Kommunale Netzwerke gegen Kinderarmut in Hückelhoven

Von: Dr. Hans Latour
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Kinderarmut ist auch in der Re
Kinderarmut ist auch in der Region ein Thema. In Hückelhoven fand daher ein Workshop unter dem Titel „Teilhabe ermöglichen - Kommunale Netzwerke gegen Kinderarmut in Hückelhoven” Foto: imago/emil umdorf

Hückelhoven. „Zur Erziehung eines Kindes bedarf es eines ganzen Dorfes”, zitierte Kämmerer Helmut Holländer seine verstorbene Großmutter in seinem Schlusswort beim Workshop „Teilhabe ermöglichen - Kommunale Netzwerke gegen Kinderarmut in Hückelhoven”. Und die Teilnehmerzahl entspreche in etwa der Einwohnerzahl eines kleinen Dorfes.

Caroline Forschelen und Peter Wiese vom städtischen Jugendamt führten die Teilnehmer im evangelischen Gemeindezentrum in der Haagstraße durch das dreistündige Programm. In seiner Begrüßung sagte der stellvertretende Bürgermeister Dieter Geitner, dass Armut kein spezielles Hückelhovener Problem sei, aber eines, das auch zahlreiche Menschen vor Ort betreffe. Als Kommunalpolitiker finde er es gut, dass dieses Problem diskutiert und lösungsorientiert angegangen werde. Es gelte, Zukunft zu gestalten, damit die Kinder Zukunft hätten, ergänzte Pfarrerin Irene Schlawin.

Gut 85 Personen aus Rat und Verwaltung, von Schulen, Kindergärten, Kitas, Parteien, Kirchengemeinden und Moscheevereinen, Caritas und Diakonie, Frauen- und Familienzentren, Jugendeinrichtungen, Pax Christi, dem Eine-Welt-Laden-Verein, der Tafel und der AWO, vom Sport und aus dem Kreistag hörten zunächst zwei Grundsatzreferate. Dr. Kira Funke vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) stellte die jugendpolitische Agenda des LVR-Landesjugendhilfeausschusses vor und nannte grundsätzliche Voraussetzungen und Bedingungen für das kommunale Netzwerk gegen Kinderarmut mit seinen Schwerpunkten wissenschaftliche Begleitung, Fortbildung, Vernetzung innerhalb der Jugendämter und Fachberatung. Als Ziele kommunaler Kinderarmutsprävention formulierte sie vier Punkte: „Orientierung am Leitbild des kindlichen Wohlergehens mit der Förderung aller Kinder und Jugendlichen, kindspezifische Armutsfolgen vermeiden beziehungsweise begrenzen, Schutzfaktoren fördern und Risikofaktoren begrenzen und Sicherung und Gestaltung kindgerechter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen mit dem Aufwachsen in öffentlicher Verantwortung”. Ihr Fazit bezüglich der Finanzierung lautete, „dass die finanziellen Mittel, die der Bekämpfung der Kinderarmut und deren Folgen dienen, nicht als Ausgaben, sondern als Investitionen anzusehen sind”.

Gerda Holz vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik aus Frankfurt am Main ging den Ursachen von Kinderarmut auf den Grund und beschrieb am Ende den Prozess der Netzwerkarbeit. „Armut ist immer zuerst Einkommensarmut, eine Lebenslage, die die Spielräume einschränkt, zu Unterversorgung führt und zu sozialer Ausgrenzung, und sie hat ein spezifisches Kindergesicht.” Sie benannte zentrale Ursachen, wie Erwerbsprobleme und soziale Probleme, zeigte strukturelle Risiken auf und beschrieb die Defizite armer Kinder in vielen Bereichen und Lebenslagen. Kindbezogene Armutsprävention sei ein Konzept, das aus der Perspektive des Kindes angelegt sei und darauf abziele, „armen Kindern jene Entwicklungsbedingungen zu eröffnen, die ihnen ein Aufwachsen im Wohlergehen ermöglichen”.

Nach einer Pause beschäftigten sich fünf Arbeitsgruppen mit den Fragen, wo in Hückelhoven die größten Probleme in Bezug auf das Thema seien, welche Erwartungen es gebe an die Netzwerkarbeit und welche Voraussetzungen existieren müssten, um sich in diese Arbeit einzubringen. Die Ergebnisse der Diskussionen, die sich daraus ergebenden Anregungen und die Inhalte der Referate werden in einer Dokumentation zusammengefasst und im September dem Jugendhilfeausschuss vorgelegt mit dem Ziel, eine Arbeitsgemeinschaft nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz zum Thema „Kinder- und Jugendarmut” zu bilden. Mit diesen Vorgaben sollen dann konzeptionelle und praktische Wege weiter entwickelt werden, um die Situation von in Armut lebenden Kindern in Hückelhoven zu verbessern.
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