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Kinder sollen mit Trauer nicht alleine bleiben

Von: hewi
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Hückelhoven-Doveren. Es ist wahrscheinlich das Schlimmste, was Eltern geschehen kann - ein Kind stirbt. Doch nicht nur Eltern sind hiervon zutiefst betroffen. Auch Kinder und Jugendliche leiden oft still unter dem Verlust einer Schwester oder eines Bruders.

Ähnlich verhält es sich für diejenigen, die viel zu früh ihre Eltern verlieren. Seit Ende März leistet die ehrenamtliche Gruppe die „Schatzsucher” Hilfe für trauernde Kinder und Jugendliche. Bei einem Informationsnachmittag auf dem Kühlerhof stellte sie sich nun vor und berichtete über ihr Anliegen und ihre Arbeit.

Am Dienstag, 7. September, startet die Arbeit ab 17 Uhr mit der ersten Gruppe in den Räumen auf dem Kühlerhof. Dort unterhält die Erkelenzer Hermann-Josef-Stiftung ein Schulungszentrum. Die Arbeit der „Schatzsucher” ist eng mit der des Hermann-Josef-Hospizes verbunden, das von Ulrike Clahsen geleitet wird. Ihr Sohn Björn hat die „Schatzsucher” zusammen mit Susanne Hoeren ins Leben gerufen.

„Wenn eine Familie trauert, kommen die Kinder oft zu kurz, weil die Erwachsenen zu sehr in der eigenen Trauer gefangen sind”, beschreibt der Erzieher und Leiter einer Behindertenwohngruppe, Björn Clahsen, die Ausgangslage für ihre Arbeit. Seine Mistreiterin, die examinierte Krankenschwester Susanne Hoeren, koordiniert in Wassenberg die Arbeit des ambulanten Hospizdienstes Regenbogen.

Auch sie kennt das Problem. „Kinder trauern anders”, weiß sie zu berichten. „Sie brauchen lange, um sich an Abschiede und Veränderungen zu gewöhnen” und oftmals komme die Trauer sehr aggressiv zum Vorschein. „Wenn die Kinder dann auffällig werden, ist es oft höchste Eisenbahn.” Während man aber bei einem Psychologen mit Wartezeiten rechnen muss, können die „Schatzsucher” sofort helfen. „Natürlich wissen wir auch, wo unsere Grenzen sind”, so Clahsen. „Dann wird natürlich an einen Psychologen weiterverwiesen.”

Das Begleitangebot ist nicht verpflichtend, denn die Hilfe wird nur angeboten. „Es ist auch gut, wenn ein Kind kommt und sich dann völlig zurückzieht, um erst einmal zu sich zu finden”, erklärt Hoeren.

Die Räume im Schulungszentrum, die der Verein kostenlos nutzen kann, bieten eine Menge Spiel- und Ablenkungsmöglichkeiten, vom Boxsack und der Schaumstoffkeule bis hin zu kreativen Angeboten. In der nächsten Woche beginnt die Arbeit mit der ersten siebenköpfigen Gruppe. Bei der Arbeit legen die Helfer Wert darauf, dass die Kinder einen persönlichen Ansprechpartner haben, der zuhört und sie auch begleitet, wenn es nötig ist. Auch untereinander können sich die Kinder helfen. So sei der Kontakt zu Gleichaltrigen, die die eigenen Ängste und Nöte kennen, sehr hilfreich, ist sich auch Clahsen sicher.

Viele Fragen, die aufkommen, können ganz einfach geklärt werden. So habe ein Kind sich Sorgen gemacht, ob die Oma denn auch bequem liegen würde in ihrem Sarg. Nach einem persönlichen Probeliegen im Beerdigungsinstitut war es überzeugt und um eine Sorge ärmer. Doch es geht nicht immer so einfach, das wissen die beiden. So kam auch eine Mutter zweier Kinder, die wusste, dass sie noch in diesem Jahr sterben wird und nun schon eine Betreuung ihrer Kinder in dieser Abschiedszeit sucht.

Für ihre Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen haben die Betreuer eine Sonderausbildung am Hamburger Institut für Trauerarbeit (ITA) absolviert. Das Hilfsangebot bezieht sich übrigens nicht nur auf Todesfälle, denn auch Umzüge, Wohnortwechsel oder Scheidungen der Eltern können zu schweren Belastungen für Kinder werden. Dann kann es hilfreich sein, wenn man einmal pro Woche die Rückzugsmöglichkeit im Kühlerhof nutzen kann. Denn dann, so das Credo der Ehrenamtler, kann auch mit der Aufarbeitung und Verarbeitung des Verlustes begonnen werden. Wie lange das dauert, hängt ganz vom Kind ab. Zeitliche Grenzen sind nicht gegeben.

Wie das Hospiz sind auch die „Schatzsucher” auf Spenden angewiesen. Denn das Hilfsangebot an die Kinder und Jugendlichen zur Trauerbegleitung ist ehrenamtlich und für die Betroffenen kostenlos. Daher freut man sich über jede Form von Hilfe, denn neben Geld sind auch alte Spielsachen oder persönlicher Einsatz sehr willkommen. „Viele Kinder können immer noch gut abschalten, wenn ihnen vorgelesen wird”, betont Clahsen. Wer diese Arbeit ehrenamtlich übernehmen möchte, kann sich bei den „Schatzsuchern” melden.
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