Jugendforscher zu Gast im Forum der Betty-Reis-Gesamtschule

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Prof. Dr. Klaus Hurrelmann (Mitte) im Gespräch mit Lothar Salentin (l.), Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heinsberg, und Heinrich Spiegel, Sprecher des Pädagogischen Beirats der Kreissparkasse. Foto: Wolters

Kreis Heinsberg. „Jungen als Bildungsverlierer?” Es war eine provokative Frage, auf die Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Experte für Sozial- und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bielefeld, rund 300 Zuhörern im Forum der Betty-Reis-Gesamtschule in Wassenberg eine Antwort bot.

Eingeladen zu dieser Veranstaltung, die für Lehr- und Erziehungskräfte ebenso wie für Eltern und Schüler gedacht war, hatte der Pädagogische Beirat der Kreissparkasse Heinsberg, deren Sprecher Heinrich Spiegel ist, zugleich Leiter der Wassenberger Gesamtschule.

Spiegel begrüßte den Referenten, der mehrere Bücher zur Bildungsforschung veröffentlicht und unter anderem die Shell-Jugend-Studien der Jahre 2002 und 2006 geleitet hat, als den „bekanntesten Jugendforscher der Bundesrepublik Deutschland”. In den Pädagogik-Kursen der Schulen seien seine Schriften zur Standard-Lektüre geworden.

„Eine bemerkenswert schöne Schule, lebendige Räume mit Campus-Atmosphäre, die mir sehr gut gefallen hat”, zog Hurrelmann zunächst ein positives Fazit aus dem vorangegangenen Rundgang durch die Schule. „Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass man sich über ein solches Thema unterhalten müsse”, stieg er dann rhetorisch fragend in die Materie ein, präsentierte zunächst einiges an Statistik, gefolgt von Erklärungsansätzen aus den USA und aus Großbritannien sowie abschließend Empfehlungen für eine aus seiner Sicht jetzt schnell notwendige Förderung von Jungen und Männern.

Seit 20 Jahren schon seien Frauen dabei, ihre Position zu verbessern, „auf leisen Sohlen”, so Hurrelmann, „und sie fangen jetzt auch an, die Berufsausbildung zu erobern”, Männer würden dagegen stagnieren „und fallen sogar zurück”. Dass dabei die Bildung sehr stark von der sozialen Herkunft abhängig sei, sei ärgerlich. „Aber Mädchen kümmern sich nicht so stark darum wie Jungen.”

Zurzeit gebe es noch sehr wenige Untersuchungen, die diesen Trend erklären würden, fuhr er fort. Frauen würden im Sinne der Abschätzung von Kosten und Nutzen gezielt in die Möglichkeiten des Aufstiegs über Bildung investieren und dabei ein sehr flexibles Rollenbild zeigen, erläuterte er eine amerikanische Studie. Demgegenüber erkläre ein britische Studie den Trend mit dem Vorbildcharakter von Pädagogen, von denen nun mal der überwiegende Teil heute Frauen seien.

Beide Erklärungen hätten ihre Stärken, aber auch ihre Schwächen, resümierte Hurrelmann. Wichtig sei, jetzt in eine Förderung von Jungen und Männern einzusteigen. Jungen müssten dabei vor allem zunächst mit dem gewürdigt werden, was sie mitbrächten. „Wir müssen sie erstmal annehmen so, wie sie sind”, betonte er. Denn während Frauen eine eher an Harmonie orientierte Lebensführung hätten, seien Männer immer noch die Jäger.

Zum Abschluss seines etwa einstündigen Vortrags formulierte er zehn Ziele, zu denen er dann mit seinen Zuhörern noch für eine halbe Stunde in eine Diskussion einstieg, die Spiegel moderierte. Sie reichten von der Forderung, dass die Motivation zur Leistung männlich umdefiniert werden müsse bis hin zum Gedanken an eine Männerquote in Bildungsinstitutionen. „Das Thema ist ernster, als man vielleicht bisher vermutet hat”, erklärte Spiegel in diesem Rahmen.

Als „beeindruckend” und „überzeugend” wertete KSK-Chef Lothar Salentin in seinen abschließenden Worten die Ausführungen von Hurrelmann.
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