Lebenshilfe: Von jedem Euro fließen 45 Cent direkt zurück

Von: disch
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Zu Gast im Betrieb 4 der Leben
Zu Gast im Betrieb 4 der Lebenshilfe-Werkstatt für behinderte Menschen in Erkelenz: Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Medien informierten sich auch vor Ort in der Verpackungsabteilung über die dort erbrachten Dienstleistungen. Foto: Koenigs

Kreis Heinsberg. „Was geschieht da eigentlich in den sozialen Einrichtungen? Sind die Sozialausgaben angemessen eingesetzt? Was wird aus den öffentlichen Mitteln?”

Vor dem Hintergrund solcher Fragen in Zeiten überschuldeter öffentlicher Haushalte hat die Lebenshilfe Heinsberg in einer Studie den „Social Return on Investment” ihrer 1100 Beschäftigte zählenden Werkstatt für behinderte Menschen bestimmen, sprich ihre gesellschaftliche und regionalökonomische Wirkung von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und dem Beratungsunternehmen xit (Nürnberg) analysieren lassen.

Dr. Britta Wagner und Tobias Braun präsentierten Vertretern aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Medien in der Erkelenzer Lebenshilfe-Werkstatt interessante Zahlen.

„Ich habe hier sehr engagierte Menschen erlebt”, sagte Dr. Britta Wagner, die auch vorausschickte, dass in dieser Studie nur monetäre Wirkungsaspekte beleuchtet worden seien. Soziale und psychische Aspekte könnten in einer weiteren Untersuchung folgen, würden doch bei der Betrachtung der Wirkung einer solchen Werkstatt auch Aspekte wie Zufriedenheit und Stolz auf die geleistete Arbeit, soziales Klima und Lebensqualität eine Rolle spielen.

„Nicht jeder Euro ist verbraucht”: So lautete eine der Botschaften. Von ­jedem Euro, den die Lebenshilfe für ihre Werkstatt in Form von Leistungsentgelten, Erstattung von Sozialversicherungsbeiträgen oder als Zuschüsse erhalte, würden 45 Cent an die Gesellschaft direkt zurückfließen: über Sozialversicherungsbeiträge und Steuern. So seien 2010 von rund 23,7 Millionen Euro knapp elf Millionen Euro wieder an die öffentliche Hand gegangen.

Bei der Betrachtung für den einzelnen Beschäftigten kommt die Studie sogar zu dem Ergebnis, dass 65 Prozent der Transferleistungen (zu denen auch Arbeitsförderungs- und Ausbildungsgeld gehören) an die öffentlichen Kassen zurückgegeben werden. Denn die Beschäftigten würden nicht nur Sozialversicherungsbeiträge und Steuern zahlen; auch ein Teil der Grundsicherung sei gegenzurechnen.

Bescheinigt wurde der Lebenshilfe „eine unübersehbare Bedeutung für die öffentlichen Haushalte und die regionale Wirtschaft”: So beschäftigt sie rund 300 Mitarbeiter für pädagogische und fachliche Betreuung. Zudem kauft die Werkstatt selbst Waren und Dienstleistungen im Wert von knapp zwei Millionen Euro ein. Da die Beschäftigten einen Teil der Löhne in der Region ausgeben würden und die gesamte Nachfrage an anderer Stelle auch Arbeitsplätze sichere, hängen nach Ansicht der Experten über 520 reguläre Arbeitsplätze in der Region an der Lebenshilfe-Werkstatt. Die Studie bezifferte die regionale Nachfrage mit insgesamt 6,4 Millionen Euro - plus Einnahmen und Einsparungseffekten für die kommunalen Haushalte in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

Alternativen zum Werkstattplatz (Kosten: 11 850 Euro netto im Jahr) wurden auch skizziert: Würde der behinderte Mensch, statt in der Werkstatt zu arbeiten, zu Hause bleiben, entstünden der Gesellschaft Kosten in Höhe von 9750 Euro - allerdings ohne professionelle Betreuung und Förderung. Deutlich teurer würde es für die öffentlichen Kassen, wenn alle behinderten Mitarbeiter in einer Integrationsfirma beschäftigt würden (13.800 Euro) - was für manche mit einem Mehr an Inklusion verbunden wäre.

Aber können so viele Integrationsfirmen dauerhaft auf dem Markt bestehen? Würden nur die leistungsstärksten Beschäftigten in eine Integrationsfirma wechseln, würden die Kosten im Schnitt für alle auf 10.550 Euro sinken. Doch das teilweise sehr hohe Aufgabenniveau wäre in der Werkstatt nicht mehr zu halten. Fazit: „Der größte Teil der Beschäftigten müsste dadurch auf Inklusionschancen verzichten.”

Die Lebenshilfe-Werkstatt für behinderte Menschen hat vier Betriebe: zwei in Oberbruch (Richard-Wagner-Straße), einen in Heinsberg (Borsigstraße) und einen in Erkelenz an der Brüsseler Allee. Das Auftragsspektrum umfasst im Bereich der Produktion Metallverarbeitung, Montage, Schreinerei, Elektromontage und Werbedruck. Zu den Dienstleistungen gehören Ver­packung, Lettershop, Wäscherei und Landschaftspflege sowie Außen­arbeitsplätze in Unternehmen.
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