Noch nie gab es so viele Unfallfluchten

Von: Thorsten Pracht
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Ein Fall für die Statistik des Jahres 2013: Am Freitag kam es auf der K5 (neu) zwischen Aphoven und Heinsberg zu einem Unfall mit einer verletzten Person. Foto: Georg Schmitz

Kreis Heinsberg. Auf den Straßen des Kreises Heinsberg verloren im vergangenen Jahr 16 Menschen bei Verkehrsunfällen ihr Leben. Im Jahr 2011 waren kreisweit noch elf Verkehrstote zu beklagen – die Steigerung im Jahr 2012 betrug also knapp 50 Prozent.

Diese Zahlen gehen aus der Verkehrsunfallstatistik 2012 hervor, die die Kreispolizeibehörde Heinsberg am Freitag veröffentlichte. Klar und deutlich geht aus der siebenseitigen Bilanz auch hervor, welche Ursache der Anstieg der tödlichen Unfälle hat: Alleine bei zehn der insgesamt 14 Verkehrsunfälle mit Toten war zu schnelles Fahren die Unfallursache. „Überhöhte Geschwindigkeit ist der Killer Nr. 1 im Kreis. Unabhängig von der Frage, wer den Unfall verursacht hat und welche weiteren Ursachen ihm zu Grunde liegen, hat die Geschwindigkeit erheblichen Anteil an den Unfallfolgen - sie entscheidet über Leben und Tod“, bestätigt Karl-Heinz Frenken, Sprecher der Behörde.

Als Reaktion auf die aktuelle Erhebung will die Kreispolizeibehörde durch ein verbessertes Sicherheitskonzept die Unfallzahlen senken. „Unser Ziel ist: Wir wollen das Geschwindigkeitsniveau insgesamt senken. Dies ist der wirksamste Schutz – gerade auch der schwächsten Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Fahrradfahrer, Kinder und Senioren – vor schweren Unfallfolgen“, sagt Frenken. Die Senkung des Geschwindigkeitsniveaus solle auch die Anzahl der Verkehrsunfälle insgesamt verringern.

Es kam im Jahr 2012 im Kreis Heinsberg zu 6706 Unfällen, im Jahr 2011 waren es „nur“ 6573 gewesen (+133). Parallel dazu stieg auch die Zahl der Unfälle mit Personenschaden von 894 auf 962 (+68). 60 Prozent der Unfälle mit Personenschaden ereigneten sich in den Stadtgebieten Heinsberg, Erkelenz, Hückelhoven und Geilenkirchen.

Zwar sank die Zahl der Schwerverletzten leicht um 3 auf 222. Insgesamt verunglückten aber 1209 Menschen im Kreis Heinsberg. Das sind 58 mehr als im letzten Jahr. Auch bei den Verkehrsunfällen mit Flucht stieg die Zahl im Kreis weiter an. Mit 1469 (+120) im Jahr 2012 ist der Höchststand seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen erreicht. Die Aufklärungsquote liegt mit 44,5 Prozent annähernd beim Wert des Vorjahres, die der Verkehrsunfälle mit Flucht und Personenschaden bei 63,3 Prozent. Die Zahl der verunglückten Radfahrer stieg um sechs auf insgesamt 258 Fahrradfahrer. Eine Seniorin starb bei diesen Unfällen. Im Jahr 2011 waren zwei Radfahrer bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen.

Auf den ersten Blick erfreulich ist die Zahl der verunglückten motorisierten Zweiradfahrer, die um 21 auf 143 sank. Allerdings wurden fünf motorisierte Zweiradfahrer getötet – vier mehr als im Vorjahr. Unfallursache war auch hier in drei Fällen überhöhte Geschwindigkeit.

Die Zahl der verunglückten Fußgänger bleibt mit 94 unverändert. Erfreulich ist der Rückgang der verunglückten Kinder als Fußgänger um 19 auf 21. Ebenso positiv: Nach der aktuellen Unfallstatistik konnte die Verunglücktenhäufigkeitszahl bei den jungen Fahrern im Vergleich zum Vorjahr von 1056 auf 1023 gesenkt werden. Dies stellt den zweitniedrigsten Wert der letzten zehn Jahre dar.

Weiterhin sollen an Unfallstellen, an denen Menschen versterben, weiße Kreuze aufgestellt werden. Diese sollen laut Kreispolizeibehörde ein Zeichen des Mitgefühls für die Angehörigen und gleichzeitig ein Mahnmal für die Unfallopfer darstellen. Generell hat sich die Polizei auf die Fahne geschrieben, die Verkehrsunfälle im Kreis Heinsberg durch die Kombination verschiedener Maßnahmen in Verbindung mit einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit immer wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. „Wir wollen in die Köpfe bringen, dass 95 Prozent aller Unfälle auf zum Teil bewusstes menschliches Fehlverhalten zurückgehen. Unfälle passieren nicht einfach so, sie werden von Menschen verursacht und sind damit vermeidbar“, erklärt Frenken. „Wir stellen täglich fest, wie viel Leid und Sorgen für Unfallopfer und Angehörige nach einem Verkehrsunfall das zukünftige Leben dominieren. Ein Unfalltoter bedeutet Leid für mehr als 100 Menschen.“

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