Mit Rucksack auf dem Weg zur Integration

Von: hewi
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An der Grundschule An der Burg
An der Grundschule An der Burg in Hückelhoven wird großer Wert auf Integration gelegt. Dazu gehört auch das Rucksack-Projekt, zu dem das Frühstück mit den Müttern gehört. Foto: Koenigs

Hückelhoven. Wenn er von seiner Schule spricht, benutzt Schulleiter Dirk Gröbert gerne das Wort „Mikrokosmos”. Denn die Gemeinschaftsgrundschule An der Burg in Hückelhoven ist kreisweit eine Besonderheit, denn dort wird Integration schon seit Jahren praktiziert. Immerhin haben 66 Prozent der rund 290 Schüler einen Migrationshintergrund, zumeist einen türkischen.

Deshalb gibt es an der Schule eine Reihe von Förderprojekten, wie zum Beispiel den muttersprachlichen Unterricht. Denn die Beherrschung der eigenen Muttersprache ist nach Auffassung des Pädagogen eine Voraussetzung für erfolgreiches Lernen in Deutsch. Viele der Kinder wachsen aber mit zwei „halben” Sprachen auf, weil sie weder Deutsch noch Türkisch wirklich beherrschen. Um ihnen dennoch einen optimalen schulischen Start zu ermöglichen, gibt es eine Reihe von Maßnahmen in Gröberts Mikrokosmos.

Seit rund zehn Jahren gibt es schon das Projekt Koala. Das Kürzel steht für Koordinierte Alphabetisierung im Anfangsunterricht. Die Schüler sollen lernen, mit ihrer Zweisprachigkeit positiv umzugehen und beide Sprachen und Kulturen in eine Beziehung zueinander zu bringen.

„Das Grundschulalter ist ideal geeignet, um Sprachen zu erlernen”, betont Gröbert.

Neu im Reigen der integrationsfördernden Maßnahmen ist das Rucksack-Projekt, das zu Beginn des Schuljahres startete und sich gezielt an Mütter von Erstklässlern mit Migrationshintergrund richtet.

Einmal in der Woche treffen sich die elf Teilnehmerinnen in den Räumen des angeschlossenen Offenen Ganztagsschule und besprechen gemeinsam mit Hatice Tatoglu den Unterrichtsstoff ihrer Kinder in ihrer Muttersprache. Dazu gibt es Lernmaterialien auf Türkisch.
Denn so können sie den Stoff, der morgens auf Deutsch vermittelt wurde, zu Hause auf Türkisch nachbearbeiten, wie die 39-jährige berichtet.

Sie hat mit dem Rucksack-Projekt bereits im Familienzentrum Traumland gute Erfahrungen gesammelt und war sofort bereit, den Kurs an der Grundschule zu übernehmen. Die Mütter kennt sie noch aus dem Traumland. Gearbeitet wird zum Beispiel mit Anlauttabellen, auf denen die Buchstaben jeweils mit einem Bild zum besseren Verständnis verbunden sind. Ist bei der deutschen Anlauttabelle bei „A” ein Affe zu sehen, ist es bei der türkischen eine Birne („Armut”). So lernen die Kinder spielend die Wörter und können die beiden Sprachen in eine positive Beziehung zueinander setzen. „Für die Mütter ist es wichtig, eine Anlaufstelle an der Schule zu haben”, betont Tatoglu. „Trotzdem musste ich einige Teilnehmerinnen lange überreden, bevor sie sich trauten.”


Bereits im vorigen Jahr wurde versucht, einen Rucksack-Kurs an der Grundschule einzurichten, was aber an der geringen Resonanz scheiterte. „Jetzt hoffe ich, dass sie von dem Kurs berichten und andere Mütter auch den Weg zu uns finden”, betont sie. Wenn genügend Mütter bereit sind mitzumachen, wird auch ein zweiter Kurs eingerichtet. Unterstützt wird Tatoglu von Dr. Gülten Corlu, die als Lehrerin im Koala-Projekt eingesetzt wird und auch Deutsch unterrichtet.

Nun hat sich die Schule An der Burg auch für das Projekt Quiss beworben (Qualitätsentwicklung in sprachheterogenen Schulen) und ist angenommen worden. Die Aufnahme in das Programm ist verbunden mit der Schaffung einer zusätzlichen halben Stelle. Eine weitere halbe Stelle hat die Bezirksregierung nach einem Besuch vor den Sommerferien zugesagt.

So ist die Schule nun personell gut aufgestellt und für die Aufgaben der Sprachförderung ausgerüstet.

Am Samstag, 8. Oktober, findet in der Grundschule an der Burg ein Tag der offenen Tür statt. Von 9 bis 12 Uhr kann man sich vor Ort über das Unterrichts- und Sprachangebot der Schule informieren.
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