Heinsberg-Oberbruch/Karken - Jubel und Begeisterung in der Festhalle

Jubel und Begeisterung in der Festhalle

Von: sche
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Heinsberg-Oberbruch/Karken. Was soll man an unseren holländischen Nachbarn mehr bewundern, ihr künstlerisches Können oder die Kaltschnäuzigkeit, mit der sie es vortragen?

Mit einem gesunden Selbstvertrauen ist man überhaupt erst in er Lage zu zeigen, was man kann. Die 28-jährige Maartje-Maria den Heerder war der unbestrittene Star des inzwischen 14. Neujahrskonzert, das vom Instrumentalverein Karken zusammen mit dem „großen Bruder”, Concordia Melick, in der Festhalle veranstaltet wurde und Jubel der Begeisterung auslöste.

Die Cellistin spielte zusammen mit einem aus der Concordia gebildeten 20-köpfigen Kammerorchester das Heinrich Schiff gewidmete fünfsätzige Cellokonert für Blasorchester von dem vor zehn Jahren verstorbenen Friedrich Gulda.

Sowohl Solisten wie Orchester durchbrachen dabei die Grenzen zur absoluten Professionalität. Wenn es im Laufe der Jahre beim „Überraschungsei” der Melicker noch eine Steigerung gab, dann war es dieses Gulda-Konzert, das zwar weniger tierisch ernst konzipiert war und zwischen den Stilen und Kategorien unbekümmert hin- und hersprang, sozusagen vom Pop bis zur Musi, aber an die Solistin allerhöchste Anforderungen stellte, die sich nur mit reiner Fingerakrobatik bewerkstelligen ließen. Dabei erstarb ihr nie das nonchalante Lächeln.

Die Niederländerin ist sicher eine Ausnahmeerscheinung. Unter den ohnehin dünngesäten Cellisten ist sie ein „phantastisches, bombastisches Talent” aus einer 13-köpfigen Kinderschar, wie es der Karkener Vorsitzende Manfred Kamps beschrieb. Was sie kann, haben ihre viele Auftritte und Preise gezeigt.

Man darf jetzt schon gespannt sein, was die Melicker nächstes Mal für eine Überraschung präsentieren. Schließlich feiert Karken sein hundertjähriges Bestehen und das nächste Nieuwjaarsconzert ist das 15.

Die drei weiteren Stücke der 110-köpfigen Melicker Harmonie, die sich beim letzten Welt-Music-Concours, WMC, in Kerkrade die Bestätigung holte, bester niederländischer Champion zu sein, waren ebenfalls schwerstkalibrig.

Die Opern-Overtüre „Zampa” von dem Franzosen Herold, mit der sich der Haarener Dirigent Wil van der Beek die Weihen eines Klasse-Arrangeurs holte, „The Valencan Widow” aus dem Jahre 1940 nach dem Spanier Lope de Vega, mit dem Aram Khachaturian nicht nur für spektakuläres Säbelgerassel sorgte, und schließlich der schmusige trendige „Riverdance” von Bill Whelan, der immer noch nicht aus den Schlagzeilen herauskommt.

Am Pult der Melicker stand Theo Wolters, der jüngste Bruder von Veteran Harry Wolters, der ein gefragter Jet-Set-Dirigent ist und trotzdem die Beziehungen zu seinem Heimatverein nicht einfriert. Inzwischen ist er auch zu Concertgebow-Ehren gekommen.

Mit ausgeklügelter Technik, schwindelerregenden Tempi, erlesener Musikalität und Finesse steuert er das Schlachtschiff, als sei es eine schnittige Yacht durch noch so widerwärtige Gewässer - eine Leistung, die schon in Kerkrade für weltweites Aufsehen sorgte.

Trotz aller Bemühungen, größten Probefleißes, Anstrengung, Fortschritts, und was der Tugenden mehr sind, da konnte Karken nicht mithalten.

An die Rolle der „Zweitbesten” haben sie sich längst gewöhnt. Dabei hatten auch sie so einiges im Köcher. Wenn man an die Alterszusammensetzung der gut besetzten Festhalle denkt, dürfen sie bei den Jüngeren mit „Lord Tullamore” und vor allem mit dem Mix-Latino-Pop der Kubanerin Gloria Estafette am treffsichersten gewesen sein, während sie mit den Donauwellen und den Ungarischen Tänzen generell genau das trafen, was man sich unter einem Neujahrskonzert vorstellt, für dessen „illustrative” Moderation Toni Görtz sorgte.
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