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Kompetenz im Einsatz ist keine „Männersache”

Von: Rainer Herwartz
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Im Führerhaus ist ihr Platz: Sandra Kamp ist die einzige Löschgruppenführerin im Kreis Heinsberg. Und Heinsbergs Wehrleiter Heinz-Willi Jansen bescheinigt ihr die nötige Sachkompetenz. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. An ihrem Schreibtisch im Heinsberger Bauverwaltungs- und Planungsamt wirkt die dunkelhaarige Frau wie eine ganz normale Sachbearbeiterin. Freundlich, adrett. Die Abfallberatung ist hier ihr tägliches Geschäft.

Kaum zu glauben, dass sich mit Sandra Kamp immer dann eine komplette Wandlung vollzieht, wenn in der Stadt die Sirenen heulen. In Windeseile wird aus der Verwaltungsangestellten dann eine in dicke Schutzkleidung gewandete Löschgruppenführerin - und zwar die derzeit Einzige im gesamten Kreis Heinsberg.

Seit neun Jahren ist die Randeratherin nun schon bei der Freiwilligen Feuerwehr. An ihre Anfänge erinnert sie sich noch gut. „Ich suchte einen Ausgleich zu meinem Beruf, in dem ich ja hauptsächlich im Sitzen arbeite. Ich habe einige Kollegen, die auch bei der Feuerwehr sind, und so ist das dann gekommen”, macht die 33-Jährige nicht viel Aufhebens um ihre dennoch außergewöhnliche Freizeitbeschäftigung.

Von den 360 Aktiven der Wehr in Heinsberg sind auch heute insgesamt nur elf Frauen. „Auf dem Feuerwehrfest in Kirchhoven habe ich einfach den damaligen Löschgruppenführer von Horst, Kurt Schröder, angesprochen.” Ohne zu ahnen, dass sie später einmal genau in dessen Fußstapfen im Ort treten würde. Schon am nächsten Tag habe man sich getroffen, Details erörtert und über den Aufnahmeantrag geredet, der dann auch schnell von der jungen Frau unterschrieben wurde.

Von der Feuerwehrfrauanwärterin bis zur heutigen Löschgruppenführerin in Horst war es allerdings noch ein weiter Weg. Acht Grund- und Fachlehrgänge hatte Sandra Kamp zu bestehen, ehe sie zum Gruppenführerlehrgang am Institut der Feuerwehr in Münster zugelassen wurde.

„Mit nur sechs aktiven Wehrleuten ist Horst zwar die kleinste Löschgruppe, sie hat aufgrund ihrer Lage im Stadtgebiet aber viele Einsätze im Vergleich zu anderen Löschgruppen wie zum Beispiel Straeten, Waldenrath oder Scheifendahl”, lobt der Chef der Wehr, Stadtbrandinspektor Heinz-Willi Jansen, die Professionalität der 33-Jährigen. „Sie steht den Männern keinesfalls leistungsmäßig nach. Generell sagen, dass eine Frau körperlich nicht so belastbar wie ein Mann ist, kann man auch nicht”, meint Jansen.

„Wir haben zum Beispiel eine recht zierliche Frau bei uns, die im Atemschutzlehrgang genau so stark ist wie die Männer.” Bei den 22 Einsätzen, die im letzten Jahr im Bereich Horst, Dremmen und Uetterath zu bewältigen waren, fehlte Sandra Kamp denn auch nur ein einziges Mal. Im Ernstfall gebe es in der Tat keine Diskussion, bestätigt die junge Frau. Sie werde von allen Kollegen als Gruppenführer akzeptiert. Obwohl ihre drei Schwestern ihre Leidenschaft für den Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr nicht teilen, gilt dies übrigens auch in der Familie. Vielleicht liegt es ja daran, dass schon der Vater vor vielen Jahren in der Randerather Wehr aktiv war.

„Mein erster Großbrand war ein Wohnhaus in Randerath, zum Glück ohne Verletzte”, erinnert sich die Löschgruppenführerin. Auch zu einem tödlichen Verkehrsunfall, bei dem eine junge Frau ihr Leben ließ, sei sie schon ausgerückt. Daran, dass sie eine Situation überfordern könnte, denkt Sandra Kamp nicht. Vielleicht genau die richtige Einstellung für einen Zugführer - das wäre nämlich der nächste Schritt auf der Karriereleiter bei der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt.
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