Heinsberg - Neues Feuerwehrauto wird nicht einfach „durchgewinkt”

Neues Feuerwehrauto wird nicht einfach „durchgewinkt”

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:

Heinsberg. Wenn das Geld knapp ist, wird meist mit spitzer Feder gerechnet. Spätestens dann.

So kann auch einmal ein Tagesordnungspunkt, der in der Regel durch die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Heinsberg „durchgewinkt” würde, für unerwarteten Wirbel sorgen.

Im konkreten Fall ging es um die Anschaffung eines neuen Löschfahrzeuges für die Freiwillige Feuerwehr. Eine Auswertung der Einsätze habe ergeben, dass es immer schwieriger werde, die Hilfsfristen und Einsatzstärken während der üblichen Arbeitszeiten an Werktagen zu erreichen, ließ die Verwaltung wissen. Zur Verbesserung der „Tagesverfügbarkeit” der Freiwilligen Feuerwehr sei daher beabsichtigt, verstärkt Bedienstete der Stadt für eine Tätigkeit in der Freiwilligen Feuerwehr zu gewinnen und diese nach einer entsprechenden Ausbildung als zusätzliche taktische Feuerwehreinheit für Ersteinsätze einzusetzen.

Die praktische Umsetzung dieser Maßnahme erfordere es, mit besonderer Dringlichkeit ein Löschgruppenfahrzeug LF 10/6 mit Mannschaftskabine und einer feuerwehrtechnischen Beladung, die auch bei Unfällen genutzt werden kann, nebst Löschwassertank mit mindestens 600 Litern zu beschaffen. Das Fahrzeug solle dann in einer umzubauenden Garage in der Nähe des Rathauses untergebracht werden. Dezernent Hans-Walter Schönleber hatte die Problematik dargelegt, dass laut Regelwerk nur acht Minuten bis zum Eintreffen der ersten Wehrleute am Einsatzort verstreichen dürfen - und dies sei eben in der Woche tagsüber kaum mehr zu schaffen, weil viele Feuerwehrkräfte außerhalb des Stadtgebietes einer beruflichen Beschäftigung nachgingen.

Diese Informationen genügten SPD-Fraktionschef Ralf Herberg allerdings nicht. „Ich vermag die Notwendigkeit zur Anschaffung des Feuerwehrfahrzeuges nicht zu erkennen”, sagte er und schlug vor, doch morgens einfach ein geeignetes Fahrzeug aus der Hauptwache zu holen und hinter dem Rathaus zu parken. Damit könne die schnelle Einsatzbereitschaft der neuen Truppe doch ausreichend gewährleistet werden. Sein Partei-Kollege Dr. Hans-Josef Voßenkaul ergänzte, hier werde offensichtlich der zweite vor dem ersten Schritt getan.

Denn zunächst solle doch einmal der Brandschutzbedarfsplan fortgeschrieben werden. Selbiger, so erklärte Bürgermeister Wolfgang Dieder, sei derzeit in Arbeit. Und da sowohl der Kreisbrandmeister als auch der Wehrführer der Stadt die Notwendigkeit des neuen Löschfahrzeuges sähen, würde dieses dann in den Brandschutzbedarfsplan aufgenommen. Er sei ebenso wenig ein Feuerwehrexperte wie Herberg, meinte Dieder, aber er vertraue den Experten, wenn sie sich für die Anschaffung des Fahrzeuges stark machten. Dieses in Herbergs Augen dürftige Argument wiederum konterte der SPD-Mann mit der polemisch-süffisanten Bemerkung: „Wenn ich ein Chauffeur wäre, dann hätte ich auch gerne den besten Wagen.”

An dieser Stelle schaltete sich CDU-Fraktionschef Wilfried Louis in die Diskussion ein. Auch er unterstrich sein Vertrauen in die Feuerwehrleitung, die sich sicher kein bloßes „Spielzeug” anschaffen wolle. Mittlerweile hatte allerdings auch Regina Schaaf von den Grünen Position bezogen und wollte nicht einsehen, wieso nicht tatsächlich ein Löschfahrzeug einfach von einer anderen Wache tagsüber abgezogen werden könne.

Erst Norbert Krichel (CDU) brachte ein wenig Licht ins Dunkel. Nach Rücksprache mit Feuerwehr-Verantwortlichen habe er erfahren, dass das Abziehen eines Löschfahrzeuges in anderen Orten selbst bei tagsüber nicht voller Mannschaftsstärke fatale Folgen habe, da dann in den Außenorten die Acht-Minuten-Regel nicht mehr einzuhalten sei. Keine Löschgruppe verfüge über zwei Löschfahrzeuge und keines sei jünger als zehn Jahre. Das neue Fahrzeug solle wendiger und damit geeigneter für den Einsatz im Stadtgebiet sein und überdies einen Allradantrieb besitzen.

Während die Debatte sich langsam im Kreis drehte, saßen im Nachbarraum schon Mitglieder des nicht öffentlich tagenden Vergabeausschusses auf heißen Kohlen. Dort sollte nämlich der Kaufvertrag über das Löschgruppenfahrzeug beschlossen werden. Ellen Florack (CDU) war schon während der hitzigen Debatte im Haupt- und Finanzausschuss die eigentlich geheime Information herausgerutscht, dass der Kauf des Fahrzeuges nicht die bereitgestellten Haushaltsmittel in Höhe von 240.000 Euro verschlingen würde, sondern lediglich 168.000 Euro. Somit sei der Umbau der Garage also auch schon abgedeckt.

Schließlich wurde das Ende der Debatte beschlossen - und zwar förmlich, mit sechs Enthaltungen. Nach Informationen unserer Zeitung stand dem Kauf des Spezialfahrzeuges im folgenden Vergabeausschuss nichts mehr im Wege.

Wählen kann Gerangel nicht nachvollziehen

Der neue Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Heinsberg, Ralf Wählen, erläuterte auf Anfrage unserer Zeitung den Kauf des neuen Tanklöschfahrzeuges und die Ursache. „Wir haben das große Problem mit der Tagesverfügbarkeit wie alle Feuerwehren im Land. Früher hatten viele ihre Arbeitsstätte am Ort, was so nicht mehr gegeben ist.”

Dennoch müssten im Ernstfall die ersten Einsatzkräfte nicht nur in acht Minuten am Einsatzort sein, sondern dies auch noch in einer Mannschaftsstärke von neun Personen und mit entsprechendem Equipment. Bei der Verwaltung seien derzeit bereits sechs Kameraden beschäftigt. Am Montag haben sechs weitere mit der Grundausbildung zum Feuerwehrmann begonnen. Auch ein Atemschutzträger-Lehrgang gehört dazu. Bis Mai soll somit eine schlagfähige Truppe von zwölf Mann beisammen sein, um das Problem zu lösen.

„Aber wir haben kein Fahrzeug, das wir irgendwo entbehren könnten.” Das neue sei zudem mit einem Rettungszusatz bestückt, der unter anderem eine Schere und einen Spreizer beinhalte, um eingeklemmte Personen aus einem Fahrzeug zu befreien. Auch ein Rettungszylinder gehöre dazu, mit dem Dinge auseinandergedrückt werden könnten. Wählen kann das Gerangel im Ausschuss gar nicht nachvollziehen: „Aus verschiedenen Parteien haben sich Mitglieder des Rates bei mir erkundigt, denen ich Rede und Antwort stand.”
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