Kreis Heinsberg: Zupackend dem Wandel den Weg bereitet

Von: Anna Petra Thomas
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Auf den Kreis und die gelungen
Auf den Kreis und die gelungene Festveranstaltung konnte man getrost ein Gläschen heben: (von links) Gisela Walsken, Dr. Leo Thönnissen, Stephan Pusch, Helmut Preuß und Karl Gruber. Foto: agsb

Heinsberg. Offizielle Feierlichkeiten in Politik und Verwaltung tragen oft schon vorneweg das Etikett, stocksteif und langatmig zu sein. Dass es auch ganz anders geht, hat der Kreis Heinsberg mit dem Festakt zu seinem 40-jährigen Bestehen bewiesen, dem rund 200 Gäste beiwohnten.

„Ohne Kaskaden von Reden”, wie es Landrat Stephan Pusch selbst formulierte, sondern mit einem kurzweiligen, lockeren und sogar streckenweise ganz lustigen Programm.

Das Thema blieb, aber die Form der Darstellung variierte, etwa in Person von Hastenraths Will (Christian Macharski), dem „scharismatischen” Ortsvorsteher von Saeffelen, oder mit Ex-Regierungspräsident Dr. Franz-Josef Antwerpes im launigen Interview mit Rainer Herwartz, Redaktionsleiter unserer Zeitung, der den Festakt moderierte (siehe unten). Da passte auch die ungewöhnliche Form des musikalischen Rahmens ins Programm: Percussion ganz handgemacht oder mit Kochlöffeln, präsentiert von vier Schülern der Kreismusikschule.

Und so hielt dann auch der Landrat in seiner Rede keine Rückschau im eigentlichen Sinne. Vielmehr stellte er eine These auf: „Bewahren heißt weiterentwickeln.” 40 Jahre Kreisgeschichte sei die Geschichte vom Zusammenwachsen zweier ehemaliger Kreise zu einer leistungsfähigen Einheit und eine Geschichte von Strukturwandel und gesellschaftlichen Veränderungen. „Pragmatisch und zupackend, wie es der Grundhaltung der hiesigen Bevölkerung entspricht, wurde die aktive Gestaltung im Rahmen der räumlichen und finanziellen Möglichkeiten angegangen”, blickte er nur kurz auf das Jahr 1972 zurück. Sein Dank ging an alle Kreistagsmitglieder und Führungskräfte der Verwaltung, die diesen Willen zur Weiterentwicklung strikt gehabt hätten. „Ohne diesen geradlinigen und pragmatischen Weg könnte sich der Kreis Heinsberg im 40. Jahr seines Bestehens nicht so selbstbewusst positionieren.”

Er beleuchtete die strukturpolitischen Entwicklungen und die Entwicklung der Verwaltung selbst, die alle Gäste auch in Form eines gedruckten Verwaltungsberichts erhielten. An wenigen Beispielen, etwa der Einrichtung des Bürger-Service-Centers, machte er klar, dass es stets Wille der Verwaltung gewesen sei, für ihre mehr als 250 000 Kreisbewohner da zu sein: „Politik und Verwaltung haben sich in den vergangenen vier Jahrzehnten an dem Möglichen und Machbaren orientiert, dem notwendigen Wandel den Weg geebnet und die Entwicklung unseres Kreises zu unserem heutigen modernen und leistungsfähigen Gebilde begleitet.” Genau dieser Weg werde auch in Zukunft beschritten, schloss er.

„Das ist ein toller Kreis, in dem wir uns hier befinden”, befand dann auch Regierungspräsidentin Gisela Walsken in ihrem Grußwort. Sie sei beeindruckt von dessen Entwicklung, die sie seit zwei Jahren begleite.

Infrastrukturell sei der Kreis mittlerweile gut angebunden, wenn es auch noch offene Baustellen gebe. Hier sei die Welt noch in Ordnung, erklärte sie mit Blick auf die Haushaltssituation, obwohl die Finanzkrise den Kreis Heinsberg mittlerweile ebenfalls erreicht habe, wenn auch unverschuldet.

„Wir werden die Situation hier in den Griff bekommen, weil Sie auf Landeshilfe setzen können”, versprach sie. In den Kommunen selbst gebe es nämlich kaum noch Sparpotenziale, „und wir dürfen die kommunale Selbstverwaltung nicht den Spardiktaten unterordnen!” Wichtig sei vor allem, den Bürgern alle Entscheidungen transparent zu machen und interkommunal zusammenzuarbeiten. Lob fand sie für das bereits funk-tionierende „gute aktive Miteinander”, den „guten Ton” im Kreis Heinsberg und nicht zuletzt für das „unglaubliche Engagement im Bereich Ehrenamt”.

Hastenraths Will , „Ortsvorsteher von Saeffelen”, beleuchtete die Entstehungsgeschichte des 1972 „zwangskonfusionierten” Kreises Heinsberg dann auf seine ganz eigene Weise: „Dat wär ja so, als würd man uns zwingen, mit die Uetterather zusammen Kirmes zu feiern”, stellte er fest und hatte die Herzen des Publikums schon für sich gewonnen. Zusammen mit Dezernent Helmut Preuß habe er die Verwaltung besichtigen dürfen, erzählte er. „883 Menschen sind hier beschäfticht. Wie viele hier arbeiten, dazu jibt et keine verlässlichen Zahlen.”

Lob fand er für den Landrat, „dat dä dä Laden so im Jriff hat.” Amüsant schilderte er seine eigenen Erfahrungen mit der Verwaltung beim Anmelden seines Treckers, beim Abholen des Führerscheins oder beim Ausfüllen von Formularen, wenn er wieder mal Reifen verbrannt habe. Früher sei alles ganz anders gewesen, beim Schlachten zum Beispiel: „Da hat dä Mann vom Amt ne Tüte mit zwei Kilo Panhas jekricht un alles war in Ordnung.”

Alles in allem jedoch, wenn er die Geschichte des Kreises Heinsberg Revue passieren lasse, „kann man hier jut leben, ruhich un friedlich”, resümierte Hastenraths Will.
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