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Kleiner Ort groß im Klimaschutz: das Paradebeispiel Schümm

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Die betretenen Gesichter täus
Die betretenen Gesichter täuschen: Prof. Dr. Isabel Kuperjans vom Institut Nowum der Fachhochschule Aachen zeigte den Ratsvertretern, dass die Gemeinde in Sachen Klimaneutralität auf einem guten Weg ist.

Gangelt. Dass man in der Gemeinde Gangelt auf einem guten Weg ist, energieneutral in die Zukunft zu gehen, wird den rund 11.000 Einwohnern ein gutes Gefühl geben. Einen großen Schritt weiter sind allerdings die knapp 100 Einwohner von Schümm, die in 31 Häusern leben und den drittkleinsten Weiler im Gemeindeverbund bilden.

„Klein anfangen und dann groß rauskommen”, umschrieb Prof. Dr. Isabel Kuperjans vom Institut Nowum der Fachhochschule Aachen das energietechnische Potenzial von Schümm in der jüngsten Ratssitzung der Gemeinde Gangelt. Diesen Ort hatte man sich sicherlich auch deshalb ausgesucht, weil seit dem vergangenen Jahr dort eine Biogasanlage in Betrieb ist, die die Grundlage für verschiedene Rechenbeispiele und Zukunftsperspektiven bietet.

Während der Stromverbrauch in der Gemeinde Gangelt bei 41.500 MWh pro Jahr liegt, benötigt Schümm alleine 260 MWh pro Jahr. An Wärme verbraucht die Gemeinde 85.000 MWh pro Jahr, Schümm ganze 600. Rechnet man den kommunalen Stromverbrauch (Straßenlampen und ähnliches) hinzu, kommt man in Schümm auf 265 MWh pro Jahr. 900 Quadratmeter Photovoltaikfläche findet man in dem kleinen Dorf. Damit werden rund 90 MWh pro Jahr erzeugt, also ein Drittel des Bedarfs.

Um den Ort ausschließlich mit Photovoltaikstrom zu versorgen, wäre eine Fläche von 2300 Quadratmetern vonnöten. Bei einer 20-jährigen Nutzungsdauer könnten so auch noch rund 70 Tonnen CO2 eingespart werden. Der Fels in der Energiebrandung ist aber die Biogasanlage mit einer installierten Leistung von 265 kW. 2011 hat diese Anlage 1900 MWh an Strommenge geliefert und so 715 Prozent des Bedarfs gedeckt. Würde man auch die Wärme über ein entsprechendes Netz in die Häuser bringen, kämen etwa 3000 MWh pro Jahr zusammen, was eine fünffache Überdeckung bei den Wärmekosten bedeuten würde. „Schümm könnte schon heute energieneutral sein und hätte auch noch Platz für ein Windrad”, fasste Isabel Kuperjans zusammen.

Die Abwärme der Biogasanlage Schümm versorgt den kompletten Breberener Grundschulkomplex mit Schwimmbad, Sportheim, Schützenheim und Festhalle. Mindestens 90 Prozent des Wärmebedarfs werden so gedeckt.

Das gleiche Prinzip gilt für den Birgdener Schulkomplex, der seit einigen Monaten von der dortigen Biogasanlage versorgt wird. Ein weiteres Thema waren die Gebäude der Real- und Hauptschule, die im Mittel rund doppelt so hohe Heiz- und Stromkosten haben, wie die Richtwerte es vorgeben.

Die Hauptschule verbraucht zum Heizen rund 110 kWh pro Jahr und Quadratmeter. Hier sieht der Richtwert 57,8 kWh pro Jahr vor. Beim Stromverbrauch sind es 12,3 kWh pro Jahr und Quadratmeter (Richtwert 5,2). Das Gebäude der Realschule ist teilweise neu, teilweise energetisch saniert. An Heizenergie werden 90,9 kWh pro Jahr und Quadratmeter verbraucht (Richtwert 56,2), beim Strom 9,9 kWh pro Jahr und Quadratmeter (4,5).

Ob eine Sanierung oder gar ein Neubau der richtige Weg ist, steht noch in den Sternen. Das Wärmepotenzial durch Solar- und Geothermie sowie die Möglichkeiten der Stromerzeugung durch Photovoltaik und ein Kleinwindrad sind groß. Eine vollständige CO2-Neutralität ist im Bereich des Möglichen. Nicht vergessen dürfe man bei dem „Modellprojekt Schule” die 925 Schüler und 65 Mitarbeiter, die ja unmittelbar in die Maßnahmen eingebunden und für den Klimaschutz ein wunderbarer Multiplikator nach außen seien.

Nach den Sommerferien wird Kuperjans dem Rat die Endfassung des Klimaschutzkonzeptes vorlegen. Dann gilt es auch zu entscheiden, ob die Gemeinde sich einen Klimaschutzmanager leisten wird, der durch Öffentlichkeitsarbeit das Projekt in jeden Haushalt der Gemeinde tragen soll. Dieser Posten soll rund 50.000 Euro im Jahr kosten. Abzüglich einer möglichen Förderung blieben der Gemeinde 22.000 Euro zur Eigenfinanzierung.

Alleine die Wertschöpfung regionaler Firmen wurde auf rund zwei Millionen Euro pro Jahr für die diversen Arbeiten rund um den Klimaschutz beziffert. Und genau bei diesem Firmen will Bürgermeister Bernhard Tholen ansetzen, die 22.000 Euro über Sponsorengelder zu finanzieren.
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