Lotsen helfen durch den Sprachdschungel

Von: Norbert F. Schuldei
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Berufsbezogene Sprachförderun
Berufsbezogene Sprachförderung beim „Ortsverein Lernen fördern” beinhaltet auch die Sparte Hauswirtschaft. Fotos (2): N. Schuldei Foto: Schuldei

Hückelhoven. Stellen Sie sich vor: Sie fahren mit ihren Lieben mit dem Auto in den Urlaub. Kurz hinter dem Brenner, also jenseits der Alpen, geht gar nix mehr, das Auto hat den Geist aufgegeben. Mit Händen und Füßen machen Sie sich verständlich, ein netter Italiener schleppt Sie zur nächsten Werkstatt.

Da müssen Sie dem Kfz-Mann erklären, wo der Hase im Pfeffer liegt. Was heißt „Einspritzpumpe” auf italienisch, wie erklärt man „Lichtmaschine”? Da sieht man selbst nach zwei Wochen Sonne ziemlich blass aus.

So ähnlich ginge es dem italienischen Kfz-Fachmann, wenn er sich in Deutschland um eine Arbeitsstelle bewerben würde. Er müsste erstmal die Sprache mit den für seinen Job unverzichtbaren Fachausdrücken lernen. Menschen mit Migrationshintergrund werden in Hückelhoven seit kurzem berufsbezogene Sprachförderkurse angeboten. „Wir bieten seit einigen Monaten einen berufsbezogenen Sprachunterricht in den Sparten Metall, Farbe und Hauswirtschaft an”, sagt Anke Claßen.

Erfahrung im Beruf, nicht in der Sprache

Die Juristin ist beim Hückelhovener Ortsverein „Lernen fördern” Projektleiterin des so genannten ESF-BAMF-Programmes, das in der Ex-Zechenstadt im ehemaligen RAG-Bildungszentrum oder im Interkulturellen Zentrum stattfindet. „Manche der uns von den Job-Centers zugewiesenen Migranten bringen Erfahrung in ihrem Beruf mit. Was ihnen fehlt, sind die Fachkenntnisse in deutscher Sprache”, sagt Claßen. Fünfeinhalb Monate dauert der Kurs. Man trifft sich täglich von 8 bis 14 Uhr.

Nun ist es nicht so, dass der Europäischen Sozialfond für Deutschland, die EU und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nur Metall- und Malerberufe, also typische Männerjobs, in dem Projekt finanzieren angelegt wäre. Es gibt den Sprachkurs auch für hauswirtschaftliche Berufe. „Wir wollen bei den Frauen auch die Neugierde an unseren Essgewohnheiten wecken”, sagt Christiane Hubig.

Die Ökotrophologin ist für diesen Bereich der berufsbezogenen Sprachförderung für Personen mit Migrationshintergrund bei den Projektträgern zuständig. „Nicht, weil wir glauben, dass unsere Essgewohnheiten besser als die anderer Länder sind”, ergänzt sie rasch. „Sondern weil die Frauen beim Einkaufen sicherer werden, wenn sie die Dinge, die sie haben wollen, auch benennen können.” Und sich dadurch natürlich wohler in der ihnen fremden Umgebung fühlen. „Denn”, sagt Christiane Hubig, „nur wer sich wohlfühlt, kann Leistung bringen”.

Leistungsgedanken beachten

Selbstredend geht es letztendlich auch darum: Die Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, bei uns ein neues Lebensumfeld suchen, müssen sich den unserer Gesellschaft zugrunde liegenden Leistungsgedanken zu eigen machen. Die Sprache ist dazu ein unerlässliches Werkzeug. Bei der Diakonie ist der Dolmetscherdienst im Kreis Heinsberg angesiedelt.

Die Dolmetscher werden von der Integrationsagentur im Kreis begleitet und in Teamarbeit geschult. „Wir können durch unser Angebot helfen, Brücken zu bauen, damit die Menschen sich am Arbeitsplatz, bei Behörden und Ämtern, bei Ärzten und in den Schulen verständlich machen können”, sagt Ruth Germann von der Migrationsberatung Diakonie im Kreis Heinsberg.

Einen ganz wesentlichen Beitrag dazu leisten auch die Integrationslotsen. Sevin Daban zum Beispiel. Die junge Türkin lebt seit 22 Jahren in Deutschland. „Seit drei Jahren arbeite ich in Hückelhoven ehrenamtlich als Lotsin mit”, sagt sie.

Sie hilft ihren Landsleuten, die neu nach Hückelhoven kommen, wenn irgendwo Probleme auftauchen. Solche, die eigentlich keine sind. Zumindest nicht für Menschen, die mit der Landessprache vertraut sind. „Es macht mir Freude, auf diese Weise etwas an meine Landsleute zurückgeben zu können”, sagt Sevin Daban. Kann Integration gelungener sein?
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