Raftingtouren auf der Rur werden immer beliebter

Von: Nicola Gottfroh
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Highlight der Touren auf der Rur sind die Sohlgleiten. Die Gicht spritzt, das Wasser rast tosend und schäumend hinab. Es ist fast wie in den Stromschnellen Kanadas. Foto: Gottfroh
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Die 48-köpfige Gruppe erkundet mit sieben Kajaks und vier „Rafts“ die Rur. Erste Herausforderung: Das Einsteigen ohne nass zu werden. Foto: Gottfroh
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Hans-Jörg Koch präsentiert die Rur abenteuerlich. Foto: Gottfroh

Hückelhoven/Wassenberg. Gespannt richtet sich der Blick der Bootsinsassen nach vorne, während das Wasser sie vorantreibt. In dem Moment, in dem die Gruppe ein Anschwellen des Geräuschpegels vernimmt, das die erste Stromschnelle ankündigt, erblickt sie auch am Ufer das Schild, auf dem in großen Lettern das Wort „Lebensgefahr“ prangt.

Für die kleine Gruppe in dem roten Gummiboot kommt diese Warnung zu spät. Es gibt kein Zurück mehr. Die Strömung reißt sie immer näher zum Wehr heran. Und dann geht es abwärts – allerdings sanfter als erwartet.

Keine Verletzten, kein gekentertes Boot. Nur lachende Bootsinsassen. „Wen wundert‘s“, fragt Hans-Jörg Koch, Chef der Event-Kanuvermietung Mit „Paddel und Pedale“ auf der Rur, und ein Grinsen macht sich in seinem von der Sonne gegerbten Gesicht breit. „An dieser Stelle der Rur existieren gar keine Wehre mehr, es sind nur noch Sohlgleiten“, erklärt er. Sonst hießen die Anfängertouren schließlich nicht Eichhörnchen oder Bieber-Tour.

Dass die Schilder dennoch noch nicht abmontiert wurden, stört Koch gar nicht. Eigentlich kommt es ihm zu Gute. Denn manchmal lässt das warnende Schild bei den Gästen, die bei Koch Spaß und Aktion suchen, den Puls kurz vor der ersten Abfahrt noch einmal schneller schlagen – selbst wenn sie längst aus Kochs Mund gehört haben, dass aus den einst gefährlichen Wehren beinahe sanfte Stromschnellen geworden sind. „Alles ganz ungefährlich“, versichert der. Es ist die Macht der Vorstellungskraft, die hier ihr Übriges tut.

Interessanteste Strecke

Dass die Rur dennoch kein langer gerader Fluss ist, sondern vielmehr „die interessanteste Strecke für Rafting-Anfänger in ganz NRW“, wie Koch betont, erleben seine Gäste in den zweieinhalbstündigen Kanu- oder Raftingtouren, die sie flussabwärts von Hückelhoven-Hilfarth nach Wassenberg-Orsbeck führen. Während der von ihm veranstalteten Events sollen die Gäste einen Hauch von Ursprünglichkeit, Abenteuer und Gefahr spüren, so wie die Rafter, die die Gebirgsflüsse in den Alpen, in Mexiko oder in Kanada bezwingen.

Doch während auf großen Flüssen und reißenden Strömen zur Sicherheit immer ein Profi, in der Regel ein Begleiter des Veranstalters, mit im Boot sitzt, sind die Rafting und Kajak-Fahrer, die sich an diesem Tag aus Hückelhoven aus auf die Rur wagen, auf sich allein gestellt. Diese Tatsache lässt die meisten bereits vermuten, dass es auf der Rur nicht ganz so wild und gefährlich zugehen wird.

Auch wenn die 48-köpfige Gruppe, die mit sieben Kajaks und vier „Rafts“ flussabwärts paddelt, genau das bei der Einweisung von Hans-Jörg Koch zunächst vermuten mochte. Wenn Koch in seinen Einweisungen betont, dass in den 17 Jahren, die er die Rafting-Touren bereits anbietet, gerade einmal sieben Verletzte zu beklagen waren, blitzt in manchem Gesicht die Furcht vor der Kraft des Wassers auf. Das relativiert sich schnell, wenn Koch erklärt, dass die Verletzten nicht Opfer des Flusses, sondern vielmehr des Nebenmannes und seines Paddels geworden sind. Deshalb widmet er dem richtigen Handling des Paddels etwas mehr Zeit. „Kein Witz. So ein Paddel kann einen schon ordentlich zusetzen, je nachdem, wo man getroffen wird“, sagt Koch. „Und Sicherheit ist unser allerhöchstes Gut.“

Erst nachdem die Einweisung beendet ist, die Handys der Rafter und Kajaker in wasserdichten Boxer verstaut und die Schwimmwesten angelegt sind, geht es los aufs Wasser. Und da erst merken viele, auch die Gruppe an diesem Tag, dass Theorie und Praxis oft weit auseinander klaffen. Koch und seine drei Guides rufen Kommandos, doch bei vielen sind die Rafts und Kajaks auf den ersten Metern ein Spielball des Flusses. Mit jedem Meter flussabwärts – Startpunkt ist an der Rurbrücke an Haus Sodekamp – können die Bootsfahrer aber steuernd mehr Einfluss nehmen. „Das sind Anfangsschwierigkeiten, die sich schnell von selbst geben“, sagt Koch.

Das Team der Eventvermietung ist immer in der Nähe, wenn auch nahezu unsichtbar. In weniger als zehn Minuten haben sie auf alle Stellen der Rurstrecke Zugriff. „Wir hatten zwar noch nie einen Notfall im Wasser, auf dem Wasser allerdings schon. Ein Gast hatte einmal einen Schlaganfall, ein anderer Herzprobleme. Da müssen wir schnell da sein und helfen“, sagt Koch.

Kräftig paddeln

An der ersten Sohlgleite, einige Kilometer flussabwärts, wartet Guide Christian und gibt den Trendsportlern Anweisungen, wie sie in die Stromschnelle einfahren sollen. „Man muss schon anpacken und paddeln – sonst schmeißt einen das Boot raus , und dann wird man nass“, hatte Koch bei der Einführung diejenigen vorgewarnt, die sich mehr auf eine Tour mit dem Ruderboot über einen stillen Fluss eingestellt hatten.

Das Trockenbleiben gelingt allen – auch, wenn es für viele eine kleine Herausforderung ist. „Aber wirklich nur eine kleine“, betont Guido Christian. „Neulich hat ein Ehepaar, das jenseits der 70 war, an der Tour teilgenommen. Und auch dieses Paar hat die Route problemlos hinter sich gebracht“, sagt der 27-jährige Guide. Selbst Kinder ab vier Jahren können mitmachen.

Nass werden viele Rafter aber trotzdem. An den Sohlgleiten geht es zwischen 70 Zentimetern und drei Meter abwärts – allerdings verteilt auf 30 Meter. Und so sammelt das Wasser hier Kraft: Die Gicht spritzt, das Wasser rast tosend und schäumend hinab. Fast wie in den Stromschnellen Kanadas.

Dort war der „Paddel-und-Pedale“-Chef übrigens lange Zeit als Soldat stationiert. Und hat seine Leidenschaft, das Rafting und Kajakfahren, in der Wildnis ausgelebt. „Die Flüsse da sind schon eine ganz andere Nummer“, sagt er. Zurück in Deutschland hat er sich mit einem kleinen Bootsverleih selbstständig gemacht. Später kam der Radtransport hinzu. „Und irgendwie wurde aus der Idee ein Selbstläufer“, sagt er.

Von April bis November starten täglich Touren. Vor allem an den warmen Wochenenden und in den Ferien bringe er schon einmal 300 Menschen auf den Fluss, die dann später zum Ausgangspunkt zurückradeln können. Und in diesen Stunden beweist Koch den Teilnehmern, dass Leben und Freizeit in der Region alles andere ist als ein langer, gerader Fluss.

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