Wegberg-Wildenrath - Pfirsich Sämling fasst wieder Fuß

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Pfirsich Sämling fasst wieder Fuß

Von: hewi
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Rita Esser
Rita Esser hilft tatkräftig mit, die Wassenberger Sämlinge an die Verbraucher zu bringen. Foto: Koenigs

Wegberg-Wildenrath. Der Wassenberger Sämling ist wieder da. Für Fans des aromatischen Pfirsichs ist dies eine sehr gute und vor allem nicht selbstverständliche Nachricht. Denn zwischenzeitlich war die Frucht mit dem unverwechselbaren süßsäuerlichen Aroma und hellen Fruchtfleisch schon völlig von der Bildfläche verschwunden.

Hans und Rita Esser aus Wildenrath haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Wassenberger Sämling nach den Jahren des Vergessens wieder ins Bewusstsein der Konsumenten zu bringen.

Die beiden betreiben als Hobby eine Plantage von rund einem Hektar Größe, in der der Sämling wächst. Er eignet sich zum direkten Verzehr ebenso wie zur Weiterverarbeitung oder zum Einkochen.

Dieser Umgang mit der Frucht ist heutigen Hausfrauen nicht mehr so geläufig, wie Rita Esser aus Erfahrung weiß. Denn im Gegensatz zu dem Obst aus dem Supermarkt muss der frisch geerntete Sämling schnell verzehrt oder weiterverarbeitet werden.

„Innerhalb von zwei bis drei Tagen nach der Ernte sollte dies geschehen sein”, betont sie. Deshalb wird der Wassenberger Sämling auch nicht so schnell den Weg in die Großmärkte finden. „Der Sämling wird reif geerntet”, erklärt Rita Esser. Ein Nachreifen in der Kiste gibt es nicht. Kaufen kann man ihn während der Erntezeit beim oder vom Erzeuger.

„Wassenberger Sämlinge, die noch im Oktober angeboten werden, sind keine”, wissen die Essers. Und das kommt nicht selten vor. Denn da bei vielen Kunden mit dem Namen vor allem Kindheits- oder Jugenderinnerungen verbunden sind, ist der Wassenberger Sämling durchaus begehrt. Daher wird der Name schon einmal einer anderen Pfirsichsorte angehängt, um sie besser verkaufen zu können.

Wie der Pfirsich aus dem südeuropäischen Raum nach Wassenberg kam, ist nicht bekannt. Vermutlich wurde er von Soldaten in der Zeit rund um den Ersten Weltkrieg nach Wassenberg gebracht, wo er sich schnell verbreitete. Das lag vor allem an dem sandigen Boden, den der Sämling sehr schätzt.

Der Wassenberger Sämling erlebte seine Hochphase in den 60er-Jahren. Dann ging es wetterbedingt bergab. Denn der Wassenberger Sämling ist ein durchaus sensibles Früchtchen. „Eine Nacht mit Frost im April reicht aus, um für das ganze Jahr die Ernte ausfallen zu lassen”, erklärt Rita Esser. „Denn wenn die Blüten dann schon geöffnet sind, war es das.”

Von ihrem Vater, dessen Plantage sie und ihr Mann betreiben, weiß sie von Jahren, in denen trotz rund hundert Bäumen nur eine Hand voll Pfirsichen geerntet werden konnten. „Selbst wenn es keine Ernte gibt, muss die Plantage immer gepflegt werden”, betont Hans Esser. Die Bäume müssen geschnitten und alte Gehölze ersetzt werden.

Elf Jahre am Stück blieb jede Ernte völlig aus, bevor 2009 erstmals wieder Wassenberger Sämlinge geerntet werden konnten. Schon die Folgeernte im Jahr 2010 fiel wieder weitaus geringer aus. In diesem Jahr haben die Sämling-Fans gut lachen, denn es sieht gut aus mit der Ernte.

Der Verkauf der eigenen Ernte steht bei Familie Esser nicht im Vordergrund. „Wir wollen für den Wassenberger Sämling werben, damit er nicht wieder in Vergessenheit gerät”, beschreibt Hans Esser die Motivation. In letzter Zeit häufen sich auch Anfragen nach kleinen Bäumchen, die sich die Kunden in den Garten setzen können. So wird auch dazu beigetragen, den Sämling in seinem traditionellen Anbaugebiet wieder zu verbreiten. „Nach der Ernte ist vor der Ernte”, weiß Hans Esser.

Die Plantage bietet das ganze Jahr über Arbeit, die der Hobbygärtner aber als durchaus entspannend empfindet. Ob es eine Ernte gibt, weiß man meist erst ab Ende Mai, wenn nicht mehr mit Nachtfrost zu rechnen ist.
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