Kreis Heinsberg - Katholikenrat will mehr „Impulse für soziale Gerechtigkeit”

Katholikenrat will mehr „Impulse für soziale Gerechtigkeit”

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Referent bei der Fachtagung im Erkelenzer Pfarrzentrum: Matthias Möhring-Hesse von der Universität Vechta.

Kreis Heinsberg. „Ihre Aufgabe ist es, die Ergebnisse aus der heutigen Diskussion in die Gemeinschaft der Gemeinden und Verbände zu tragen, sich zu positionieren und uns darüber ein Feedback zu geben.” Dies gab Johannes Eschweiler, Vorstandsmitglied des Katholikenrats für die Region Heinsberg, den Teilnehmern der Fachtagung „Impulse für mehr soziale Gerechtigkeit” im Erkelenzer Pfarrzentrum St. Lambertus mit auf den Weg.

Zu der Dialogveranstaltung unter der Moderation von Eschweiler hatte der Katholikenrat in Kooperation mit Pax Christi und der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) eingeladen.

Zum Hintergrund erklärte der Vorsitzende des Katholikenrates, Lutz Braunöhler, dass die Bischöfliche Kommission „Kirche und Arbeiterschaft” des Bistums Aachen vor einem Jahr das Dialogpapier „Impulse für mehr soziale Gerechtigkeit” veröffentlicht und somit einen diözesanen Konsultationsprozess in Gang gesetzt habe. Leitlinien dabei seien die eigene Positionierung zum gesetzlichen Mindestlohn, zur öffentlich geförderten Beschäftigung und zum Grundeinkommen. Dies mit dem langfristigen Ziel, für mehr soziale Gerechtigkeit, Chancen- und Teilhabegerechtigkeit zu sorgen.

Für die Kirche sei es gut, sich auf die Seite der kleinen Leute, der Arbeitslosen und Armen zu stellen, nachdem sie es in den vergangenen Jahren versäumt habe, ein klares Profil zu zeigen, fuhr Johannes Eschweiler fort. Die katholische Kirche in der Region solle Sprachrohr für die Menschen sein, die sprachlos geworden seien, forderte er. Damit übergab er das Wort an den Referenten, Professor Matthias Möhring-Hesse von der Universität Vechta.

Möhring-Hesse bezog Stellung zu den Leitgedanken des Dialogpapiers und übte grundlegend Kritik daran, dass das Papier zwar forderungsstark, jedoch begründungsschwach sei. Unter anderem gab er zu bedenken, dass nicht nur die Leistungsstarken eine besondere Verantwortung für das Gemeinwohl hätten, sondern dass allen Bürgern gleiche Rechte auf gesellschaftliche Teilhabe zustehen würden. Denn in einer demokratischen Gesellschaft seien alle Bürger gleich. Damit man jedoch gleiche Rechte verwirklichen könne, bräuchte man vergleichbare Lebenslagen und keine Gesellschaft, die politische Gleichheit unterstelle und ökonomische Ungleichheit erlaube.

Weiterhin formulierte Möhring-Hesse, dass die Bürger ein Recht auf ein ausreichendes Einkommen hätten. Seiner Ansicht nach ist Erwerbsarbeit keine Arbeit, sondern ein Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Dies sei ein Zwangs-, Anerkennungs- und Schutzverhältnis, welches das gesamte Leben bestimme. Erwerbstätige Menschen jedoch hätten Vorrang vor den Kapital- und Karriereinteressen, so Möhring-Hesse. Erwerbsarbeit sei konstitutiv mit einem Mindesteinkommen beziehungsweise einem Mindestlohn verbunden, der die Wahrnehmung der demokratischen Bürgerrechte ermögliche. Grundsätzlich gehe es heute darum, wer dieses Mindesteinkommen durchsetze. Seien dies früher die Tarifparteien gewesen, trage heute, bei immer mehr Beschäftigung ohne Tarifbindung, der Staat die Verantwortung.

Anders als das im Dialogpapier formulierte Recht auf ein allgemeines und bedingungsloses Grundeinkommen ohne Einschränkung sprach er zudem von einem bedarfsbezogenen beziehungsweise fallbezogenen typischen Grundeinkommen.
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