Mächtig Feuer unterm Dach

Von: Franz Windelen
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Bei der Feuerwehr Waldfeucht g
Bei der Feuerwehr Waldfeucht gilt es mehrere Feuerchen zu löschen: Gesucht werden ein Wehrleiter und ein Löschgruppenführer für Haaren. Foto: imago/Stock

Waldfeucht. Außer Spesen ist nicht viel gewesen. Das Fazit für die Sondersitzung des Gemeinderates Waldfeucht, der auf Antrag der UFW in der Dorfhalle Brüggelchen tagte, lässt sich so zusammenfassen.

Ein konkretes Ergebnis konnten auch die zahlreichen Feuerwehrleute, die den Zuhörerraum am Donnerstagabend füllten, nicht mit nach Hause nehmen. Der einzige Tagesordnungspunkt: die Gefahrenabwehr und der Brandschutz in der Gemeinde Waldfeucht. Die Brisanz der Lage war durch unsere Zeitung öffentlich geworden, als diese über die Jahreshauptversammlung der Wehr im März berichtete. Dort hatte auch der Bürgermeister eine Stellungnahme abgegeben.

In der Ratssitzung nannte Heinz-Josef Schrammen nochmals die Gründe für die Schieflage: „. . . die personellen Spannungen zwischen der Löscheinheit Haaren einerseits sowie der Wehrleitung und den Führungskräften der übrigen vier Löscheinheiten andererseits; die fehlende Führungsstruktur bei der Löscheinheit Haaren seit September 2011; und die erhöhte Sicherheitslage im Feuerwehrgerätehaus Haaren, das nicht den Unfallverhütungsvorschriften entspricht.”

Vorschlag bis zum 15. Mai?

Ab dem 16. Mai sollen nach Worten Schrammens konkrete Maßnahmen ergriffen werden, um die Leistungsfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr zu erhalten. Die Löscheinheit Haaren sei aufgefordert, bis zum 15. Mai einen Vorschlag für den Löschgrupenführer und dessen Stellvertreter zu präsentieren. Wehrleiter Heinz-Peter Mühren, der seinen Rücktritt vor Wochen erklärt hatte, werde so lange im Amt bleiben, bis die personellen Turbulenzen vom Tisch seien.

Für den Ernstfall hat Fachbereichsleiter Josef Vraetz einen „Plan B” parat. „Wenn keine hinreichenden Führungsstrukturen geschaffen werden können, ist ein eigenständiger Betrieb des Gerätehauses Haaren ab 16. Mai nicht mehr vorgesehen. Damit gehen für Haaren aber brandschutztechnisch keineswegs die Lichter aus”, sagte Vraetz. Die Gemeinde werde gegebenenfalls wieder über die Zusammenlegung von Einheiten nachdenken müssen.

Gemeindebrandinspektor Mühren stellte klar, dass „der Feuerschutz in der Gemeinde bis zum heutigen Zeitpunkt gewährleistet war und ist”. „Eine Löscheinheit, die nicht bereit oder in der Lage ist, sich organisatorisch ohne Wenn und Aber in die Gesamtwehr zu integrieren, hat heute keine Daseinsberechtigung mehr”, wurde Mühren in Richtung der Haarener Abteilung sehr deutlich.

Mit den Stellungnahmen wollte sich die UFW nicht zufrieden geben. Das Thema Gefahrenabwehr und Brandschutz zeige einmal mehr, welch schlechte Informationspolitik der Bürgermeister im Umgang mit dem Rat pflege, so Fraktionsvorsitzender Ralf Kretschmann. „Da erfährt man erst aus der Zeitung über die Geschehnisse in der Feuerwehr.”

Zu den denkwürdigen Fakten gehöre auch, so Kretschmann, dass ein Haarener Feuerwehrauto rund vier Wochen beim Bauhof zur Reparatur gestanden habe und nicht im Einsatz gewesen sei: „Haben wir so viele Autos, dass wir uns das leisten können? Da müssen Sie doch eingreifen, Herr Bürgermeister.” Schrammen konterte: „Dieser Zustand ist der momentan desolaten Struktur in der Löscheinheit geschuldet. Das Leerräumen des Fahrzeuges hat sich deshalb so lange hinausgezögert.

Im Übrigen fällt dies in die Zuständigkeit des Wehrleiters.” Diesen attackierte Kretschmann: „Dann muss der Wehrleiter eingreifen. Wenn die Leute keine Lust haben, den Wagen auszuräumen. Sonst haben wir demnächst überall bei den Einheiten Fahrzeuge rumstehen.” Mühren verteidigte sich: „Wenn Sie wüssten, wie oft ich in dieser Sache telefoniert habe.” Peter Peters, UFW, bezichtigte Schrammen polternd der „Lüge”, da dieser am 27. März auf Nachfrage gesagt habe, dass sich das Fahrzeug nicht in Reparatur befinde. Der Bürgermeister reagierte: „Mäßigen Sie sich bitte im Ton. Das stimmt so nicht. Was ich tatsächlich gesagt habe, können Sie im Sitzungsprotokoll nachlesen.”

Als die Kontroverse allzu hitzig wurde, platzte Hubert Nießen, CDU, der Kragen: „Das, was die UFW hier betreibt, grenzt schon an politischer Brandstiftung. So kann man nicht mit Menschen umgehen, die ihr Leben für andere einsetzen.” Dafür gab es Applaus von den Besucherreichen.

„Schlechtes Krisenmanagement”

Jörg van den Dolder, Bündnis/Die Grünen, hätte der Debatte wohl auch gerne mit einem Antrag auf „Ende der Debatte” einen Schlusspunkt gesetzt - was die Geschäftsordnung in diesem Fall aber nicht zuließ.

Van den Dolder kritisierte ebenfalls die Informationspolitik und das „Krisenmanagement” des Bürgermeisters: „Es ist nicht gut gelaufen, wenn man sich aus anderen Quellen oder der Zeitung informieren muss.” Vom Bürgermeister, so van den Dolder, hätte er mehr Sensibiltät und Zurückhaltung in der Öffentlichkeit erwartet: „Sie hätten eine Eskalation vermieden.”

Heinz Otten, CDU, fasste seine Erkenntnis aus der Sondersitzung zusammen: „Das hat nichts gebracht für die Wehr, vielleicht ein bisschen gegen den Bürgermeister. Ein Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden hätte ausgereicht. Die Sondersitzung hat nur Geld gekostet.”
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