Mit trauernden Kindern und Jugendlichen Schätze heben

Von: Helen Mäurer
Letzte Aktualisierung:

Hückelhoven-Doveren. Kurz hinter dem Ortsschild von Doveren führt ein Feldweg an gelb blühendem Raps vorbei zu Schätzen der ganz besonderen Art. Auf dem Kühlerhof arbeitet eine gut vernetzte Schatzsucherbande unermüdlich, um ab September mit trauernden Kindern und Jugendlichen „Schätze” zu heben.

Die Schatzsuchermeister sind Erzieher Björn Clahsen und Krankenpflegerin Susanne Hoeren, die auch Koordinatorin für Trauer und Sterbebegleitung beim mobilen Hospizdienst Regenbogen aus Wassenberg ist.

Unter dem Dach des Ambulanten Hospizdienstes Regenbogen und des Vereins Lebenswert ist das Projekt Schatzsucher entstanden und dort mit vielen Erfahrungen und Vernetzungen gut aufgehoben. Das stationäre Hospiz der Hermann-Josef-Stiftung Erkelenz ist im zehnten Jahr seines Bestehens Kooperationspartner.

Das zukünftige Angebot ist einzigartig im Kreis Heinsberg. Bei der Arbeit im Verein Regenbogen, aber auch im Hospiz wurde in der Vergangenheit immer wieder deutlich, dass Kinder, Jugendliche, behinderte Menschen, ihre Angehörigen, Schulen, Kindergärten und Jugendämter einen großen Bedarf an Unterstützung in Trauerfällen haben. „Dazu gehören nicht nur Sterbefälle, sondern auch etwa die Scheidung der Eltern,” sagte Thomas Windeck von Lebenswert. „Nicht bewältigte Trauer kann dazu führen, dass Kinder, oft erst Jahre später, auffällig werden,” betonten Susanne Hoeren und Hospizleiterin Ulrike Clahsen bei der Vorstellung des neuen Angebots in der Weiterbildungsstätte der Stiftung auf dem Kühlerhof in Doveren.

Das Projekt ist in erster Linie ein präventives Angebot. „Das Angebot ist nicht therapeutisch”, stellte Björn Clahsen klar. Zunächst wollen die Schatzsucher Kinder und Jugendliche getrennt in 14-tägig fest installierte Gruppen betreuen. Dabei gehe es nicht um spezielle Themen, sondern vor allem darum, fern von der Trauer zu Hause zu leben, sich auszuprobieren, ebenfalls Betroffene kennen zu lernen und Ansprechpartner zu haben, sagte Björn Clahsen und ergänzte:„Sicher steht auch die Trauer dabei auch im Vordergrund.

Da auf zwei Betroffene eine Betreuungsperson kommt, ist intensive Arbeit möglich. Auch die Begleitung bei Beerdigungen gehört zum Angebot. Eine Zukunftsvision sieht die Kinder in einer möglichen Intensivbetreuung mit Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und Freizeitaktivitäten.

Björn Clahsen und Susanne Hoeren haben an einer Ausbildung teilgenommen, um das Projekt für trauernde Kinder, Jugendliche, Menschen mit Behinderung und deren Umfeld im Kreis Heinsberg auf den Weg zu bringen.

Die einladenden Räumlichkeiten der Bildungsstätte der Hermann-Josef-Stiftung mit seiner Abgeschiedenheit und der Natur bieten den idealen Rahmen für das Projekt. Da in der Bildungsstätte auch Weiterbildungen im Rahmen der Hospizarbeit angeboten werden, ist ein zusätzlicher Austausch gegeben.

Dank der unermüdlichen Initiative von Ursula Klaut, die ursprünglich die Idee zu einem eigenen Kinder- und Jugendhospiz hatte, haben mittlerweile etliche Sponsoren das Projekt finanziell unterstützt. Bei einem Benefizkonzert Ende März in Oberbruch waren 1200 Euro als Starthilfe eingenommen worden. Hamid Alishahi, Vorsitzender des Chores Cantiamo, hatte dem Projekt da seinen Namen gegeben.

„Bei der Trauer ist man auf der Suche nach etwas, das man verloren hat oder bewahren will”, hatte er gesagt. Im Schatz, den alle gemeinsam heben wollen, seien eigene Ressourcen und neue Kontakte die wertvollsten Schmuckstücke. „Irgendwann kann ich vielleicht nicht sagen: Es ist nicht alles wie vorher. Aber es ist wieder gut,” sagte Titus Reinmuth, Vorsitzender von Regenbogen. Und Ursula Klaut: „Es geht nicht darum zu sterben, sondern zu leben.”

Es gibt keine öffentlichen Gelder für das Projekt Schatzsucher. Die Schatzsucher sind daher auf Spenden angewiesen. Sie werden erbeten unter dem Stichwort Schatzsucher, bei der Volksbank Erkelenz-Hückelhoven-Wegberg, Konto-Nummer 7979797014, Bankleitzahl 31261282. Weitere Infos gibt es unter 0152/26168265.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert