Klinik zieht komplett um

Von: Bodo Strickstrock
Letzte Aktualisierung:
umzug
Gelassen ließ sich Lorenz Stroemer, 86-jähriger Patient der Urologie, in einen Krankenstuhl setzen und nach Erkelenz fahren. Er wusste, dass dort pünktlich die Mittagsmahlzeit auf ihn wartete. Foto: Strickstrock

Erkelenz. Für die Einsatzkräfte der Kreisleitstelle Heinsberg unter der Leitung von Thomas Kähler war es nur eine „Arbeitsübung”, die mit 25 Kräften, einer Ärztin, und zwölf Fahrzeugen, darunter sieben Krankenwagen, zügig und ohne Komplikationen abgewickelt wurde.

Immerhin waren am Montag 42 Patienten der Urologie aus dem Krankenhaus in Immerath und ist heute noch einmal die gleiche Anzahl aus der Geriatrie liegend oder sitzend zu transportieren. Für Bruno Mikolajewsi vom Planungsbüro bmiko bedeuten die beiden Tage allerdings nur den Endpunkt einer mehrere Monate dauernden logistischen Planung und Abwicklung.

Während die Hälfte des Fachpersonals der Urologie bereits am Montagmorgen in den neuen Räumen des Hermann-Josef-Krankenhauses „normalen” Dienst versah und dabei auf die Anlieferung der Patienten aus Immerath wartete, versorgten die anderen ihre Patienten zwischen gepackten und beschrifteten Schränken, Nachttischchen und Betten im Haus, das in wenigen Tagen so gut wie leer stehen wird.

Große Möbelwagen mit entsprechendem Personal hatte RWE Power verpflichtet, die Sicherheitsleute der Firma waren auch schon zur Stelle, und alle bezeichneten und mit Hinweisen versehenen Gegenstände wurden nach und nach verladen.

Während nach Auskunft von Kähler der Krankentransport gegen 14 Uhr beendet war, dauerte der Transport des Umzugsgutes bis in die Abendstunden. Deshalb, so der Planungschef, wollte man auch möglichst viel Geräte und Mobiliar schon am ersten Tag nach Erkelenz schaffen. Aber da musste natürlich auch Platz geschaffen werden, denn dort wurden keine Operationen abgesagt, die Verlegung in die Zimmer bedeutete zusätzliche Arbeit für das Pflegepersonal.

Gelassen ließ sich zum Beispiel Lorenz Stroemer, 86-jähriger Patient der Urologie, in einen Krankenstuhl setzen und zu seiner neuen Unterkunft fahren. Er wusste, dass in Erkelenz pünktlich die Mittagsmahlzeit auf ihn wartete.

Der Küchenchef Rudolf Recker-Proprenfer überwachte derweil in der Immerather Küche die Verpflegungsausgabe für die bis zum 31. März noch dort befindlichen Personen, obwohl auch in den Küchenräumen schon eifrig gepackt worden war.

Verwaltungsdirektor Wolfgang Salz pendelte mit seinem Pkw zwischen dem Büro in Erkelenz und der Immerather „Noch-Zweigstelle” und zeigte sich zufrieden über den Ablauf, der nicht nur für die Patienten, sondern auch das gesamte Personal ziemlich stressig war. Schließlich zieht ein so großes Krankenhaus nicht jeden Tag um. Manche Kleinigkeit war zu überlegen, ehe es losging.

Nach Verzögerungen im Ablauf des ersten Tages befragt, meinte der Verwaltungschef augenzwinkernd: „Die erste Patientin heute morgen kam mit sechs Minuten Verspätung in den Krankenwagen. Just als sie auf die Trage gehoben werden sollte, meldete sie noch einmal ,menschliche Bedürfnisse an, die natürlich erst noch erledigt wurden.”

Nicht alle Geräte und Einrichtungsgegenstände werden nach Erkelenz gebracht. 60 Betten und auch Nachtschränkchen werden an zwei Hilfsorganisationen gehen, eine für Osteuropa und eine für Paraguay.

Die Unterlagen aus dem Archiv des Immerather Hauses sind im April für Erkelenz terminiert, die Gebäude in Immerath bleiben von RWE-Sicherheitskräften bewacht, damit sich keine Langfinger Hoffnung machen dürfen.

Wie nannte es der Regierungspräsident bei der offiziellen Übergabe der Neu- und Umbauten in Erkelenz? „Nun ist zusammen, was zusammengehört.” Für die Patienten sicherlich eine wichtige und erfreuliche Veränderung, auch wenn mancher vom Krankenhauspersonal der früheren Immerather Intimität nachtrauern wird. Aber: Die Braunkohlebagger warten nicht.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert