Kreis Heinsberg - Jedes siebte Kind ist auf Hilfe angewiesen

Jedes siebte Kind ist auf Hilfe angewiesen

Von: disch
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Kinderarmut
Im Kreis Heinsberg gibt es - mit Stand vom Juni des vergangenen Jahres - exakt 5457 Hilfebedürftige im Alter unter 15 Jahre. Dies entspricht einem Anteil von 14,5 Prozent an dieser Bevölkerungsgruppe. Damit ist also jedes siebte Kind betroffen. Foto: dpa

Kreis Heinsberg. Im Kreis Heinsberg gibt es - mit Stand vom Juni des vergangenen Jahres - exakt 5457 Hilfebedürftige im Alter unter 15 Jahre. Dies entspricht einem Anteil von 14,5 Prozent an dieser Bevölkerungsgruppe. Damit ist also jedes siebte Kind betroffen.

Dies geht aus dem Armutsbericht für den Kreis Heinsberg hervor, der in einer gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales und des Jugendhilfeausschusses präsentiert wurde. Mit Blick auf die Entwicklung in den vergangenen Jahren war zunächst ein Rückgang in der Zahl der Hilfebedürftigen unter 15 Jahre (von 6341 im Jahr 2006 über 6108 in 2007 und 5851 in 2008 auf 5066 in 2009) festzustellen, ehe die Zahl 2010 wieder auf 5457 anstieg. Prozentual betrachtet, war im Lauf der Jahre der Wert von 15,1 Prozent in 2006 auf 13,2 Prozent in 2009 gesunken, ehe er 2010 wieder 14,5 Prozent betrug.

Kennziffern

Mit den Kennziffern für den Kreis transportierte Wolf Krämer-Mandeau von der Projektgruppe Bildung und Region (Bonn) Botschaften: Die Bevölkerung arbeite weniger (Erwerbstätigenquote: 47 im Kreis, 51 in NRW) und kürzer (Erwerbstätige zwischen 55 und 65 Jahre: 31 im Kreis, 36 in NRW). Die Bevölkerung sei weniger hoch qualifiziert (Anteil Hochqualifizierter am Arbeitsort: 6 im Kreis, 10 in NRW). Die Steuereinnahmen seien geringer (Steuereinnahmen pro Einwohner: 697 Euro im Kreis, 1045 Euro in NRW). Der Ausländeranteil liege mit 10,0 Prozent fast im Landesschnitt (10,5 ), wobei die Gemeinde Selfkant mit 31,5 Prozent aufgrund des hohen Anteils von Niederländern herausrage.

Die Bevölkerung sei jünger (Durchschnittsalter: 42,4 Jahre im Kreis, 43,1 Jahre in NRW). Es gebe mehr Haushalte mit Kindern (38,5 im Kreis, 30,3 in NRW). Das Einkommen sei relativ hoch (Haushalte mit geringem Einkommen: 12,2 im Kreis, 13,6 in NRW; Haushalte mit hohem Einkommen: 17,6 im Kreis, 15,8 in NRW). „Alleinerziehung und Kinder sind große Armutsrisiken”, erklärte Krämer-Mandeau unter Verweis auf überregionale Zahlen. Und: „Bildung schadet nicht”, sagte er unter Hinweis auf Schulabschlüsse und Armutsquoten.

Die Altersarmut liegt im Kreis bei 2,3 Prozent; landesweit bei 3,0 Prozent. Für Gangelt (3,4 ) wurde der höchste Wert angegeben, für Selfkant (1,4 ) der niedrigste.

Zu der von ihm selbst aufgeworfenen Frage, wo sich Probleme häufen würden, lenkte Krämer-Mandeau den Blick immer wieder auf Übach-Palenberg: ob beim Arbeitslosenanteil, bei der Kinderarmut oder auch bei der sogenannten SGB-II-Quote (Leistungsempfänger nach Sozialgesetzbuch II). Und 29 Prozent aller im Kreis geleisteten Hilfe zum Lebensunterhalt werde in Übach-Palenberg ausgezahlt - bei rund zehn Prozent Anteil an der Kreis-Bevölkerung. Die Bruttoausgaben für Sozialhilfe sind im Kreis deutlich gestiegen.

Krämer-Mandeau berichtete von zunehmenden Firmeninsolvenzen und zunehmenden Insolvenzberatungen für Privatleute, wobei die Gründe für Überschuldung vielfältig seien. 75 Prozent der Betroffenen hätten mehr als zehn Gläubiger.

Der Anteil arbeitsloser Menschen an der Kreis-Bevölkerung insgesamt wurde mit fünf Prozent beziffert, wobei Frauen proportional zur Beschäftigung stärker von Arbeitslosigkeit betroffen seien. Jeder fünfte Arbeitslose sei ein Ausländer. Der Anteil der unter 25-Jährigen an der Zahl der Arbeitslosen liege bei elf Prozent, der Anteil der über 55-Jährigen bei zwölf Prozent.

Das Lohn- und Gehaltsniveau in Deutschland sinke, so Krämer-Mandeau. „Auch das könnte ein Faktor für Armut sein.”

Handlungsempfehlungen

„Armutsprävention ist eine Querschnittsaufgabe”, so Krämer-Mandeau. Bei seinen vielfältigen Handlungsempfehlungen steht die Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr an erster Stelle - aber Kinderbetreuung brauche auch qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher. Erwerbstätigkeit sei der beste Schutz gegen Armut. Und Kinderbetreuung ermögliche Erwerbstätigkeit. Auch Migrantenkinder sollten früh in Kindertagesstätten kommen. Krämer-Mandeau könnte sich grundsätzlich eine Beitragsfreiheit in Kitas - wie in Rheinland-Pfalz - vorstellen.

„Arme Kinder haben arme Eltern”, formulierte Krämer-Mandeau. Deshalb müssten Eltern unterstützt und gefördert und in Arbeit gebracht werden. Frauen müssten erwerbstätig sein können, „damit die Familie finanziell abgesichert ist - auch im Rentenalter”. Chancengerechtigkeit in der Bildung verband Krämer-Mandeau vor allem auch mit der Ganztagsschule. Jungen- und Migrantenförderung waren ebenfalls wichtige Stichworte, wobei die Mädchenunterstützung wie bisher weiterlaufen solle.

Krämer-Mandeau plädierte dafür, die Ressourcen dorthin zu lenken, wo der Handlungsbedarf am größten sei. Wobei generell gelte: Hilfsangebote sollten vernetzt, transparent und leicht zugänglich sein. Die Definition eines Prädikats „Soziale Gemeinde” oder „Soziale Stadt” regte er an. Eigenressourcen und Selbsthilfefähigkeit müssten gestärkt, Teilhabe für Zugewanderte und ältere Menschen ermöglicht, neue Initiativen und Formen für das Ehrenamt gefunden werden.

Einstellen müssten sich die Kommunen auf eine zunehmende Zahl von Senioren ohne großen finanzielle Ressourcen und insbesondere auf ausländische Senioren mit knappen Ressourcen und anderen Essens- und Geselligkeitsvorstellungen. Krämer-Mandeau: „Kommunalpolitik muss sich auf nachhaltige Förderung einer generationenübergreifenden Solidarität ausrichten.”
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