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Hundert Jahre Kraut und Äpfel

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Bernd Spelten ist seit 30 Jahren im Betrieb, den sein Großvater vor mehr als 100 Jahren in Holtum gegründet hat. Der 49-Jährige fühlt sich der Tradition verpflichtet. Foto: N. Schuldei

Wegberg-Holtum. Eine junge Kollegin klagte vor Tagen, sie wisse gar nicht, was sie mit den vielen Äpfeln aus ihrem Garten noch alles anstellen solle: Sowohl der Kuchen, sei er aus Mürbe-, Blätter- oder Hefeteig wie das Mus, ja sogar der mit Mandelsplitter verfeinerte und mit Zimt exotisch gewürzte Kompott werde sowohl vom Gatten als auch den beiden Töchtern links stehen gelassen.

So etwas wird auch der Großvater von Bernd Spelten am Ende des vorletzten Jahrhunderts, also so in der 1890er Jahren, bei seiner Gemahlin beobachtet haben. Der Landwirt aber hatte damals eine ausgesprochen pfiffige Idee, von der sein Enkel Bernd noch immer gut zehren kann: Äpfel kochen, auspressen, Saft eindicken - fertig ist der Brotaufstrich.

Als ganze Frucht gekocht

Zugegeben: Das bis auf den heutigen Tag geltende Erfolgsrezept der Krautfabrik Spelten ist so nur sehr verkürzt wiedergegeben. „Im Prinzip ist es aber durchaus richtig”, sagt der Enkel des Firmengründers beim Gang durch das im Laufe der Jahre stetig gewachsene Firmengelände am Randes des Wallfahrtsortes Holtum. „Die frisch geernteten Äpfel werden gewaschen und als ganze Früchte gekocht”, erklärt Spelten.

Durch Auspressen gewinnt man aus dem Obstbrei einen Rohsaft, der auf die Hälfte eingedickt wird. Diesem Apfeldicksaft wird dann etwas Birnensaft und bisweilen auch ein wenig Zucker für die Süße beigemengt. „Die gewünschte Konsistenz erreichen wir durch die schonende Verdampfung des in diesem Naturproduktes enthaltenen Wassers”, sagt Spelten.

Natürlich kommen die meisten Menschen der Schwarzen Madonna und nicht der Krautfabrik wegen in das in das Örtchen am Rande von Wegberg. Speltens Produkte aber sind in aller Munde: Rheinisches Birnenkraut, Rheinisches Apfelkraut ohne Zuckerzusatz, Rheinisches Pflaumenmus aus frischen Pflaumen, Spelten´s kalt geriebenes Apfelmus oder der naturtrübe Apfelsaft - die Rezepturen haben sich im Verlauf der mehr als hundertjährigen Geschichte des Familienbetriebes nur unwesentlich verändert.

„Wir haben mit unserem Traditionsprodukt eine Nische auf dem Lebensmittelmarkt besetzt”, sagt Bernd Spelten, der seit 1982 alleiniger Inhaber des Unternehmens ist. Natürlich wird zur Herstellung der diversen Produkte heute modernste Technik eingesetzt: Beim Gang durch die Produktionshallen verwirren den Laien Hydraulikpressen ebenso wie diverse Hochdruckkessel, Vakuumpumpen, Verdampfungsanlagen und andere technische Finessen, mit deren Hilfe die Früchte bearbeitet werden.

„Wir verwenden Äpfel und Birnen ausschließlich aus der Region und verkaufen unsere Produkte entweder selbst hier vor Ort oder in Hofläden”, sagt Spelten. Darauf legt er ganz besonderen Wert, da ist er ein Konservativer durch und durch: Die Regionalität und Tradition aufrecht erhalten und dabei die Qualität und Nachhaltigkeit des Produktes sichern - das ist sozusagen der Extrakt der Speltenschen Firmenphilosophie.

Er sei immer wieder überrascht, sagt Spelten, wie viele Streuobstwiesen es in der Region gebe und wie viele Leute die Äpfel bei ihm in Holtum zur weiteren Verarbeitung ablieferten. Auch das wird heute noch wie vor über hundert Jahren abgehandelt: „Obst gegen fertiges Produkt, auch das Tauschgeschäft hat Tradition”, sagt Spelten. Natürlich reichen die so einkommenden Mengen nicht aus, um den Bedarf der Fabrik zu decken. „Wir haben Verträge mit Obstplantagen im Meckenheimer Raum, die uns mit Äpfeln beliefern”, sagt Spelten. Bei 30 bis 40 Tonnen liegt der Tagesdurchsatz jetzt zur Erntezeit, ein bis zwei mit Fallobst gefüllte Lkw rollen täglich in Holtum ein.

Zurzeit ist Hochsaison: die Äpfel sind reif, die Rübenkampagne ist angerollt, die zehn Mitarbeiter in der Produktion in Speltens Krautfabrik haben alle Hände voll zu tun. „Die Apfelsaison läuft bis Mitte November, mit den Zuckerrüben haben wir bis Anfang Februar zu tun, ab Februar bis Mai werden dann die Äpfel aus den Aussortierungen der Plantagen in Meckenheim verarbeitet”, sagt Bernd Spelten. Bis Mai ist sein Betrieb arbeitsmäßig ausgelastet, danach beginnt die so genannte Revision: Die Maschinen werden gewartet und für die nächste Saison hergerichtet.

Mehr als hundert Jahre geht das nun schon so. Wie geht´s weiter, wenn er sich aus dem Geschäft zurückzieht? „Ich habe zwei Söhne”, sagt Bernd Spelten. „Beide haben schon Interesse signalisiert.” Gute Aussichten also, dass der Betrieb auch in der nächsten Generation in Familienbesitz bleibt.
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