Jugendmusikschule Heinsberg nutzt wegweisende Rostocker Musikerstühle

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Prof. Johannes Plath (links) À
Prof. Johannes Plath (links) überreicht Musikschulleiter Theo Krings die ersten Musikerstühle mit dem Namen „augEngel”. Celloschülerin Hannah Heinrichs probiert sie gleich aus. Der originale Yacht-Festmacher von der Ostseeküste dient als symbolische Ermutigung, mit Stabilität und Flexibilität die richtige Position zu halten.

Heinsberg. Auf die Haltung kommt es an. Diese Erkenntnis gilt wohl für die meisten Bereiche des Lebens, ganz besonders aber für das Musizieren. Neben der inneren Haltung und Disziplin ist vor allem die richtige Körperhaltung eine wesentliche Voraussetzung für gute Ergebnisse.

Die optimale Haltung wird an der Heinsberger Jugendmusikschule jetzt nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen gefördert. Pünktlich zum Schuljahresbeginn können hier spezielle Musikerstühle eingesetzt werden, die im Rahmen eines an der Hochschule für Musik und Theater Rostok in Kooperation mit dem Institut für Präventivmedizin der Universität Rostock durchgeführten Forschungsprojektes entwickelt wurden.

Persönlich reiste der Leiter des Projektes, Prof. Dr. Johannes Plath, jetzt aus Stralsund nach Heinsberg an, um zur Übergabe der Stühle auch nähere Erläuterungen zu deren optimaler Nutzung und zum Thema Körperhaltung und Musizieren im Sitzen zu geben. Die Jugendmusikschule ist damit die bundesweit erste Musikschule, an der die wegweisende Rostocker Entwicklung zum Einsatz kommt.

„Das Musizieren stellt besondere Anforderungen an den gesamten Bewegungsapparat”, erläutert Musikschulleiter Theo Krings. „Eine dynamische Körperhaltung bildet die Basis jeder instrumentalen Spieltechnik, ebenso für die Atemtechnik bei Blasinstrumenten und beim Singen.” Ein guter Stuhl sollte daher nicht nur Fehlhaltungen und Erschöpfungszustände vermeiden helfen, sondern von sich aus beim Erlernen und Beibehalten einer gesunden und funktionalen Haltung unterstützen. Herkömmliche Stühle seien für diese Aufgabe nur sehr unvollkommen konstruiert. Die Folgen reichten vom Verlust der Spielhaltung und wiederkehrenden Erschöpfungszuständen bis zu Konzentrationsdefiziten und Verschleißerscheinungen. „Die Bedeutung dieses Problembereichs gerade in der Musikschularbeit wird auch dadurch noch einmal unterstrichen, dass Haltungsschäden und durch Fehlhaltungen verursachte Beschwerden heute schon bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger ein Problem darstellen.”

In einem Bericht über eine medizinische Fachtagung zur Physiologie des Musizierens und zu Gesundheitsproblemen bei Musikern war Krings auf das 2007 in Rostock durchgeführte Forschungsprojekt und die daraus resultierende Neuentwicklung gestoßen. Die Kontaktaufnahme zu Prof. Plath zeigte schnell, dass der „augEngel” getaufte Stuhl zwar inzwischen patentiert und mit großem Erfolg an der Rostocker Hochschule für Musik und Theater im Einsatz, aber auf dem Markt noch nicht erhältlich war. Natürlich war die Neugierde in Heinsberg trotzdem riesig, über die Lektüre der Fachberichte hinaus den Stuhl selbst auszuprobieren. Für einen ausführlichen Praxistest gelangten schließlich einige Stühle aus dem Bestand der Hochschule an die Jugendmusikschule. „Der Stuhl ist genau das, was wir immer gesucht haben: ergonomisch optimal und trotzdem technisch unkompliziert und voll alltagstauglich. Robust aber nicht zu schwer, leicht stapelbar und aus hochwertigen Materialien mit einem wirklich ansprechenden Design - für unsere Zwecke einfach perfekt”, beschreibt Krings die begeisterten Reaktionen seines Kollegiums.

Nach der so positiven Rückmeldung erklärte Prof. Plath sich schließlich bereit, für Heinsberg eine erste Charge des Stuhls in drei unterschiedlichen Größen produzieren zu lassen. Neben der großen Freude an der Jugendmusikschule hat dies auch an anderen Musikschulen schon reges Interesse ausgelöst. Einige haben sich bereits zum Probesitzen angekündigt.
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