Klares Bekenntnis zum Meisterbrief abgegeben

Von: Anna Petra Thomas
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Kreishandwerksmeister Wilfried Wiesenborn (links) und Dr. Michael Vondenhoff, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, begrüßten die Europaabgeordnete Sabine Verheyen als Festrednerin. Foto: anna
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Die geehrten Sieger der Leistungswettbewerbe der Handwerksjugend: Lukas Prell, Kai Penke, Anne Ziebarth und Daniel Plum (von links). Foto: anna

Kreis Heinsberg. Wie gewohnt meldete sich das Handwerk im Kreis Heinsberg auch bei seinem mittlerweile 19. Frühjahrstreffen in der Heinsberger Stadthalle wieder deutlich zu Wort. Als Vertreter der „Wirtschaftsmacht von nebenan“ begrüßte Kreishandwerksmeister Wilfried Wiesenborn neben Handwerkskollegen auch Vertreter aus der Politik und Verwaltung sowie aus weiteren Kreisen der Wirtschaft.

Immerhin stehe die Kreishandwerkerschaft für mehr als 3200 Handwerksbetriebe mit mehr als 15.000 Mitarbeitern und 1500 Auszubildenden. Schnell nahm Wiesenborn das eigentliche Thema des Treffens in den Blick: die Meisterpflicht in Deutschland. „Die Wirtschaftsmacht von nebenan bangt um ihre Meisterpflicht!“, betonte er. Die europäische Kommission kritisiere, dass viele handwerkliche Gewerbe in Deutschland einen Meisterbrief oder eine gleichwertige Qualifikation erfordern würden. Mehr noch verlange sie Gegenmaßnahmen der Bundesregierung und verspreche sich davon Wachstum und Beschäftigung.

„Doch dies ist ein Irrglaube“, so der Kreishandwerksmeister. Wohin die Abschaffung des Meisterbriefes führe, zeige die Entwicklung im Fliesenlegerhandwerk, wo die Meisterpflicht mit der Novelle der Handwerksordnung 2004 abgeschafft worden sei. Sechs Mal so viele neue Betriebe gebe es allein im Kammerbezirk Aachen, die den Traditionsbetrieben nicht nur das Leben schwer machten, sondern nicht ausbilden würden, bemängelte er.

Der gute Ruf der Europäischen Union leide unter dem Vorhaben, den Meisterbrief aus Deutschland zu verbannen, sagte Wiesenborn direkt an die CDU-Politikerin Sabine Verheyen gewandt, die Mitglied des Europäischen Parlaments ist. „Klären Sie uns bitte auf. Was macht Europa für das Handwerk und den Mittelstand?“, fragte er die Festrednerin des Treffens, die dann sehr ausführlich zu dem ihr vorgegebenen Thema „Europa – Quo vadis Meisterbrief?“ Stellung nahm.

Europa müsse stabil, stark und bürgernah sein, lauteten ihre wesentlichen Forderungen. Zur Stabilität trage das Handwerk mit gut ausgebildeten jungen Menschen bei, zur Stärke mit seiner hohen Qualifikation. Und schließlich müsse nicht jedes Problem, dass in Europa auftauche, auch gleich für ganz Europa einheitlich gelöst werden, appellierte sie an mehr Bürgernähe.

Dass Deutschland mit acht Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote bei Jugendlichen habe, sei ein Verdienst der dualen Ausbildung, stellte sie fest. Dass es beim „Export“ dieses Erfolgsmodells in andere Länder Schwierigkeiten gebe, hänge eng mit dem Meisterbrief zusammen, der ja gerade auch mit den notwendigen arbeitspädagogischen Grundlagen verbunden sei. Dennoch wolle auch sie andere Länder unterstützen, die duale Ausbildung einzuführen. Umgekehrt forderte sie aber auch eine Willkommenskultur für Auszubildende und Facharbeiter aus dem Ausland ein.

„Die CDU/CSU-Gruppe bekennt sich auch im Europäischen Parlament deutlich zur dualen Ausbildung und zum Meisterbrief“, betonte Verheyen. „Sie sind schlicht das Rezept für den Erfolg der deutschen Wirtschaft“, sagte sie den anwesenden Handwerksmeistern, „und zudem die Wachstumslokomotive in Europa.“ Aber auch nationalstaatlich gesehen dürfe es keine weitere Deregulierung wie bei den Fliesenlegern geben. Ansonsten breche in Folge einer „Dequalifizierungsspirale“ die handwerkliche Mitte völlig weg. „Der Meisterbrief ist für mich aus Europa nicht wegzudenken. Er geht für mich mit Europa in die Zukunft!“, schloss sie ihre Rede, die mit viel Applaus bedacht wurde.

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