Quadratur des Kreises an der Ringstraße

Von: Stefan Herrmann
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Ringen um die Ringstraße: Seit Jahren drängen Anwohner darauf, dass ihre von vielen Pkw als „Schleichstrecke” genutzte Straße verkehrsberuhigt wird. Eine endgültige Entscheidung soll nach Ostern Foto: Stefan Herrmann

Wassenberg-Birgelen. An der Ringstraße stehen Politik und Verwaltung derzeit vor der Quadratur des Kreises. Eine Lösung, die alle befriedigt, scheint nicht in Sicht. Doch wie groß können die Probleme auf einer kleinen, wenige hundert Meter langen Wohnstraße überhaupt sein?

Sehr groß, muss man vermuten, wenn man zu den Ursprüngen der „Causa Ringstraße” zurückblickt. Bereits seit 2008 suchen Anwohner und ein Landwirt vor Ort, Bus-Unternehmen und Pkw-Fahrer und nicht zuletzt Politik und Verwaltung nach dem Königsweg für das Straßen-Teilstück zwischen Elsumer Weg und Lambertusstraße.

Geht es nach dem Straßenverkehrsamt des Kreises Heinsberg und der Wassenberger Verwaltungsspitze, sollte eben jener Königsweg nur noch in eine Richtung beschritten werden können. Die Ringstraße, so der Vorschlag, solle eine Einbahnstraße werden. Die Sache schien vor dem letzten Haupt- und Finanzausschuss so gut wie beschlossen. Doch noch einmal legten die Anwohner ihr „Veto” ein.

Der Hintergrund: Die Ringstraße wird seit geraumer Zeit von vielen Autofahrern als Schleichweg benutzt. Die Abkürzung zur L117 scheint verlockend - sehr zum Ärgernis der stetig gewachsenen Anwohnerschaft im Birgelener Neubaugebiet entlang der Ringstraße.

Ein direkt betroffener Landwirt nutzt die kleine Straße als Zufahrtsstrecke zu seinen Ackerflächen, ein Busunternehmen fährt hier täglich die nahe Grundschule an. Alle Parteien betonen, die Straße beidseitig nutzen zu müssen, andernfalls würden erhebliche Nachteile entstehen.

Die Anwohner ihrerseits fühlen sich vor allem vom übermäßigen (Pkw-)Verkehr belästigt. Ihr Vorschlag: Eine sogenannte „Birgdener Schwelle” - eine aufgepflasterte Erhöhung mitten auf der Fahrbahn -, die einen Pkw-Durchfluss unmöglich machen würde. Für den Landwirt wäre dies ok, doch die Schulbusse kämen laut des verantwortlichen Unternehmens nicht mehr drüber. Es folgte also der erste Einspruch.

Ortstermine standen ebenso auf der Agenda wie ausgiebige Briefwechsel. Zwischen Anwohnern und Verwaltung. Zwischen Rathaus und Straßenverkehrsamt des Kreises. Zwischen Kreisbauernschaft und Stadt Wassenberg. Zu guter Letzt äußerte sich noch einmal das Straßenverkehrsamt.

Im Schreiben vom 2. März heißt es: „Abschließend ist festzustellen, dass die Einbahnstraßenregelung die beste mögliche Alternative darstellt, um die Sicherheit von Fuß- bzw. Schulweg an dieser Stelle zu gewährleisten.

Ebenso wird der Durchgangsverkehr maßgeblich eingeschränkt.” Doch die Anwohner geben nicht auf. Sie befürchten laut ihres Sprechers Jens Linssen, dass gerade durch die mit der Einbahnstraße geplanten Fahrbahnverschwenkungen keine Verkehrsberuhigung erreicht würde. Im Gegenteil: „Ein Teil der Verkehrsteilnehmer wird sich geradezu animiert fühlen, die Höchstgeschwindigkeit in solchen âSchikanen´ auszutarieren”, schreibt Linssen

Die Lage ist verzwickt

Die Lage ist verzwickt. Viele Einzelinteressen stehen sich scheinbar unvereinbar gegenüber. Dass der gordische Knoten einvernehmlich gelöst wird - eher unwahrscheinlich.

Ungeachtet dessen soll die bereits Jahre andauernde Hängepartie an der Ringstraße in absehbarer Zeit zu einem Ende gebracht werden. Seit dem letzten Schreiben der Anwohner vor wenigen Wochen ruht die Akte Ringstraße. Noch. „Es wurden keinerlei Baumaßnahmen begonnen”, verkündete Bürgermeister Manfred Winkens auf Anfrage unserer Zeitung. Der Verwaltungschef signalisierte aber auch, dass er weiterhin den Vorschlag, den auch das Straßenverkehrsamt unterbreitete, favorisisiere: „Eine Einbahnstraßenregelung wäre vernünftig.”

Eins stellte Winkens klar: „Wir müssen so bald wie möglich eine Entscheidung treffen.” Gleichzeitig wolle man den „Leuten helfen”. Daher sollen direkt nach den Ostertagen wegweisende Gespräche mit dem Straßenverkehrsamt stattfinden.

Und noch eines macht Winkens deutlich: „Über kurz oder lang werden wir an einem Ausbau der Straße nicht vorbeikommen.” Denn diese sei aufgrund der Bebauung längst kein Wirtschaftsweg mehr, sondern eine „normale Wohnstraße”. Winkens: „Davon haben wir unzählige im Stadtgebiet.”

Und die könne man nun nicht alle mehr oder weniger für den (Durchgangs-)Verkehr sperren. Trotzdem hat der Bürgermeister Verständnis für die besondere Situation entlang der Ringstraße. „Eine schwierige Kiste”, gibt er zu.

Den Optimismus hat Winkens noch nicht verloren: „Wir werden eine Lösung finden.” Ob diese dafür sorgt, dass der gordische Knoten zur Freude aller aufplatzt? Die Anwohner werden die für die kommenden Wochen angekündigte Entscheidung wohl eher mit Skepsis erwartenÉ
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