Probleme bei Nachwuchssuche der Heinsberger Feuerwehr

Von: Rainer Herwartz
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Beim Einsatz muss es schnell gehen, deshalb haben die Spinde in der Feuerwache an der Unterbrucher Straße in Heinsberg keine Türen. Der neue Leiter der Freiwilligen Feuerwehr, Ralf Wählen, ist seit 36 Jahren dabei. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Eine gehörige Portion Respekt sollte man haben; Angst hingegen ist der Sache wenig dienlich. „Wenn man in einem Gebäude drin ist, die Feuerwand vor sich hat und merkt, wie wenig Wasser ausrichtet”, meint Ralf Wählen, dann komme auch ein gestandener Feuerwehrmann ins Grübeln.

Der neue Leiter der Heinsberger Feuerwehr erinnert sich noch gut an den Brand der Schuhfabrik Baltes im Jahr 1985. Damals sei er als Atemschutzgeräteträger genau in dieser Situation gewesen. Auch ein in Flammen stehender Bauernhof in Dremmen in den 90er Jahren rückt dem 50-Jährigen spontan ins Gedächtnis, wenn er nach heiklen Erlebnissen in seiner Vita bei der Wehr befragt wird.

Etliche Kühe und ein Stier mussten die Einsatzkräfte aus einem Stall befreien, über dem schon zwei Stunden das Feuer tobte. „Ich weiß nicht, ob ich da heute noch jemanden reinschicken würde”, sagt Wählen. Damals habe sich die Frage nicht gestellt.

Der neue Mann an der Spitze von 415 aktiven Feuerwehrleuten im Heinsberger Stadtgebiet hat im Jahr 2009 sein Hobby zum Beruf gemacht. Schon seit 36 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr, gehört der gelernte Heizungsbauer seitdem zu den vier hauptamtlichen Einsatzkräften. Seine Hauptaufgaben liegen im Funkbereich - vom Handfunkgerät bis zur Sirene ist er zuständig für das reibungslose Funktionieren.

Durch seinen Vater, der heute der Ehrenabteilung angehört, hatte Wählen den Weg zur Feuerwehr gefunden. Der gebürtige Dremmener war als Vierjähriger mit seinen Eltern nach Porselen gezogen, weil der Vater dort als Gerätewart und Hausmeister am damaligen Gerätehaus die Chance auf eine gute Wohnung erhielt. Für den Sohnemann war fortan das Leben mit Martinshorn und Blaulicht eine Selbstverständlichkeit. Dies sollte später auch für Wählens eigene Sprösslinge der Fall sein. Die 18 und 20 Jahre alten Brüder setzen die Tradition fort.

„Was mich immer fasziniert hat in der Feuerwehr, sind die Kameradschaft und das Miteinander. Natürlich auch die sich immer weiter entwickelnde Technik”, sagt Wählen. „Das sind in meinen Augen die Reize, die die Feuerwehr ausmachen.” Und dass sich diese Reize auch auf andere junge Leute auswirken, ist seine Hoffnung.

„Ohne die Jugendfeuerwehr hätten wir keine Überlebenschance. Wir ziehen uns unseren Nachwuchs selbst heran. Seiteneinsteiger sind eher selten. Wer bis 18 nicht dabei ist, kommt meist nicht mehr.” Ein Umstand, den der Feuerwehrchef sehr bedauert.

Hinzu komme ein anderes Problem: „Leute erhalten von manchen Firmen keine Freigabe”. Da falle schon Mal der drohende Satz: „Überlege es Dir, Dein Geld verdienst Du hier.” Dabei, so erläutert der 50-Jährige, regele das Feuerschutz- und Hilfeleistungsgesetz eindeutig, dass einem Feuerwehrmann oder einer Feuerwehrfrau kein Nachteil entstehen dürfe und er oder sie für Einsätze und Übungen freizustellen seien. Obwohl von Letzterem nicht einmal Gebrauch gemacht werde, steht für den Stadtbrandinspektor fest: „Auf lange Sicht wird man auch in Heinsberg nicht um eine Berufsfeuerwehr herumkommen. Es wird immer schwieriger, die Sicherheit tagsüber zu gewährleisten. Die Tatsache, dass viele Kameraden auswärts arbeiten, macht die Lage nicht einfacher.”

Das Ziel des neuen Chefs steht daher schon fest: „Ich möchte die Feuerwehr gerne so schlagkräftig erhalten wie sie jetzt ist.” Um Synergieeffekte zu erzeugen und dadurch sogar noch Kosten zu sparen, wurden die Löschgruppen Aphoven, Laffeld und Scheifendahl zusammengelegt. Statt drei Gerätehäusern soll bald in zentraler Lage nur noch eines existieren. Zwischen Karken und Kempen werden ähnliche Überlegungen mittelfristig in die Tat umgesetzt.
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