Kahlschlag in den Rurauen sorgt für Empörung

Von: Norbert F. Schuldei
Letzte Aktualisierung:
In der Ruraue bei Doverack wur
In der Ruraue bei Doverack wurde eine ganze Reihe von Pappeln gefällt. Weil die Ansammlung rechtlich als „Wald” definiert ist, durften die Bäume umgehauen werden. Naturschützer sehen das anders. Foto: Koenigs

Hückelhoven. Im Landschaftsschutzgebiet Rurauen, bei Doverack zwischen der Rurbrücke und dem Schlickhof, ist eine Reihe von Pappeln gefällt worden. Ist das mit rechten Dingen zugegangen? Oder wurde da sozusagen nach Gutsherrenart vorgegangen? Liegt gar ein Frevel vor?

Professor Dr. Wolfgang Dreßen, der von seinem Haus am Ahrweg einen wunderbaren Blick auf die Rurauen hat und bis Ende März auch die Pappeln beim Blick aus dem Fenster sah, empört sich: „Das Gebiet ist Landschaftsschutzgebiet. Eine Genehmigung zur Fällung der Pappeln hätte nicht erteilt werden dürfen.” Die Bäume waren, so der Professor weiter, „der zentrale Bestandteil des Naturschutzgebietes Ruraue.” Einerseits.

Andererseits: „Die Fällung der Pappeln war mit naturschutzrechtlichen Mitteln leider nicht zu verhindern”, sagt Norbert Dismon von der Unteren Landschaftsbehörde beim Kreis Heinsberg.

„Die Bäume, die dort gefällt worden sind, stehen alle auf privatem Grund”, sagt Dr. Achim Ortmanns, Technischer Beigeordneter der Stadt Hückelhoven. „Die, die noch stehen, die stehen auf städtischen Grund und Boden.” Die Stadt wäscht ihre Hände also in Unschuld. Der Kreis als Untere Landschaftsbehörde hat das Fällen der Pappeln erlaubt und sich dabei auf Paragraf 39 Absatz 5 des Bundesnaturschutzgesetzes bezogen. Danach ist vom 1. März bis 30. September das Fällen von Bäumen im Walde nicht verboten. „Das Verbot bezieht sich lediglich auf Bäume außerhalb des Waldes, Einzelbäume, Baumreihen oder Baumreihen kleinerer Art. Nicht jedoch auf Waldflächen”, sagt Dismon.

Die in der Ruraue stehenden Pappeln als „Wald” zu bezeichnen fällt dem Laien, und das sind in diesem Fall meist Radfahrer oder Spaziergänger, schwer. Für die Landschaftsbehörde allerdings ist entscheidend: „Die betroffenen Pappeln waren entsprechend der forstrechtlichen Definition als Wald anzusehen”, so Norbert Dismon.

Auch er räumt ein, dass zwischen dem subjektiven Empfinden, was ein „Wald” ist, und der rechtlichen Definition eine ziemliche Lücke klafft: „Die Wald-Definition im rechtlichen Sinne ist weiter gezogen als dies gewöhnlicherweise eingeschätzt wird”, sagt Dismon. Lichtungen, Holzlagerplätze, Waldwiesen - alles Wald. Im rechtlichen Sinne.

Hoher Holzpreis

Warum sind die Pappeln überhaupt gefällt worden? Das ist für den Fachmann der Unteren Landschaftsbehörde ziemlich klar: „Wie alle Energiepreise ist auch der Preis für Holz auf einem mehrjährigen Hoch. Die Chinesen kaufen alles”. Pappelholz aus der Ruraue nach Shanghai. Also ist eigentlich alles mit rechten Dingen zugegangen beim Umhauen der Pappeln? „Die Fällung der Pappeln ist rechtlich erst dann zu beanstanden, wenn es binnen zwei Jahren keine Ersatzpflanzungen gibt”, teilt Norbert Dismon Prof. Dr. Walter Dreßen schriftlich mit.

Nistplätze für Krähen

So viel zum floristischen Aspekt der Abholzaktion. Es gibt noch einen weiteren, der die Fauna betrifft. Prof. Dr. Wolfgang Dreßen: „Alle Bäume dienten als Nistplätze für Krähen. Diese Bäume dürfen nicht zwischen März und September gefällt werden”.

Und wieder die Paragrafen: Dreßen bezieht sich auf § 64 des Landschaftsschutzgesetzes. Danach „ist es vom 1. März bis 30. September verboten, Hecken und Gebüsch zu roden, abzuschneiden oder zu zerstören. Außerdem stehen Nist- und Brutstätten der besonders geschützten Arten unter dem Schutz des § 20 Bundesnaturschutzgesetz.” Alle heimischen Vögel zählen zu diesen besonders geschützten Arten. Also auch die Krähen, deren Horste in den Pappeln umgehauen worden sind. „Ich habe mir den Bestand mit dem Unternehmer, der die Bäume gefällt hat, angesehen”, sagt Norbert Dismon. „Von den gefällten Bäumen war in keinem ein Krähenhorst.” Die Pappeln mit Horsten seien allesamt auf den noch stehenden Bäumen der benachbarten Parzelle zu finden. Die aber stehen noch. Auf städtischem Grund und Boden.

Als hätten es die Krähen geahnt, als sie ihre Nistplätze bauten...
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert