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Kolonie der Saatkrähen muss Pappeln verlassen

Von: defi
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Kreis Heinsberg. Der Landschaftsbeirat des Kreises Heinsberg beschäftigte sich in seiner siebten und letzten Sitzung des Jahres mit zwei gewichtigen Tagesordnungspunkten.

TOP 1, die Reaktivierung der Bahnlinie Lindern-Heinsberg, ist beschlossene Sache und soll möglichst umweltverträglich über die Bühne gehen. Der Nahverkehr Rheinland, die West Energie und Verkehr und die Rurtalbahn GmbH beabsichtigen, die 1890 eröffnete und zwölf Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Lindern und Heinsberg zu reaktivieren. Zurzeit wird die Strecke nicht befahren, ist aber grundsätzlich betriebsbereit. Da die verschiedenen Planfeststellungsverfahren bei der Bezirksregierung Köln bearbeitet werden, wurde der Landschaftsbeirat nur um Kenntnisnahme der Planungsabsichten gebeten.

Die Reaktivierung der Bahnstrecke umfasst die Anlage von sieben mehr oder weniger großen Bahnhöfen, die Anpassung von 17 Bahnübergängen und die Elektrifizierung der Bahnstrecke mithilfe von Strommasten. Die Baumaßnahmen sind mit der Versiegelung von Flächen sowie mit Auswirkungen auf das Landschaftsbild verbunden. Die Eingriffe zum Nachteil von Tier und Pflanze einerseits und des Landschaftsbildes auf der anderen Seite werden nach einem schwer zu durchschauenden Punktesystem aufgerechnet. Die Wiederinbetriebnahme der Bahnlinie ist nach Auffassung der Bezirksregierung mehr für das Landschaftsbild als für Fauna und Flora schädlich. Der Biber ist Teil von Fauna und Flora und wird beim Überqueren der Bahntrasse eventuell „platt gefahren”, aber das ist halt dann des Bibers Los.

Um die Eingriffe in das Landschaftsbild auszugleichen, sollen drei Kompensationsmaßnahmen der Landschaftsästhetik durchgeführt werden. Diese Flächen befinden sich im Bereich der Gemarkungen Horst und Porselen in der Nähe der bestehenden Bahntrasse. Im Bereich des Waldgebietes zwischen Dremmen und Grebben werden Pappelbäume gefällt werden, die im Falle eines Sturms auf den Gleiskörper der neu in Betrieb genommenen Bahnlinie fallen könnten. Unter diesen Pappeln befinden sich auch Bäume, die Bestandteil einer Saatkrähenkolonie sind. Der Kreis geht aber davon aus, dass die betroffenen Saatkrähen in umliegendem Baumbestand wieder heimisch werden. Der Landschaftsbeirat nahm die Planungen bei einer Enthaltung zur Kenntnis.

Nicht so weit entfernt von den Saatkrähen betreibt die Firma KLK Kieswerk Laprell Kaphof GmbH & Co. KG im Bereich des Kaphofes nordwestlich von Hückelhoven-Hilfarth eine Nassabgrabung zur Gewinnung von Kies und Sand. Der Regionalplan für den Regierungsbezirk Köln stellt sich dem Wunsch des Unternehmens, seine Nassabgrabung um 85 Hektar zu erweitern, entgegen. Das Unternehmen hat hierzu im September 2010 die entsprechenden Unterlagen beim Kreis Heinsberg als Abgrabungsbehörde eingereicht. Genehmigt und in Abgrabung befindlich sind bislang 60 Hektar. Nur ein geringfügiger Teil der angestrebten Erweiterung um 85 Hektar ist im Regionalplan als „Bereich zur Sicherung und für den Abbau oberflächennaher, nichtenergetischer Rohstoffe” ausgewiesen. Daher wäre für eine Erweiterung der Abgrabung die Änderung des Regionalplans erforderlich. Die Regionalplanungsbehörde in Köln kommt zu der Schlussfolgerung, dass eine Verringerung der verschiedenen hohen ökologischen Risiken nur durch eine weitreichende Reduzierung der Erweiterungsflächen, insbesondere im Bereich der ökologisch besonders sensiblen Bereiche, zu erzielen ist.

Aus diesem Grund entwickelte die Regionalplanungsbehörde eine deutlich reduzierte Erweiterungsvariante mit 35,5 Hektar Größe, die damit 50 Hektar geringer ausfällt als vom Antragsteller beabsichtigt. Diese stark reduzierte Variante wurde vom Regionalrat so beschlossen.

Der Landschaftsbeirat nahm die auch vom Kreis Heinsberg unterstützte abgespeckte Variante zur Kenntnis.
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