Radarfallen Blitzen Freisteller

Interview mit Ronnie Goertz: Sportpolitischer Dialog auf Augenhöhe

Letzte Aktualisierung:
7475608.jpg
Der „Sculp“: Akrobatikperformance ist bei der (ausverkauften) KSB-Sportgala an diesem Samstag in Geilenkirchen-Würm als Showact angesagt. Erfolgreiche Sportler und verdiente Ehrenamtler werden bei der Gala geehrt.
7471365.jpg
Ronnie Goertz steht als Vorsitzender an der Spitze des Kreissportbundes Heinsberg. Foto: Koenigs

Kreis Heinsberg. An diesem Samstag ist es wieder so weit: Der Kreissportbund Heinsberg veranstaltet die große KSB-Sportgala, diesmal in der Bürgerhalle von Geilenkirchen-Würm. Im Vorfeld der (seit Wochen ausverkauften) Veranstaltung beantwortete Ronnie Goertz, Vorsitzender vom Kreissportbund Heinsberg, Fragen von Dieter Schuhmachers.

Bei der KSB-Sportgala wird zurückgeblickt auf das vergangene Jahr. Wie ist 2013 aus Sicht des Kreissportbundes gelaufen?

Goertz: Für den Kreissportbund ist das Jahr 2013 sehr positiv verlaufen. Wir konnten mit Margit und Mathias Vonderbank zwei zusätzliche Fachkräfte für die Umsetzung der Programme „Bewegt gesund bleiben“ und „Bewegt älter werden“ einstellen. Dieser Schritt hat für eine weitere positive Belebung unserer Aktivitäten gesorgt, was sich zum Beispiel in 672 Teilnehmern bei unseren Qualifizierungsangeboten widerspiegelt. Auch wirtschaftlich ist das vergangene Jahr positiv verlaufen, was uns in die Lage versetzt hat, unsere Personalstärke zum Jahresbeginn weiter auszubauen.

Die Gala erlebt bereits ihre vierte Auflage. Da sind die Ehrung herausragender Sportler und die Würdigung des Ehrenamtes, dazu ein buntes Showprogramm und nicht zu vergessen das Menü. Was macht für Sie den besonderen Reiz dieser Veranstaltung aus?

Goertz: Da ich ja weiß, was auf der Menükarte steht, habe ich da schon eine gewisse Vorfreude auf den Abend. Aber das Menü steht ja nicht im Mittelpunkt. Ich persönlich finde es toll, wenn jedes Jahr neue Gesichter unter den Nominierten auftauchen und neue Sportlerinnen und Sportler das Podest erklimmen. Für die Sportlerinnen und Sportler und Ehrenamtlichen selbst sind es ein toller Rahmen und eine tolle Bühne, ganz unabhängig davon, ob man zu den Preisträgern gehört oder nicht. Klar ist es etwas ganz Besonderes, wenn man dann auch auf der Bühne ausgezeichnet wird. Ich durfte das im letzten Jahr durch die für mich überraschende Auszeichnung selbst erfahren. Es war ein sehr besonderer Moment, an den ich mich gerne zurückerinnere.

Der Kreissportbund und die Sportverbände auf Ebene der Städte und Gemeinden sind die Interessenvertretung des Sports auf kommunaler Ebene. Wie gut läuft die Zusammenarbeit mit den Verwaltungen und der Politik?

Goertz: Wenn ich auf die Zusammenarbeit zwischen dem Kreissportbund und der Kreisverwaltung blicke, dann hat sich da in den letzten Jahren eine tolle Zusammenarbeit in ganz vielen Bereichen entwickelt. Sicherlich beflügelt durch unsere zunehmenden Aktivitäten in der Umsetzung des Programms „Sport bewegt NRW“ auf Kreisebene, aber auch durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung, die uns mit großer Offenheit und Bereitschaft, etwas gemeinsam zu bewegen, begegnet sind. Mit dem Landrat stehe ich im regelmäßigen Austausch, da es zwischen Sport und Verwaltung so viele Schnittstellen gibt, durch deren Nutzung wir die vielfältigen gesellschaftlichen Herausforderungen besser meistern können, als das jeder für sich alleine könnte. Um unsere vielfältigen Aktivitäten in die Breite zu tragen, haben wir begonnen, uns den politischen Fraktionen des Kreistags vorzustellen. Dies werden wir nach den Kommunalwahlen fortführen und versuchen, in einen regelmäßigen Austausch mit der Politik zu kommen. Hierneben spielen die Stadtsportverbände eine wichtige Rolle, wenn es um die Interessenvertretung des Sports in der Kommune vor Ort geht.

Am 25. Mai stehen die Kommunalwahlen auf dem Kalender. Welche Erwartungen, welche Wünsche und Forderungen richtet der Kreissportbund mit Blick auf die nächsten fünf Jahre an die Politiker auf Kreisebene?

Goertz: Für uns als Kreissportbund ist wichtig, dass unsere Aktivitäten eine nachhaltige Absicherung und Unterstützung durch den Kreis Heinsberg erfahren, da sie auf Langfristigkeit angelegt sind und es eine gewisse Zeit dauert, bis die Inhalte unserer Programme sich auch in den Angeboten unserer Mitgliedsvereine wiederfinden. Hinsichtlich der finanziellen Planungssicherheit leistet der Kreis Heinsberg bereits einen wichtigen Beitrag. Für das Haushaltsjahr wurde der Kreiszuschuss an den Kreissportbund von 25 500 auf 35 000 Euro erhöht, wofür ich sehr dankbar bin. Neben der finanziellen werden wir in den nächsten Jahren sicherlich auch über Möglichkeiten der sachlichen und ­infrastrukturellen Unterstützung sprechen. Hier bin ich insgesamt sehr zuversichtlich, dass wir die eben beschriebene Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung und den politischen Fraktionen weiter ausbauen und vertiefen werden. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass Politik und Sport im gesamten Kreis Heinsberg in einen auf ­Augenhöhe geführten sportpolitischen Dialog treten. Wir müssen uns offen darüber austauschen können, welche Unterstützungen sich die einzelne Kommune leisten und welchen Beitrag der Sportverein dazu beitragen kann, ohne die eigenen Probleme oder Handlungszwänge in den Vordergrund zu stellen. Nur so können wir gemeinsam etwas bewegen. Alles mit dem Ziel, die Rahmenbedingungen für Sport und Bewegung im Sportverein oder in Kooperation mit einem unserer Sportvereine möglichst attraktiv zu gestalten und nachhaltig abzusichern. Wir müssen den Menschen im Kreis Heinsberg die Perspektive geben können, dass es auch in 20 Jahren noch ausreichend Sportvereine mit qualitativ hochwertigen Sport- und Bewegungsangeboten vor Ort gibt, denn ohne die Erfahrungswerte und Entwicklungsmöglichkeiten, die der organisierte Sport bietet, wäre unsere Gesellschaft ein großes Stück ärmer.

Die Vereinsentwicklung mit Zielfindung und Leitbildentwicklung ist ein Thema, das den Kreissportbund aktuell beschäftigt. Was genau verbirgt sich dahinter?

Goertz: Das Thema der Vereinsentwicklung beschäftigt uns schon etwas länger, jedoch gewinnt es im Zusammenhang mit der Umsetzung unserer Programme immer mehr an Bedeutung. Wenn wir unser Ziel erreichen möchten, dass mehr Vereine nicht nur im Kinder- und Jugendbereich mit Kindergärten und Schulen kooperieren, sondern auch den Gesundheitssport und die Zielgruppe der Älteren in den Fokus nehmen beziehungsweise eine Organisationsstruktur schaffen, die nicht nur auf Wahlämtern beruht, dann bedarf dies einer Veränderung in den Vereinen. Dabei muss nicht jeder Verein alles anbieten, was auch aufgrund der Ressourcen in vielen Vereinen gar nicht möglich wäre, aber er sollte wissen, wofür er steht, was seine Philosophie ist, welche Zielgruppen er erreichen möchte, wo seine Stärken liegen und welche Bereiche er abdecken möchte. Das bedarf einer intensiven Auseinandersetzung mit dem eigenen Verein, die klassisch mit einer Vereinsanalyse beginnt und über Zielformulierungen und strategische Überlegungen bis hin zur Gestaltung und Umsetzung fortgeführt wird.

Wie sieht denn aus Ihrer Sicht der ideale Verein der Zukunft aus?

Goertz: Ich glaube, dass es den idealen Verein mit Blick auf die vielfältigen gesellschaftlichen Herausforderungen in unseren doch eher ländlichen geprägten Strukturen nicht geben können wird, da es zu viele Ressourcen beanspruchen würde. Daher gehe ich davon aus, dass wir sehr individuelle Entwicklungen feststellen werden. Es wird weiterhin den leistungssportorientierten neben dem breitensportorientierten Verein geben, wobei sich aus meiner Sicht die heute teilweise noch vorhandenen Mischformen immer mehr auflösen werden. Dabei werden wir in kleineren bis mittleren Breitensportvereinen wahrscheinlich eine zunehmende Fokussierung auf ausgewählte Zielgruppen wie zum Beispiel Kinder und Jugendliche, Familien, Senioren oder auf den Gesundheitsbereich mit Präventions- oder Rehasport sehen. Größere Vereine mit einem entsprechenden Einzugsgebiet haben da eher die Möglichkeit, sich breit aufzustellen. Hier könnte es eine Entwicklung in Richtung Dienstleistungsorientierung, vielleicht sogar mit einem vereinseigenen Fitnessstudio oder anderen vereinseigenen Sporträumen geben.

Welche Vereine packen dieses Thema an? Oder gibt es sogar schon perfekte oder zumindest vorbildliche Vereine im Kreisgebiet?

Goertz: Als Allererstes muss man dabei festhalten, dass wir im Kreis viele Vereine mit teilweise sehr engagierten Ehrenamtlichen haben, die tolle Ideen haben und in verschiedenen Bereichen vorbildlich arbeiten. Dies lässt sich zum Beispiel bei wettkampforientierten Vereinen beziehungsweise Abteilungen feststellen, die oftmals hervorragende Nachwuchsarbeit leisten, wovon dann auch der Seniorenbereich profitiert. Hier sind auch zunehmend Konzepte für die Nachwuchsarbeit vorzufinden. Einige mittlere und größere Vereine öffnen ihre Sportangebote auch für Nichtmitglieder und bieten Sportkurse an, sie integrieren Gesundheitssport im Verein und erschließen sich über Kooperationen neue Möglichkeiten. Mir ist bekannt, dass im Rahmen der Umsiedlung im Stadtgebiet Erkelenz einige Vereine im Rahmen des RWE-Projektes begleitet wurden. Als Kreissportbund und ich selbst in meiner Rolle als freier Mitarbeiter im VIBSS-Beraterteam des Landessportbundes (VIBBS steht für Vereins-, Informations-, Beratungs- und Schulungs-System; Anm. d. Red.) haben zum Beispiel den TC Blau-Gold Wassenberg über ein Jahr bei der Entwicklung eines Vereinsprofils begleitet. Ganz aktuell begleite ich den TuS Germania Kückhoven seit Mitte ­Januar in einem etwas größer ­angelegten Projekt im Rahmen einer Vereinsentwicklungsberatung. Hier haben wir gerade die Analysephase absolviert und fünf Projekte festgelegt, die der Verein nun innerhalb des nächsten Jahres mit meiner Begleitung umsetzen beziehungsweise angehen möchte.

Welche Hilfestellung kann der Kreissportbund den Vereinen geben?

Goertz: Im Rahmen von VIBSS bieten wir unseren Sportvereinen gemeinsam mit den Stadtsportverbänden ein breites Angebot an Vereinsmanagement-Seminaren aus der Reihe „Kurz und Gut“ an und weisen auf die Möglichkeit der kostenlosen Vereinsberatung durch den Landessportbund hin. Das Angebot der Vereinsberatung steht allen Mitgliedsvereinen bis zu sechs Stunden im Jahr kostenlos zur Verfügung, darüber hinaus gegen eine Kostenbeteiligung. Die Beratung kann entweder als Fachberatung zu aktuellen Problemstellungen, zu Themen wie Satzung, Finanzen sowie Rechts- oder Versicherungsfragen oder als Vereinsentwicklungsberatung in Anspruch genommen werden.

Der Vorstand des Kreissportbundes hat beschlossen, selbst eine Organisationsentwicklung durch den Landessportbund in Anspruch zu nehmen. Was ist das Ziel?

Goertz: Wir hatten zu Beginn meiner Amtszeit als Vorsitzender das große Glück, an einem Qualitätsmanagement-Projekt des Landessportbundes teilnehmen zu können. Im Rahmen dieses Projektes haben wir damals eine Selbstbewertung unserer Organisation vorgenommen, strategische Ziele festgelegt und ein Leitbild entwickelt, an dem wir unsere Aktivitäten in den letzten Jahren ausgerichtet haben. Im Rahmen der Organisationsentwicklung sollen der mittlerweile erreichte Ist-Zustand mit unseren Zielen aus dem Leitbild abgeglichen, die Strategie bis 2020 festgelegt sowie die Organisationsstrukturen an unsere Entwicklung in den letzten Jahren angepasst werden. Gleichzeitig sehen wir uns aber auch in einer Vorbildfunktion für unsere Sportvereine, da wir der vollen Überzeugung sind, dass nur eine stete Überprüfung der eigenen Arbeit und Weiterentwicklung der eigenen Organisation zu einem nachhaltigen und zeitgemäßen Erfolg führen wird.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert