Premiere für die Zeitzeugin

Von: cbo
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In der Hauptschule Erkelenz ha
In der Hauptschule Erkelenz hatte die Wahlpflicht-Unterrichtsgruppe „Jüdischer Friedhof” Eva Weyl aus Amsterdam (Mitte) eingeladen, die über ihre Erfahrungen in einem Konzentrationslager berichtete. Hierin hatte sie drei Jahre ab 1942 verbracht. Foto: Koenigs

Erkelenz. Man hätte in der Mensa der Erkelenzer Hauptschule eine Stecknadel fallen hören, so interessiert und konzentriert verfolgten die Schüler dem Zeitzeugen-Vortrag von Eva Weyl. Die 77-jährige Jüdin gab einen lebendigen Einblick in ihre Erlebnisse vor und während des Zweiten Weltkriegs.

Ihr Bezug zu Erkelenz geht auf David Weyl zurück, der 1873 in Erkelenz geboren wurde und als Siebenjähriger die Erka-Stadt Richtung Kleve verließ. Seine Schwester Frederike heiratete Alexander Weinberg, der das damalige Kaufhaus Weyl (heute Martini) übernahm.

Ihren ersten Erkelenz-Besuch erlebte Eva Weyl bei der Verlegung der Stolpersteine im Dezember vergangenen Jahres, dabei zeigte sie sich beeindruckt vom Engagement der Erkelenzer Hauptschüler. Ihr damaliges Versprechen, die Schüler noch einmal zu besuchen, löste sie nun ein.

Die jüdische Zeitzeugin, die mit ihren Eltern im Zweiten Weltkrieg von Deutschland in die Niederlande geflüchtet war, zählt zu den wenigen Menschen, die drei Jahre im polizeilichen Judendurchgangslager Westerbork in den Niederlanden untergebracht waren und überlebt haben. Dieses Lager wurde seitens der Nationalsozialisten als zentrales Durchgangslager eingerichtet, um niederländische sowie in den Niederlanden lebende deutsche Juden in weitere Konzentrationslager wie beispielsweise in Ausschwitz weiter zu transportieren.

„Wir wussten nicht, was uns erwartete. Der Zug ging zu einem bestimmten Ort. Danach mussten wir fünf Kilometer durch die Kälte zum Lager laufen”, gibt Eva Weil einen Einblick in die damalige Situation der flüchtigen Juden und zeigte gleichzeitig an den mitgebrachten Luftbildaufnahmen die Situation im Lager Westerbork. Um die Authentizität zu steigern, enthielt der Vortrag exklusives Ausschnitte aus Filmmaterial aus dem Deportationslager, das 1944 vom inhaftierten jüdischen Kameramann Rudolf Breslauer gedreht worden war und in einmaliger Weise die damalige Situation im Lager abbildete.

Beim Blick auf die Bilder sagt Weyl, dass das Lager eher einer Scheinwelt glich. Es herrschte dort normaler Alltag, wodurch der Abtransport anderer Juden mit dem Zug in Konzentrationslager nicht bemerkt wurde.

Ihr Überleben im Lager Westerbork hat sie glücklichen Umständen sowie ihrem Vater zu verdanken. David Weyl bekleidete eine Position in der Administration und verschaffte sich dadurch den Zugriff auf die Deportationslisten, so dass die Namen der Familie für die Nationalsozialisten nie zum Vorschein kamen.

Der Vortrag in Erkelenzer ist für Eva Weyl eine Premiere, da sie erstmals in deutscher Sprache einen Einblick in ihre Erlebnisse als Zeitzeugin geben kann. In den Niederlanden hingegen ist die Jüdin, die in Amsterdam lebt, häufig in Schulen zu Gast, um ehrenamtlich über ihre Kindheit und ihre Erlebnisse im Lager Westerbork zu berichten. Einen ganz besonderen Dank richtete Weyl an Lehrer Josef Adams, der durch sein Engagement rund um die Verlegung der 23 Stolpersteine und die Betreuung des jüdischen Friedhofs an der Neusser Straße ein Stück geschichtliche Erinnerung am Leben hält.
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