Gotteshäuser sind mit Christbäumen und Krippen geschmückt; Chöre singen und Lieder erklingen, die zum allgemeinen Kulturgut gehören und die stark emotional berühren; Weihrauch zaubert einen Hauch von Orient herbei.

Unser Redakteur Norbert Schuldei sprach mit Pfarrer Klaus Jansen, zuständig für die Pfarren St. Johannes der Täufer in Ratheim, in Kleingladbach und in Schaufenberg sowie innerhalb des gesamten Kirchenverbundes Hückelhoven leitend tätig, über diese „Just-in-Time-Frömmigkeit”.

Für wie viele Katholiken sind Sie der Seelsorger?

Jansen: In Ratheim haben wir 4700 Katholiken, also fast so viele wie in Heinsberg; in Kleingladbach und Schaufenberg sind es rund 2000.

Und wie viele von denen sind regelmäßige Kirchgänger?Jansen: Etwa zehn Prozent.

Bei der Christmette am Heilig Abend aber ist die Kirche zum Platzen voll.

Jansen: Ja, mit Sicherheit. Wie eigentlich in jedem Jahr.

Woran liegt es, dass es auch Menschen an Weihnachten in die Kirche zieht, die ansonsten mit Kirche nix am Hut haben?

Jansen: Ich denke, es liegt an der Menschlichkeit dieses Festes. Dass dieser ferne, unnahbare, rätselhafte Gott auf im doppelten Sinn wunderbare Weise menschliche Gestalt annimmt. Ganz konkret in diesem Jesus von Nazareth, der einer von uns wird, einer wird wie wir. Dass er gleichsam neben uns steht und uns seine Nähe spüren lässt. Diese Nähe kommt sehr menschlich daher.

Das könnte jeder jeden Tag spüren. Aber woher kommt es, dass dieses Gefühl offenbar zu Weihnachten ganz stark ausgeprägt ist?

Jansen: Ich wäre glücklich, wenn Menschen jeden Tag diese Nähe, diese Wärme spüren würden und ihr Handeln ein wenig danach ausrichten würden. Wenn nicht wir, wer dann soll denn Menschen, die Kälte, Abgestoßensein, Ausgegrenztwerden erfahren, diese Nähe vermitteln? Wie sollen die denn wieder hoch kommen? Jesus war nicht der ,erste gute Mensch´, da hat es sicher viele, viele vor ihm gegeben. Aber er hat auf eine ganz tolle Weise Menschlichkeit gelebt, in Vielem unverstanden und er ist dann letztlich hingerichtet worden. Aber Gott hat durch die Auferstehung Jesu Art zu leben gültig gemacht.

Ist es nicht auch die Sehnsucht nach etwas, das jenseits der Welt liegt, der man hier nachgeht? Dass die Menschen in der Kirche Geborgenheit, Harmonie und so etwas wie Erhabenheit in der Weihnachtsmesse suchen?

Jansen: Ganz sicher hat die katholische Liturgie ganz viele äußere Zeichen, die den Menschen gut tun. Darum beneiden uns ja viele.

Die Christmette als Event, zu dem Hits wie „Stille Nacht” gehören, bei dem aber auch sonst für alle Sinne viel geboten wird.Jansen: So ganz kann man das nicht von der Hand weisen. Denken Sie nur an die Beerdigung des letzten Papstes. Die hatte Eventcharakter. Was da geboten wurde, das war allerste Sahne.

Die Inszenierung hat sich allerdings schon über viele Jahrhundert bewährt.

Jansen: Sie hat sich entwickelt; die Liturgie war ja nicht schon immer so wie sie heute ist.

Aber ich weiß, was mich erwartet, ob ich in Buenos Aires oder in Hückelhoven in die Christmette gehe.

Jansen: Die Menschen in Südamerika feiern sicher anders Weihnachten als wir hier. Aber dieses Das-Herz-Berührende, das ist bei denen so wie bei uns auch. Und das ist sicher ein Grund, warum es die Menschen an Weihnachten, und noch dazu mitten in der Nacht, in die Kirchen zieht. Zudem stiften Rituale trotz manchen Ärgers Gemeinschaft, sie künden vom Fortbestand der Welt, weil sie sich wiederholen.

Sind Sie traurig, dass Sie die meisten von denen, die Sie in der Christmette segnen, so schnell nicht wiedersehen?

Jansen: Natürlich stimmt mich das traurig. Mir hat einmal jemand, der nur einmal im Jahr, nämlich an Weihnachten, in die Kirche geht, gesagt: Ihr müsst anbauen! Ich habe ihm geantwortet: Wenn Sie vierzehn Tage später in die Kirche kommen, werden Sie sehen, dass da reichlich Platz vorhanden ist. Allerdings muss ich sagen: Der Kirchenbesuch während des Jahres ist zumindest hier im ländlichen Raum so schlecht auch nicht. Meine Hoffnung ist, dass das, was wir in den Kirchen an Nähe und Geborgenheit erfahren können, in guter Weise möglichst viele Menschen trifft.

b>Nicht nur zur Weihnachtszeit?

Jansen: Ja, nicht nur zur Weihnachtszeit.
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