„Integration pur” in der Wohnstätte der Lebenshilfe Heinsberg

Von: Anna Petra Thomas
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König Willi Doppstadt (4.v.r.
König Willi Doppstadt (4.v.r.) und Königin Bernadette Pukallus (2.v.l.) freuen sich riesig über die große Unterstützung, die ihnen bei der Vorbereitung auf die Kirmes zuteil wird. Foto: anna

Heinsberg-Kirchhoven. „Integration pur!” Zwei Worte reichen Bernadette Pukallus, um all das zu beschreiben, was derzeit in der Kirchhovener Wohnstätte der Lebenshilfe, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung, vor sich geht. Denn eigentlich ist alles ganz normal, aber gerade deshalb auch wieder ganz besonders.

Die Assistentin der Lebenshilfe hat hier gerade mehr als alle Hände voll zu tun: nicht nur, weil mit Willi Doppstadt einer der 35 Bewohner in gut drei Wochen seinen ersten ganz großen Auftritt als Schützenkönig der St. Hubertus Schützenbruderschaft haben wird. Nein, sie selbst wird ihn als Schützenkönigin begleiten - beides eine Premiere für die Lebenshilfe und natürlich auch für die Bruderschaft.

„Das war seit vielen Jahren sein Wunsch”, erzählt Willi Houben, Präsident der St. Hubertus Schützen, bei denen Doppstadt bereits seit elf Jahren Mitglied ist. „Er ist doch auch jetzt schon bei allen Aufzügen dabei. Da gab es gar keine Diskussion.”

In der Dorfbevölkerung sei die Nachricht vom neuen König aus der Wohnstätte nach dem Vogelschuss sehr positiv aufgenommen worden. „Und von Angehörigen seiner Mitbewohner habe er sogar E-Mails erhalten”, berichtet Houben. „Willi Doppstadt ist ein Mitglied wie jedes andere auch”, betont er den Gedanken des Begriffs Inklusion, der in Kirchhoven anscheinend erst gar nicht erläutert werden muss. Hier wird er gelebt.

So finden sich an vielen Abenden, in denen die Arbeiten für den Schmuck des großen „Königsschlosses” verrichtet werden müssen, nicht nur die Bewohner der Wohnstätte im Keller der Einrichtung ein. Auch die Mitarbeiter sind dabei. Mitglieder der Schützenbruderschaft und auch die Nachbarn helfen mit. Eine ältere Dame aus der Schwimmbadstraße strahlt, als sie aus einem roten Papierstreifen mit ein paar flinken Drehungen eine wunderschöne Rose fertigt. Dabei erinnert sie sich an ihre eigenen Erlebnisse als Schützenkönigin.

„Ich hab erst einmal die Luft angehalten und gedacht: Ob das wohl gut geht?”, gibt Jürgen Rosenthal ganz ehrlich seine ersten Empfindungen nach der Nachricht von der Königswürde in der Wohnstätte preis. Als Mitbegründer und erster Geschäftsführer der Heinsberger Lebenshilfe weiß er genau, wovon er spricht. Auch er hilft bei den Vorbereitungen, wohnt doch sein Sohn Thomas hier in Kirchhoven. „Aber die Wohnstätte hier hat sich so positiv entwickelt. Sie ist so integriert”, sagt er und schaut in die Runde der vielen fleißigen Hände, die hier gerade rund 7000 Rosen in Rot, Lila und Pink basteln.

„Das ist hier schon fast Normalität”, sagt er, „aber hier im Kreis und in Nordrhein-Westfalen mit Sicherheit einzigartig. Und ich denke auch in Deutschland.” Die behinderten Menschen seien zwar auch bisher schon am Dorfleben beteiligt gewesen, aber jetzt im Mittelpunkt zu stehen, sei doch etwas ganz Neues für sie, sagt er. „Die Reaktion hier im Ort ist unglaublich. Dass alle so mitmachen! Ich kann es nicht in Worte fassen!”

Willi Doppstadt, der tagsüber im Café der Begegnung an der Werkstatt der Lebenshilfe in der Heinsberger Borsigstraße arbeitet, fiebert seinem großen Auftritt mit viel Freude entgegen. Das wurde auch beim offiziellen Fototermin, im schwarzen Anzug mit Königssilber, ganz deutlich. Aber nicht nur bei ihm ist Aufregung zu spüren. Allen Bewohnern geht es wie ihm. Ab und an schallt dieser Tage schon mal Marschmusik über den Flur der Wohnstätte. Auch Videoaufnahmen von früheren Kirmesveranstaltungen werden gemeinsam angeschaut. Alle wollen gut vorbereitet sein auf ein Fest, das sicher ein ganz großes für alle Bewohner und Mitarbeiter der Wohnstätte werden wird.

Edgar Johnen, Geschäftsführer der Lebenshilfe, sagt, dass er sich riesig über die Nachricht aus Kirchhoven gefreut habe. Aber: „Meine Vision ist, dass es eine Zeit gibt, in der das nichts Besonderes mehr ist, in der ich keinen Anruf mehr von der Zeitung mehr erhalte, in der die Nachricht unter Verschiedenes erscheint wie bei jeder anderen Kirmesankündigung auch?”, sagt er.
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