Kreis Heinsberg - Jörg Böckem: „Sucht ist individuell”

Jörg Böckem: „Sucht ist individuell”

Von: hewi
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Kommt zum Euregionalen Präventionstag am kommenden Dienstag nach Heinsberg: Jörg Böckem, Journalist, Autor und Ex-Junkie.

Kreis Heinsberg. Journalist und Autor Jörg Böckem - am kommenden Dienstag, 30. November, im Rahmen des Euregionalen Präventionstages zu Gast in Heinsberg - befasst sich in seinen Büchern mit der Drogensucht und ihren Folgen.

Sein erstes Buch „Lass mich die Nacht überleben” verschaffte dem in Hamburg lebenden Böckem, der aus dem Erkelenzer Land stammt, eine bundesweite Bekanntheit. Unverblümt schildert er darin seinen Weg vom Gerderather Dorfkiffer zum Junkie und sein Doppelleben als Journalist des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel” und Drogensüchtiger, der bis zu seiner letzten und erfolgreichen Therapie immer auf der Suche war nach dem nächsten Schuss.

Sein zweites Buch „Danach war alles anders” richtet den Fokus auf Menschen, die ihm ihre Lebensgeschichten mit Drogen erzählt hatten, darunter auch Angehörige und Hinterbliebene von Süchtigen.

Das dritte Buch - mit dem Titel „Freitags Gift” - thematisiert seine Hepatitis-Therapie. Die Infektion hatte er sich in seiner aktiven Zeit als Drogensüchtiger eingehandelt.

Die Geschichte seines Entzugs zog sich über rund zehn Jahre. Er brauchte drei Therapien und mehr als ein Dutzend stationäre Entzüge, ehe er 2001 die Kurve bekam. Seitdem lebt er ohne Drogen. Die ersten Therapien, nach denen er jeweils einige Jahre clean war, betrachtet er rückblickend nicht als vergeblich. Vielmehr seien sie Stationen auf einem Weg gewesen, der letztendlich zum Erfolg geführt habe. „Es ist ein Prozess, bei dem es darauf ankommt, dass man etwas ändern will”, ist er sich sicher. Aufgrund seiner Erfahrungen hält Böckem nichts davon, den Begriff des „Erfolgs” zu eng zu stecken. Ein Erfolg könne schon sein, dass man während der Therapie clean lebe und neue Erfahrungen machen könne. „Wichtig ist es, neue Entwürfe für sein Leben zu entwickeln und zu erleben.”

Vor seiner zweiten Therapie 1996 hatte er versucht, es alleine zu schaffen. So nutzte er unter anderem eine Reportage über Beduinen und ihre Wanderung durch die Wüste als Entzugsmöglichkeit. „Das war der schlimmste Entzug, den ich je gemacht habe”, erinnert er sich. Doch zurück in Hamburg, begann der Teufelskreis schon nach wenigen Tagen erneut. Auch nach der zweiten Therapie war er rund zwei Jahre clean, bevor er wieder zum Heroin griff. Ausschlaggebend für die dritte Therapie war schließlich die Erkenntnis, kein halbes Jahr mehr zu überleben, wenn er nicht handeln würde.

Er hatte ständig Angst, seinen Beruf nicht mehr ausüben zu können, was ein Abrutschen nur beschleunigt hätte - kein Geld, keine Drogen. Dazu kamen traumatische Erlebnisse, die in direktem Zusammenhang mit dem Heroin standen. Sein bisschen Leben schien ihm endgültig durch die Finger zu gleiten. „Ich hatte mich krampfhaft an mein Restleben geklammert, das ich noch hatte.” Als ihm drohte, auch dies zu verlieren, begann er seine dritte Therapie, die er 2001 beendete.

Laut Statistik gilt er nach zehn Jahren als erfolgreich therapiert. Allerdings seien Statistiken in diesem Bereich relativ zu sehen, denn: „Sucht ist individuell”. Und ebenso die Möglichkeit eines Rückschlags.

Böckem ist sich heute sicher, dass sein letztendlicher Erfolg aus der Summe der Erfahrungen herrührte, die er im Laufe der langen Zeit mit Therapien, Rückfällen und dem Leben dazwischen sammeln konnte.

„Sucht kennt keine Grenzen”

Der Euregionale Präventionstag mit dem Motto „Sucht kennt keine Grenzen” am kommenden Dienstag, 30. November, in der Begegnungsstätte (Stadthalle) in Heinsberg an der Apfelstraße steht unter der Schirmherrschaft der Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens.

Die Veranstaltung des Arbeitskreises Suchtprophylaxe - als Medienpartner begleitet vom Zeitungsverlag Aachen - beginnt um 19 Uhr mit einer offenen Präsentation und Informationsbörse aller im Kreis tätigen Institutionen und Selbsthilfegruppen, die Hilfestellung für Betroffene und Angehörige zum Thema Sucht anbieten. Ab 19.30 Uhr steht - nach Grußworten von Bürgermeister Wolfgang Dieder, Landrat Stephan Pusch und Staatssekretärin Marlis Bredehorst - die Lesung des Autors, Journalisten und Ex-Junkies Jörg Böckem aus seinem Buch „Lass mich die Nacht überleben” im Mittelpunkt. Anschließend folgt eine Podiumsdiskussion, moderiert von Regionalredakteur Dieter Schuhmachers.

Im Rahmen des Euregionalen Präventionstag wird es am Dienstag, 30. November, bereits um 10 Uhr in der Heinsberger Begegnungsstätte für Schüler die Möglichkeit zum Besuch einer Lesung sowie zum Austausch mit Autor Jörg Böckem geben. Lehrkräfte konnten ihre Klassen der Jahrgangsstufe 9 und 10 sowie der Oberstufe zum Besuch dieser Lesung anmelden. 240 Schülerinnen und Schüler werden zu dieser Veranstaltung erwartet.
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