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Nach heimtückischem Übergriff: Magnet soll in Kühen rostige Nägel suchen

Von: Rainer Herwartz
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Da ist Zupacken angesagt: Tier
Da ist Zupacken angesagt: Tierarzt Wilhelm Ezilius schiebt einer Kuh mit einem Spezialgerät einen Magnetkorb in den Rachen. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg-Waldenrath. Wer die rostigen, rund zehn Zentimeter langen Nägel in der Hand von Klaus Rongen sieht und sich vorstellt, dass seine Kühe und Rinder sie mit der Nahrung verschlingen sollten, dem wird gleich mulmig in der Magengrube. Der Gedanke, dass ein Mensch das einem Tier antun könnte, um damit vor allem dem Landwirt zu schaden, ist nur schwer erträglich.

Klaus Rongen durchlebt diesen Horror nun schon zum zweiten Mal. Wie am 24. Juli war auch diesmal, in der Nacht zum Dienstag, eine Feldgemarkung zwischen Waldenrath und Hatterath, unweit der Kreisstraße 3, das Ziel der bislang unbekannten Täter. Frisch gemähtes Gras, das als Grassilage zur Futterherstellung genutzt wird, wurde auf etwa 4000 Quadratmetern mit den alten Nägeln versetzt und damit für den Landwirten unbrauchbar (wie berichtet).

Von ähnlichen Fällen hat Rongen bislang nur aus dem Raum Viersen und jenseits der niederländischen Grenze gehört. In Viersen hatten die Täter allerdings keine Nägel gestreut, sondern Maiskolben, die ebenfalls als Tierfutter dienten, mit Draht umwickelt. Die Nägel, die auf seinem Grund und Boden gestreut wurden, seien aus altem Holz gezogen worden, sagt Rongen. „Da hat einer wohl ein Leben lang gesammelt”, meint er vielsagend.

Auch wenn er gegenüber der Polizei keine konkreten Angaben gemacht hat, so hegt er doch mittlerweile einen Verdacht. Dies ist auch der Grund, warum er sich von Montag auf Dienstag die halbe Nacht um die Ohren geschlagen hat. Die in seinen Augen verdächtige Person sei nämlich nach dem Mähen am Montag in der Nähe der Feldgemarkung gesehen worden.

Trotz Widerstands in der eigenen Familie beschloss der Landwirt daraufhin, sich in seinem Wagen, versteckt hinter einem Maisfeld, auf die Lauer zu legen. Bis kurz vor Mitternacht habe er dort ausgeharrt, doch dann seien ihm nach einem anstrengenden Arbeitstag beinahe die Augen zugefallen, so dass er seinen „Wachposten” verließ und nach Hause fuhr. Vielleicht hätte er da besser noch ein wenig ausgehalten. Denn am nächsten Morgen war die Feldgemarkung wieder mit Nägeln übersät.

Schon jetzt steht fest, dass auf Dr. Wilhelm Ezilius eine Menge Arbeit zukommen wird. Der Tierarzt, der seine Praxis in Unterbruch betreibt, soll durch eine gezielte Vorbeugeaktion verhindern, dass die rund 400 Kühe und Rinder, die der Landwirt sein Eigen nennt, im Falle eines Falles Schaden nehmen. „Die Kuh ist aus ihrer Evolutionsgeschichte heraus ein sehr unselektiver Nahrungsaufnehmer”, erläutert Ezilius. Das bedeutet, dass die Tiere quasi alles in sich hineinschlingen, was ihnen vors Maul kommt.

Auch die Nägel würden verschluckt und in Netzmagen oder Pansen verschwinden. „Der Pansen ist ständig in Bewegung. Fremdkörper werden dadurch in die Pansenwand hineingedrückt, was sehr schmerzhaft ist.” Noch weit schlimmer sei jedoch, dass ein Nagel mit der Zeit die Pansenwand durchstoßen und auch noch den nahen Herzbeutel anstechen könnte. Das führe dann zu einem entzündlichen Prozess, bei dem der Herzbeutel versteife, sich wie eine Gummimanschette um das Herz lege und dieses einenge. Für die Kuh bedeute dies höchste Lebensgefahr.

Damit dies nicht geschieht, wird den Vierbeinern nun ein etwa 15 Zentimeter langer, etwa drei Zentimeter dicker Magnetkorb durch das Maul eingeführt. Dieser begebe sich in dem 150 Liter fassenden Pansen des Tieres sozusagen auf Nagelsuche. Da Kühe bekanntlich Wiederkäuer seien und sie die rasch verschlungene Nahrung zum weiteren Zerkleinern hochwürgten, werde das ganze Paket auf diesem Wege in der Regel wieder oral ausgeschieden.

Doch auch wenn der Magnet mit den angehefteten Nägeln zeitlebens in der Kuh verbliebe, sei dies nicht schlimm, meint Ezilius. Pro Tier und Magnetkorb muss der Landwirt dafür fünf bis sechs Euro berappen. Von der Versicherung habe er nichts zu erwarten, sagt er.

Kein Wunder also, dass der Waldenrather schon alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, um die Nägel zu beseitigen. Keine leichte Aufgabe. „Aufsammeln mit der Hand ist bei einer solch großen Fläche kaum möglich. Auch das Unterpflügen bringt auf Dauer nichts, weil die Nägel immer wieder hoch kommen.”

Rongen hat schon bei einem Schmied, auf einem Schrottplatz und sogar beim Kampfmittelräumdienst nachgefragt, ob jemand einen geeigneten Magneten besitze, mit dem er das Feld abfahren könne. Leider Fehlanzeige. Der Kampfmittelräumdienst hatte ihm lediglich angeboten, durch einen Detektor die Lage der Nägel ausfindig machen zu können.

Am Ende bleibt vor allem die Hoffnung, dass der Täter schnell gefasst wird und sich der Horror für den Landwirt nicht wiederholt.
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