Erkelenz-Gerderath - Löschgruppe in zwei Jahren

Löschgruppe in zwei Jahren

Von: hewi
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Bürgermeister Michael Hanioti
Bürgermeister Michael Haniotis und Brandinspektor Ralf Grzelka bei der Übergabe des Rettungsfahrzeuges aus dem Kreis Heinsberg auf der griechischen Insel Karpathos

Erkelenz-Gerderath. Vor wenigen Wochen haben die beiden Erkelenzer Feuerwehrleute Ralf Grzelka und Christian Lambertz einen voll ausgestatteten Rettungstransportwagen aus dem Kreis Heinsberg auf die griechische Mittelmeerinsel Karpathos gebracht. Der war auf der rund 300 Quadratkilometer großen Insel dringend notwendig.

Der bisherige Rettungswagen stammte aus den 60er-Jahren und hätte höchstens als Filmrequisite noch eine gute Figur gemacht. Ein zweiter aus den 80er-Jahren funktioniere „wie ein Blinklicht”, so Grzelka.

Bislang sind 14 hauptberufliche Feuerwehrleute und die Außenstelle eines Krankenhauses auf Rhodos für die Sicherheit auf der Insel zuständig, auf der der 46-jährige Grzelka seit bald 20 Jahren seinen Urlaub verbringt. Gemeinsam mit seinem Feuerwehrkollegen und Rettungsassistenten Lambertz beschloss er angesichts der für einen Feuerwehrmann unerträglichen Situation, Abhilfe zu leisten.

So war schnell die Idee geboren, für eine moderne Ausrüstung und der dazu gehörenden Schulungen des Personals zu sorgen. Gesagt, getan. Zum „Getan” gehörte eine Reihe von Unterstützern im Kreis Heinsberg, die den Plan erst möglich machten. Einer war Landrat Stephan Pusch, der unbürokratisch einen ausgemusterten Rettungstransportwagen des Kreises zur Verfügung stellte.

Dass der dann die Strecke von Heinsberg bis nach Karpathos auf eigenen Rädern und bepackt mit allerlei nützlicher Ausrüstung schaffte, verdankt Grzelka dem Erkelenzer Autohaus Dreßen, das sich bei den Reparaturen ebenso großzügig wie genügsam zeigte. Im Internet und von Feuerwehrkollegen und Rettungssanitätern erhielten „Onkel Hellas” und „Bello”, wie Grzelka und Lambertz in Feuerwehrkreisen genannt werden, eine moderne Ausrüstung für den Sprinter, die vom mobilen EKG und einem Beatmungsgerät bis zu notfallmedizinischer Ausstattung auf dem neuesten Stand ist.

Den Kollegen von der Inselfeuerwehr packten die beiden noch eine hydraulische Spreizschere dazu, mit der verunglückte Autofahrer aus den Wracks geborgen werden können.

„Ja, wieso? Wir haben die Griechen doch schon mit Geld fast totgeworfen”, könnte man jetzt sagen, würde damit aber das Problem nicht treffen. Denn bei der Bevölkerung lande von dem Geld wenig, betont Grzelka. Davon abgesehen neige man in Hellas dazu, die kleinen Inseln gerne zu vergessen. „Wenn man wartet, dass da etwas passiert, braucht man ein gutes Sitzfleisch”, erklärt der Gerderather, um gleich mit der Idee nachzusetzen.

„Hilfe zur Selbsthilfe” heißt die Formel und das deutsche freiwillige Feuerwehrwesen ist ein Vorbild. Mit einem teuren „Spielzeug” sollte es nicht getan sein. Vielmehr sind der Aufbau einer inselumfassenden Freiwilligen Feuerwehr und eines Rettungswesens das Ziel.

Dazu, so die Idee, bedurfte es einer Initialzündung - in Form des Rettungstransportwagens und einer Notrufnummer, die wie überall in Europa dreistellig ist und „112” lautet. Bisher musste man auf Karpathos im Notfall eine lange und sehr unpraktische Nummer wählen.

Das Problem konnten Grzelka und Lambertz mit Hilfe griechischer Freunde von Deutschland aus regeln. Als sie dann den Wagen in Karpathos ablieferten, zeigte sich der Erfolg ihrer Idee: Das Interesse der Menschen ist groß. Bisher, so Grzelka lägen rund 35 Meldungen für die freiwillige Feuerwehr und den Rettungsdienst vor. Nun müssen sie ausgebildet werden.

Für die Rettungsdienstler hat das Medical Center und für die Feuerwehrleute in spe die dortige Berufsfeuerwehr schon eine Grundausbildung organisiert. Beide Teams werden im Mai von ihren deutschen Kollegen eine Woche lang speziell geschult. Mit sechs Kameraden fliegen außerdem Grzelka und Lambertz nach Karpathos, um weitere Kurse abzuhalten, zum Beispiel in technischer Hilfeleistung und Organisation der Einsätze.

Fernziel ist es, auf der Insel Löschgruppen nach deutschem Vorbild aufzubauen. „In zwei Jahren sollte eine Struktur der freiwilligen Feuerwehr geschaffen sein, die eng mit den Berufskollegen zusammenarbeitet.” Um die Arbeit auf stabile Beine zu stellen, hat Grzelka einen Förderverein gegründet, der den Aufbau vor Ort aktiv unterstützen soll. „Wichtig ist, dass die Menschen es als sinnvolles Hobby betrachten, bei dem sie so viel wie möglich gefördert, aber so wenig wie möglich gefordert werden”, fasst Grzelka die Zielsetzung zusammen.

Und Karpathos macht Schule. Derzeit werde in anderen griechischen Regionen über den Aufbau einer ähnlichen Struktur nachgedacht. Mittlerweile hat Ralf Grzelka den Verein „Karpathoshilfe” gegründet. Zweck des Vereins ist die Förderung des Aufbaus eines umfassenden Rettungswesens auf der Insel Karpathos.

Der Verein unterhält das Spendenkonto 140 007 2185 bei der Kreissparkasse Heinsberg (Bankleitzahl 312 512 20). Informationen findet man unter www.onkelhellas.de und auf der Facebook-Seite „RTW für Karpathos”.
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