Nitrat in Gemüse? Gewässerschutz-Verein untersucht private Brunnen

Von: Rainer Herwartz
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Diplom-Physiker Harald Gülzow von VSR geht den Brunnen im Raum Selfkant und Gangelt auf den Grund.

Selfkant/Gangelt. Zugegeben, in den letzten zehn Jahren habe sich der Nitratanteil im oberflächennahen Grundwasser geringfügig reduziert, doch von einer gravierenden Verbesserung oder gar Entwarnung könne gar keine Rede sein, erklärt der VSR-Gewässerschutz-Verein.

Die Nitratauswaschung ins Grundwasser steige an, je größer die Menge an Gülle aus der Tierhaltung, den Gärresten aus den Biogasanlagen oder auch aus dem zugekauften mineralischen Düngemittel seien, die auf den Feldern ausgebracht würden. Insgesamt analysierten die Experten jetzt bei einer Untersuchung das Wasser aus 26 privat genutzten Brunnen im Raum Selfkant und Gangelt.

In fast drei Viertel der Proben lag die Nitratkonzentration zum Teil erheblich oberhalb des Grenzwertes für Trinkwasser der Weltgesundheitsorganisation von 50 Milligramm pro Liter. Letzteres ist für die Brunnenbesitzer meist nicht so bedeutsam, weil das Brunnenwasser ohnehin nicht zum Trinken genutzt wird. Übersehen wird dabei jedoch, dass das Wasser durch eine so starke Belastung beim Bewässern im Garten zur Nitratanreicherung in verschiedenen Gemüsesorten führen kann. Für den diplomierten Physiker Harald Gülzow vom VSR sind die Folgen nicht zu unterschätzen, wie er gegenüber unserer Zeitung erläutert.

„Manche Gemüsesorten wie Kopfsalat, Radieschen, Spinat, Endivie, Rettich, Fenchel, Chinakohl und Rote Beete nehmen besonders viel Nitrat auf, wenn im Boden hohe Nitratkonzentrationen vorhanden sind“, sagt Gülzow. Nicht nur durch den stickstoffhaltigen Dünger, sondern auch durch hohe Nitratgehalte im Gießwasser werde dies erhöht. „Hat das Grundwasser zum Beispiel eine Nitratkonzentration von 100 Milligramm pro Liter, so hat man in einer gefüllten Gießkanne bei zehn Litern schon ein Gramm Nitrat oder – was für die Düngung wichtiger ist – etwa 0,2 Gramm Stickstoff.

Gießt man jetzt in den vier Sommermonaten im Durchschnitt dreimal in der Woche eine Kanne auf die Fläche von etwa einem Quadratmeter, so ergibt dies eine Düngermenge von zehn Gramm Stickstoff. Diese Menge kann schon bei Kopfsalat oder Kohlrabi zu einer Verdreifachung der Nitratkonzentration im Gemüse führen. Bei hohem Nitratgehalt im Gießwasser sollte man deshalb auf den Einsatz von stickstoffhaltigem Dünger verzichten.“

Der Mensch sollte Nitrat nur in möglichst geringen Mengen aufnehmen, weil es im Magen in Nitrit umgewandelt werden könne, erklärt der Physiker. „Zusammen mit Aminen entstehen krebserregende Nitrosaminen. Außerdem ist Nitrit für Säuglinge gesundheitsgefährdend, weil die Sauerstoffaufnahme im Blut gehemmt wird und es so zur Blausucht kommen kann.“

Angesichts dieses Szenarios stellt sich dem Gartenbesitzer im Bereich Selfkant und Gangelt da wohl gleich die Frage, ob es überhaupt noch Sinn macht, einen Brunnen zur Bewässerung zu bohren. Doch diese Bedenken zerstreut Gülzow. „Leitungswasser ist zu kostbar, um mit ihm den Garten zu bewässern. Daher sollte man im Garten das oberflächennahe Grundwasser nutzen und das aus 65 bis 91 Meter tiefen Schichten geförderte Heinsberger Leitungswasser nur sparsam nutzen. Die einzige Alternative zu einem Brunnen stellt die Bewässerung mit Regenwasser dar.“

Ob er denn überhaupt eine Chance sehe, dass die Nitratbelastung in landwirtschaftlichen Regionen auf ein vertretbares Maß gesenkt werden könne? Da setzt Gülzow auf die Wasserrahmenrichtlinie (Wrrl), die vorschreibe, dass Grundwasser ab 2015 nur Nitratwerte unterhalb von 50 mg/l aufweisen dürfe. „Das Umweltbundesamt und die EU-Kommission drängen wegen hoher Nitratwerte im Grundwasser darauf, die Düngeverordnung zu verschärfen. Der VSR-Gewässerschutz unterstützt die Forderungen.“

Außerdem fordere die Umweltschutzorganisation, bei einer Überarbeitung der Düngerverordnung nicht nur die Menge zu begrenzen, sondern auch die Zeiten, in denen Ackerflächen brach liegen dürfen. So führe der Anbau von Zwischenfrüchten auch zu einer Verringerung der Nitratauswaschung. Ein besonders großes Problem sieht der Gülzow in diesem Zusammenhang bei den Maisfeldern. Während bei anderen Pflanzen durch Überdüngung eine negative Wirkung im Wachstum festzustellen sei, zeige der Mais nämlich keine Nachteile. „Von Maisfeldern geht daher eine extrem hohe Nitratauswaschung ins Grundwasser aus.“

Der VSR kämpft dafür, Gülle und Mineraldünger so aufzubringen, dass möglichst wenig ins Grundwasser ausgewaschen wird. „Bereits seit Jahren entwickeln Landtechnik-Unternehmen Maschinen, durch die die Gewässerbelastungen minimiert werden können“, sagt Gülzow. Die Landwirte und Lohnunternehmer in Regionen mit viel Nitrat im Grundwasser müssten dringend staatliche Unterstützungen erhalten, um diese Investitionen zu tätigen.

„In der Landwirtschaft wurde zu lange Zeit weitgehend nur auf große Maschinen gesetzt, die Arbeitszeit einsparen, nicht aber Düngemittel und Pestizide. Wenn sich die Förderpraxis in der Landwirtschaft sowie die überarbeitete Düngeverordnung noch stärker am Grundwasserschutz orientieren, dürfte die Nitratbelastung langfristig sinken.“

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